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13 infizierte Schlachtarbeiter tauchen bis heute nirgendwo auf

Streit um Corona-Statistik

Gütersloh (WB). Niemand will sie in seiner Statistik haben: 13 mit Corona infizierte Schlachtarbeiter finden sich bis heute weder in den Corona-Zahlen des Kreises Gütersloh wieder noch in denen des Nachbarkreises Osnabrück. Beide Landratsbehörden meinen, die andere sei zuständig.

Christian Althoff

Im Zerlegebetrieb Westfleisch/Westcrown in Dissen am Teutoburger Wald ist in der vergangenen Woche mehr als die Hälfte der Belegschaft positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Fast 150 Menschen sind in Quarantäne. Foto: dpa

Jeder Kreis ist im Moment daran interessiert, die offiziellen Infizierten-Zahlen so niedrig wie möglich zu halten. Denn spätestens, wenn es innerhalb von sieben Tagen 50 neue Fälle pro 100.000 Einwohner gibt, müssen die Gesundheitsämter eingreifen und Einschränkungen verhängen. Von diesem Grenzwert sind die Kreise in Ostwestfalen-Lippe im Moment allerdings weit entfernt, im Kreis Gütersloh lag die Zahl am Mittwoch bei 5,2

Erkrankte sind in Quarantäne in Niedersachsen

In der vergangenen Woche ergaben Untersuchungen, dass mehr als die Hälfte der 280 Beschäftigten des Zerlegebetriebs Westfleisch/Westcrown im niedersächsischen Dissen mit dem Coronavirus infiziert sind. 13 von ihnen wohnten in Nordrhein-Westfalen, in Borgholzhausen im Kreis Gütersloh. Und der lehnt es bis heute ab, die Infizierten-Zahl in seiner Statistik entsprechend anzupassen. Kreissprecher Jan Focken: „Die Leute sind inzwischen in Niedersachsen in Quarantäne. Damit ist der Landkreis Osnabrück zuständig.“

Henning Müller-Detert, Sprecher der Kreisverwaltung Osnabrück, bestätigt, dass sich die Männer aus Borgholzhausen derzeit im Landkreis Osnabrück aufhalten. „Es war einfach eine pragmatische Entscheidung, dass wir uns um sämtliche Infizierten des Zerlegebetriebes kümmern.“ Sie seien in einer momentan nicht benötigten Bildungseinrichtung in Quarantäne.

Sie deshalb nicht in der Statistik des Kreises Gütersloh zu führen, hält man in Osnabrück allerdings für den falschen Weg: „Wir ordnen die Corona-Fälle dem Wohnort des Infizierten zu, um eine Vergleichbarkeit zu haben und das Infektionsgeschehen nachvollziehen zu können“, sagt Henning Müller-Detert.

„Würde man immer dort zählen, wo sich die Infizierten gerade aufhalten und etwa bei einer Verlegung in ein Krankenhaus den Kranken am Standort des Krankenhauses mitzählen, würde sich auch mit Blick auf die Sieben-Tage-Häufigkeit ein komplett schiefes Bild ergeben. Eine Stadt mit Krankenhaus würde dann ins Risiko laufen, Lockerungen wieder zurücknehmen zu müssen, nur weil das Krankenhaus viele Corona-Patienten aus dem Umland aufgenommen hat.“ Deshalb halte der Landkreis Osnabrück seine Zählweise für sinnvoll und habe die Gütersloher Infizierten nicht in seine Statistik aufgenommen.

Laut Infektionsschutzgesetz ist der Wohnort ausschlaggebend

Und was sagt das Infektionsschutzgesetz? Heiko Haffmans, Sprecher im NRW-Gesundheitsministerium, sagt, die Statistik werde dort geführt, wo man gemeldet sei. „Grundsätzlich gilt das Wohnortprinzip. Im Gesetz ist auch geregelt, dass ein Gesundheitsamt, in dessen Zuständigkeitsbereich die Infektion aufgetreten ist, das Gesundheitsamt informiert, in dessen Bereich der Infizierte wohnt.“

Wenn es um einen größeren Ausbruch mit mehreren Infizierten gehe, werde eine sogenannte „Herdkennung” angelegt, in der alle im Ausbruch Infizierten zusammengefasst werden. „Das bedeutet, man zählt sie dem Ausbruchsort, dem Herd, zu.” Wo der war, ist im Fall des Zerlegebetriebs allerdings nicht geklärt.

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