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Seit mehr als zwei Monaten steht die Baustelle am Berliner Platz still

Stahlträger lassen auf sich warten

Gütersloh (WB). Am Anfang ist es nur ein kleiner Riss, der sich durch die Fassade des Nebengebäudes zieht. Je tiefer sich der Bagger mit seiner Schaufel in den Boden gräbt, desto mehr Spalten entstehen in der Hauswand. Nach dem Abbruch des Fischgeschäftes »Nordsee« am Berliner Platz ruht die Baustelle seit mehr als zwei Monaten. Derzeit ist ungewiss, wann es weitergeht.

Wolfgang Wotke

Nicht zu übersehen: Die Seitenwand des Spielzeugwarengeschäfts Witthoff ist durch zwei dicke Stahlträger stabilisiert worden. Foto: Wolfgang Wotke

Die Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh als Bauträger, die an dieser Stelle für rund zwei Millionen Euro ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichten will, spricht weder von einem juristischen Baustopp, noch von einer möglichen Gefahr, dass die geschädigte Witthoff-Immobilie einzustürzen droht.

Sprecherin Stefanie Deppe: »Hier handelt es sich lediglich um einen technischen Baustopp. Dass sich das Witthoff-Gebäude des gleichnamigen Spielwarengeschäftes urplötzlich durch Erdarbeiten in seiner Statik verändert hat, konnte niemand vorhersehen. Weder die Statiker selbst, noch der Abrissunternehmer.«

Risse sind mit Kunstharz verspachtelt worden

Die Risse in der Fassade seien mittlerweile mit einem Kunstharz verspachtelt und die Seitenwand mit zwei dicken Stahlträgern als Stützen stabilisiert worden. Man warte auf spezielle, angefertigte Stahl-Beton-Träger als auch auf Platten, die dort integriert werden müssten, um die Unterkellerung für den Neubau fortzuführen. Wahrscheinlich werde dadurch der Keller etwas kleiner.

»Das alles kann aber noch einige Wochen dauern, bis diese Materialien ausgeliefert werden, denn solche Elemente liegen nicht einfach auf Halde«, sagt Deppe. Im Moment sei dort jedenfalls alles sicher. Man rechne fest damit, in den nächsten Wochen die Bauarbeiten fortsetzen zu können. Das zuständige Architekturbüro Melisch, das die Baumaßnahme ausführt und koordiniert, hat sich trotz Anfrage dieser Zeitung zum Stand der Dinge nicht äußern wollen und an die Evangelische Kirche verwiesen.

Der Neubau sollte im Dezember fertiggestellt sein

Eigentlich sollte der Neubau Ende Dezember fertiggestellt sein. Doch aufgrund der unvorhergesehenen Verzögerung werde man diesen Termin nicht einhalten können, erklärt Stefanie Deppe. Von der unerwarteten Unterbrechung der Bauarbeiten sind die Anwohner und Geschäftsleute der Königstraße als auch viele Bürger nicht gerade begeistert.

»Den riesigen Kran, der seit einigen Monaten dort aufgestellt worden ist, hat bislang nur der Wind bewegt. Der Anblick ist nicht schön«, gesteht ein Kaufmann, der sein Geschäft in der Nähe hat. Und ein 76-jähriger Rentner wettert: »Jetzt werden der Schinken- und der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Platz schon wieder durch diese Baustelle geprägt.« Kritik hatte es bereits im Vorfeld wegen des Abrisses des Hauses von 1834 gegeben.

Ursprünglich war es der Plan, auch das Witthoff-Gebäude abzureißen und es neu zu errichten. Durch den plötzlichen Tod des Inhabers wurde das Projekt vorerst gestoppt und auf unbestimmte Zeit verschoben.

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