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Frau und Kind von Bekanntem befinden sich noch in Kiew

Spexarder rettet Flüchtlinge aus der Ukraine

Gütersloh

Als die Frau eines Kollegen im umkämpften Kiew festsitzt, überlegt er nicht lange und macht sich auf den Weg Richtung Ukraine.

Von Carsten Borgmeier

Sven Dönnewald ist aus Spexard bis nachPrzemysl gefahren. Dort trifft er die junge Olga (36) mit Tochter Nikita (1) und Mutter Galina (59). Sie waren zuvor mit dem Zug aus der Ukraine geflohen. Spontan nimmt der Gütersloher die Familie mit seinem Auto mit, in den Westen Polens. Foto: privat

Als die Russen Ende vergangener Woche in die Ukraine einmarschieren, ist der Arbeitskollege des Spexarders Sven Dönnewald direkt betroffen: Frau und Kind von einem Bekannten befinden sich noch in Kiew. Spontan machen sich die beiden Männer auf den Weg.

„Ich bin auch Ehemann und Vater, und mir war sofort klar: Da muss ich helfen“, berichtet Dönnewald am Montagmorgen aus Polen. Zu diesem Zeitpunkt stecken dem Spexarder Solartechniker schon eine durchfahrene Nacht und mehr als 1300 Autokilometer bis nach Przemysl in den Knochen. Dort an der polnisch-ukrainischen Grenze hat der Spexarder seinen Kollegen abgesetzt, der sich so schnell wie möglich bis nach Kiew zu seinen Lieben durchschlagen will.

Foto: privat

„Alex hat telefonischen Kontakt zu seiner Frau, die mit dem Kind im Keller eines Hochhauses Schutz gefunden hat vor den Raketen-Angriffen der Russen Tag und Nacht. Und weil es offenbar zu gefährlich war, dass es Frau und Kind allein bis zur Grenze nach Polen versuchen, will Alex sie in Kiew abholen“, berichtet Dönnewald.

Das Auto bleibt nicht leer

Am Sonntagnachmittag seien die Männer in Przemysl angekommen, wo sich bereits besonders im und am Bahnhof viele Tausend ukrainische Flüchtlinge aufhalten. „Die Hilfsbereitschaft der Polen, besonders der jungen Leute hier ist beeindruckend“, berichtet der Spexarder. „Mit ihren vielfach klapprigen Autos kommen sie angefahren, die sie bis unters Dach mit Lebensmittel für die Flüchtlinge vollgepackt haben.“ Dönnewald ist gerührt von den herzzerreißenden Szenen, die sich am Bahnhof vor seinen Augen abspielen.

Der Spexarder will nicht mit unbesetztem Auto nach Gütersloh zurückfahren. Im Bahnhof trifft er auf die junge Olga (36), die mit Tochter Nikita (1) und Mutter Galina (59) per Zug aus der Ukraine geflüchtet ist. „Ich bin ganz geschockt von den Raketen, die in der Nähe meiner Wohnung niedergegangen sind“, erzählt Olga noch ganz aufgelöst. Sven Dönnewald erklärt sich bereit, sie bis in den Westen Polens mitzunehmen, denn dort nahe der deutsch-polnischen Grenze hält sich derzeit Olgas Ehemann, ein Trucker, auf. In der Nacht von Sonntag auf Montag kommen sie in einem katholischen Pfarrheim mitten in Polen unter. „Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden“, schildert der Spexarder. Von Olga, die Verwandtschaft in Russland hat, erfährt er, dass die Bevölkerung dort so gut wie nichts vom Überfall auf die Ukraine weiß. „Die Medien dort sind gleichgeschaltet“, sagt er.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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