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Detlef Jentsch versteigert Erbstück mit außergewöhnlicher Vergangenheit

Taschenuhr rettete Leben

Gütersloh (WB). Wenn alte Schätze und Raritäten auf einer Auktion versteigert werden, kommt schon mal die eine oder andere wunderliche Geschichte ans Tageslicht. Im Falle einer goldenen Taschenuhr aus der Nachkriegszeit ist die Hintergrundgeschichte besonders spannend: Sie soll ihrem früheren Besitzer das Leben gerettet haben.

Hannah Bollmann

Lebensretter: Diese Uhr mit besonderer Geschichte möchte Detlef Jentsch in seinem Gütersloher Auktionshaus versteigern. Foto: Wolfgang Wotke

Nach Angaben des Auktionshauses Jentsch, in dem die Uhr am Samstag, 23. September, versteigert werden soll, gehörte das Stück einst einem Gütersloher. Dieser soll, nicht lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges, in der Bielefelder Altstadt eine Gaststätte mit dem Namen »Zur Laterne« betrieben haben.

Mit Messer in die Brust gestochen

An einem Abend, kurz vor Feierabend, sei ein Mann in die »Laterne« gekommen und habe den Gastwirt bedroht und schließlich mit einem Messer angegriffen. Bei dem Versuch, den Wirt mit dem Messer in die Brust zu stechen, habe der Angreifer allerdings die Taschenuhr in der Brusttasche des Güterslohers getroffen. Das Messer habe den Deckel und das Glas der Uhr durchschlagen und das Zifferblatt beschädigt, doch der Besitzer sei unverletzt geblieben.

Im Laufe der Jahre wurden zwar Deckel und Glas der Uhr erneuert, das Zifferblatt mit dem Einstichloch sei jedoch immer noch das gleiche. Die Taschenuhr und die damit verbundene Erinnerung befanden sich noch immer im Besitz der Familie des Gütersloher Wirtes, doch nun konnte kein neuer Besitzer für sie gefunden werden. Für den Altgoldhandel sei die Uhr mit ihrer Geschichte jedoch zu wertvoll, deswegen hätten sich die Erben für die Auktion entschieden, bei der nun erzählt werden könne, wie die Taschenuhr zum Lebensretter geworden sei.

Materieller Wert liegt bei 400 bis 500 Euro

Im Auktionshaus Jentsch schätzt man den Wert der voll funktionsfähigen goldenen Uhr mit dem beschädigten Ziffernblatt auf 400 bis 500 Euro. »Da geht es erst mal nur um den materiellen Wert. Den ideellen Wert aufgrund der Hintergrundgeschichte kann man nicht berechnen«, erklärt Detlef Jentsch. Die Uhr stamme definitiv aus deutscher Manufaktur, aus welcher sei aber nicht klar.

Neben der Taschenuhr mit der besonderen Geschichte soll auch Porzellan versteigert werden, das um 1970 für den Schah von Persien bemalt worden war. Alle Gegenstände, die bei der Herbstauktion versteigert werden sollen, können am kommenden Samstag von 12 bis 14 Uhr besichtigt werden. Die Auktion selbst beginnt um 14 Uhr.

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