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Gütersloh

Theatersaison: Akrobatisch, tiefsinnig und verspielt

Gütersloh (sib)

Zahlreiche Höhepunkte hat das Theater Gütersloh für die anstehende Spielzeit 2022/2023 im Gepäck. Ein Überblick.

Eine von drei größeren Tanzveranstaltungen der kommenden Theatersaison ist „Made of Space“ am 15. September. Eine Sparte, die er weiter ausbauen wolle, seit er beim Theater tätig sei, sagt Christian Schäfer.

Gütersloh (sib) - Draußen blitzt, donnert und regnet es, als Christian Schäfer und Karin Sporer als Künstlerische Leitung am Donnerstagmorgen die kommende Theaterspielzeit vorstellen.

„Theater hat die Kraft, gesellschaftlich relevante Themen vielfältig zu behandeln“

Ein böses Omen für die Saison? Wohl eher nicht: Die beiden stellen eine bunte Auswahl an hochkarätigen Aufführungen vor, die die Besucher 2022/2023 erwarten. Und zwar fast ohne Pandemie-Einfluss. 

Das hoffe er zumindest, sagt Christian Schäfer. Getrübt werde die Vorfreude auf die Saison durch den Krieg in der Ukraine. Aber darin stecke auch die Kraft des Theaters: „Gesellschaftlich relevante Themen in vielfältiger künstlerischer Form behandeln“, so Schäfer.

Ausruf in Richtung Putin: „Geben Sie Gedankenfreiheit“

An der Langenachtderkunst wolle sich das Theater etwa beteiligen, indem es Gäste aus der Ukraine zu Wort kommen lasse. Außerdem habe das Schauspielhaus einen Letter of Intent, eine Absichtserklärung, unterzeichnet – wie mehr als 100 Theater deutschlandweit. Mit seiner Unterschrift zeigt das Gütersloher Theater den Willen, Zusammenarbeit mit Geflüchteten und Theatern aus der Ukraine zu forcieren. 

„‚Geben Sie Gedankenfreiheit‘, den berühmten Ausspruch aus Schillers Don Carlos, möchte man Putin auch zurufen“, sagt Christian Schäfer. Die Oper führt das Theater Osnabrück am 4. Mai 2023 in Gütersloh auf. 

Abos: Insgesamt 15 Abonnements stehen zur Verfügung – im Gegensatz zum eingeschränkten Abo-Angebot der vergangenen Spielzeiten. Preise: Sie bleiben laut Theater-Betriebsleiter Ralph Fritzsche gleich. Lediglich der Preis für Angebote aus dem Bereich „Gütersloh Philharmonisch“ steigen um zwei Euro. 

„Wenn ich allerdings auf 2023 schaue, wird mir Angst und Bange“, sagte Fritzsche mit Blick auf stark gestiegene Energiekosten. Entsprechend würden aktuell sowohl Theater als auch Stadthalle auf LED-Technik umgerüstet. Das soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. 

Alte Bekannte: Es gibt diese Ensembles und Schauspieler, die immer wieder nach Gütersloh zurückkehren. Auch in dieser Saison sind einige von ihnen vertreten. Etwa das Puppentheater Familie Flöz, das aktuell am Stück „Hokuspokus“ arbeitet (Aufführung am 10. September). Und das Theater Zitadelle aus Berlin. Mit „Die Berliner Stadtmusikanten V – Grand Hotel Grimm“ ist es am 19. April 2023 zu Gast. „Würden wir sie nicht wieder einladen, bekämen wir Ärger mit unseren Besuchern“, scherzt Christian Schäfer. 

Ebenfalls dabei: Judith Rosmair in „Curtain Call“ am 2. März 2023, einem Meta-Stück über die Schauspielerei. Rosmair hatte in „Endlose Aussicht“ im vergangenen Jahr die Theatersaison eingeleitet.

Orgel: Die Kleuker-Orgel im großen Saal der Stadthalle wurde jüngst über eine Spende der Familie Zinkann restauriert. Ihre Funktionstüchtigkeit wird in der kommenden Saison unter Beweis gestellt – wenn am 8. November die Nordwestdeutsche Philharmonie kommt und Solist Sebastian Küchler-Blessing darauf unter anderem eine Improvisation über „Am Brunnen vor dem Tore“ spielt. 

Corona: Die meisten Corona-Regeln sind – so der Wunsch der Kultur-Räume – in der kommenden Saison passé. Empfohlen werden Abstand und regelmäßiges Desinfizieren der Hände. Aktuell macht das Theater noch von seinem Hausrecht Gebrauch und besteht auf Maskenpflicht. 

Sponsoren: Mit dabei ist die Sponsoring-Gemeinschaft Kultur Plus mit insgesamt acht Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh. Auch der Theater-Förderverein und das Kultursekretariat NRW greifen ins Rad. „Ohne ihre Unterstützung wäre ein Programm dieser Güteklasse nicht möglich“, sagte Christian Schäfer. 

Kartenverkauf: Tickets für die Theater-Abonnements gehen ab dem 14. Mai in den Verkauf (9 bis 14 Uhr). Einzelkarten sind einen Monat später, ab dem 18. Juni, erhältlich. 

Saison-Cover: Dafür geht ein großes Lob an die Agentur Ardventure. Sie hat markante Figuren, Schauspieler und Co. der einzelnen Inszenierungen so auf das knallig-orangefarbene Spielzeitheft-Cover und die Aufsteller zur aktuellen Saison platziert, dass sie um die Titelbuchstaben herumklettern, sich von ihnen abseilen oder darauf tanzen.

Zu viele Höhepunkte hält die Theatersaison bereit, um sie an dieser Stelle alle aufzulisten. Das ausführliche Programm steht im Internet unter www.theater-gt.de zur Verfügung. Ein Auszug: 

Donnerlüttken (14. August): Das Kulturspielfest in und am Theater eröffnet traditionell die Spielzeit. Die Ausgabe steht unter dem Titel „Theaterdschungel“. Das Schauspielhaus halte einige Angebote vor allem für Kinder bereit und werde mit Lianen geschmückt, verspricht Karin Sporer.

Hair (20. Oktober): Das Rock-Musical spielt Ende der 1960er-Jahre in den USA. Es verbindet Lebensbejahung, Aufbruchsstimmung und Musik. Und es passt auch jetzt, als Neuauflage der Uraufführung von vor 55 Jahren noch hervorragend in die Zeit. 

Der Nabel der Welt (23. Oktober): Hauptdarstellerin Christiane Hagedorn war schon in „Der Prediger“ im Theater zu sehen. Bei der Regie legt Theaterleiter Christian Schäfer selbst Hand an. Ein Monolog antiker Natur, bei dem es die Wahrsagerin Phytia per Zufall ins Gütersloher Theater verschlägt. 

Alles nicht wahr (29. Oktober): Mit Nikolaus Habjan steht an diesem Abend ein gefeierter Puppenspieler und – Achtung – Kunstpfeifer auf der Bühne. Zusammen mit der Musicbanda Franui – laut Christian Schäfer eine „Dorfkapelle auf höchstem Niveau“ – bringt er das Werk des Komponisten Georg Kreisler auf die Bühne.

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