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Bemalen, Verstecken und Finden der kunterbunten Kiesel ist auch in Gütersloh Trend

Sucht Steine!

Gütersloh (WB). Hier ist es ausdrücklich erwünscht, anderen Steine in den Weg zu legen: Steine bemalen, auslegen und den Findern damit eine Freude machen – diese Bewegung hat jetzt auch Gütersloh erreicht. Sascha Solz und Sonia Montanes haben die Gruppe »Gütsel-Stones« gegründet.

Dunja Delker

Sonia Montanes und Sascha Solz haben in Gütersloh die (Facebook-) Gruppe »Gütsel-Stones« gegründet. Jeder, der möchte, kann bunte Steine finden und verstecken – auch ohne Facebook. Im Sozialen Netzwerk hat sie schon 160 Mitglieder. Foto: Dunja Delker

Geocaching, Pokémon-Go: Ähnlich wie diese Trends ist auch »Gütsel-Stones« eine Art Versteckspiel. Die Idee kommt ursprünglich aus den USA und ist über Norddeutschland in den Kreis Gütersloh geschwappt.

In der Kreisstadt hat Sascha Solz den Stein vor etwa zwei Wochen ins Rollen gebracht, als er die ersten Kunstwerke ausgelegt und mit seiner Frau die dazugehörige Facebook-Gruppe »Gütsel-Stones« gegründet hat.

Die Idee der »Fotosafari«, wie es der 38-Jährige auch nennt, ist einfach: Wer seinen Stein versteckt, postet in der Gruppe ein Bild vom Standort. Das wiederum tut auch der Finder.  Idealerweise versteckt er ihn dann neu oder bringt einen eigenen bunten Stein ins Spiel.

»Wir beschränken uns in dieser Startphase auf die Innenstadt«, sagt Sascha Solz. 160 Mitglieder hat seine Facebook-Gruppe mittlerweile, und es werden jeden Tag mehr. Ein echter »Rolling Stone«. Fürs Spiel gibt es Regeln: Die Steine sollten mit Blick auf die Hygiene nicht auf »Hundehöhe« versteckt werden. Privatgrundstücke oder Bereiche direkt an Ladenlokalen mit Schaufenstern sind ebenfalls tabu. Auf der Rückseite der Steine steht #gütsel-stones. Damit der Finder auch weiß, welcher Gruppe sie zuzuordnen sind.

Beim Bemalen können die Kiesel-Künstler ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Manche Steine haben eine einfarbige Oberfläche, andere sind wahre Kunstwerke. Sascha Solz lässt sich oft von ihrer Form inspirieren: »Beim Gassigehen mit meinem Hund halte ich mittlerweile ständig Ausschau nach Steinen«, sagt er. »Und plötzlich denke ich: Ach guck’, ein Lama.« Aus besagtem Stein ist inzwischen ein Lama-Kopf geworden und er ist längst auf die Reise gegangen.

Sternenhimmel, Postkasten, Bäume, Pusteblumen, Landschaften und vieles mehr hat Sascha Solz bereits mit Acrylfarbe auf die Steine gemalt. Ein völlig neues Hobby für den Gesundheits- und Krankenpfleger, der derzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. »Deswegen habe ich viel Zeit und kann viel ausprobieren«, sagt der 38-Jährige. Wie jüngst das Marmorieren.

Wichtig ist dem Vater von drei Kindern, der auch gerne näht, dass die Motive in Zeiten von Mikroplastik mit Klarlack überzogen werden. Dann hält die Farbe bei jedem Wetter. »Wir wollen die Umwelt ja verschönern und nicht verschmutzen.« Deswegen bittet er alle Künstler auch darum, die Steine nicht zu bekleben – beispielsweise mit Plastikaugen.

Und warum der Spaß? »Wir wollen die Stadt bunter machen, den Findern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und in Kontakt kommen«, sagt Sascha Solz. Und noch einen Effekt hat das Steine sammeln: Statt ständig aufs Smartphone zu schauen, halten die Menschen Ausschau nach Steinen – bemalte oder Rohlinge.

Sascha Solz hat seine Steine beispielsweise schon im Bücherschrank am Rathaus, auf der Skulptur »Güths Mariechen« am Kolbeplatz versteckt. Auch im Stadt- und im Mohnspark sind schon »Gütsel-Stones« gesichtet worden. Einen Stein bemalt als ICE hat der Spexarder an der Citywache deponiert. Und es dauerte nicht lange, bis die Beamten ein Foto vom »Tatort« gepostet hatten. Wer weiß, vielleicht taucht ein Stein aus Gütersloh demnächst ja auf der anderen Seite des Globus wieder auf?

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