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Gütersloh

Tiny-Häuser für Zwergfledermäuse

Gütersloh (gl)

Zwergfledermäuse - 20 sind es mindestens, vermutlich mehr - tragen dazu bei, dass die Abrissarbeiten in der Parsevalsiedlung in Gütersloh erst Mitte August beginnen können. Geplant war der Start eigentlich für Januar.

Vor dem Rohbau: (v. l.) Frank Niemeier (Baugeschäft Heinrich Niemeier), Umweltdezernentin Christine Lang, Zimmerer Henrik Sonnenburg, Albrecht Pförtner (Geschäftsführer der Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH), Michael Schmidt (Fachbereich Stadtplanung), Sonja Deutzmann (Landschaftsarchitekten Kortemeier und Brokmann), Sonja Wolters (Fachbereich Umweltschutz), Diplom-Biologe Martin Starrach, Architekt Eberhard Gottwald und Erika Römer (technische Zeichnerin). Foto:

Brutpflegende Weibchen und balzende Männchen dieser streng unter Schutz stehenden Art dürfen aber nicht gestört werden. Für die fliegenden Säugetiere werden zunächst neue Wohnmöglichkeiten geschaffen.

Vögel und Insekten sind willkommen

Damit die kapriziösen Tierchen, die jeweils in etwa so viel wiegen, wie zwei Gummibärchen, ihr Heimatgebiet nicht verlassen müssen, sind auf dem Areal des künftigen Gewerbegebiets vier Fledermaushäuser im Bau. Sie sollen auch Langohr- und Breitflügelfledermäusen als Unterschlupf dienen. Insekten und unterschiedliche Vogelarten sind ebenfalls willkommen. Für brütende Dohlen wird an einem Haus extra ein Schornstein aufgebaut.

Großzügiger als die zurzeit hippen Tiny-Häuser haben die Fachwerkhäuser eine Grundfläche von sechs mal sechs Metern. Zwei Etagen und ein Satteldach lassen die Gebäude fast wie ein komfortables Wohnhaus aussehen. Lediglich Fenster fehlen sowie Anschlüsse für Strom und Wasser. Ansonsten gibt es Nischen und Hohlräume, kühle und von der Sonne aufgeheizte warme Bereiche, verputzte Fassadenteile und doppelt gemauerte und andere, die mit Holz verkleidet sind.

Ausgleich über die Anforderungen hinaus

„Wir lassen uns den Artenschutz einiges kosten“, sagt Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH, bei einem Ortstermin an der Parsevalstraße. Dort baut die Zimmerei Sonnenburg die vier Fledermaushäuser – hinter den bisher nur leergezogenen ehemaligen Briten-Wohnhäusern, wenige Meter vom Welplagebach entfernt. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, einen Ausgleich zu schaffen“, sagt Pförtner. Ein Gewerbegebiet sei ein Eingriff in Flora und Fauna. Das lasse sich nicht vermeiden. Mit dem Bau der vier Häuser gehe die Flugplatz-Gesellschaft aber über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. 

Diplom-Biologe Martin Starrach von der AG Biotop-Kartierung aus Herford hat die fachliche Einordnung des Artenschutzes für das Areal der Parsevalsiedlung Hintergrund: Der Bau der vier Häuser in Holzständerbauweise mit Satteldächern gehört zu den vorgezogenen Artenschutzmaßnahmen der Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH. Im ersten Abschnitt der Entwicklung des Gewerbeparks nördlich der Bundesstraße 513 sind die vorbereitenden Maßnahmen für den Rückbau gestartet. Die vier Fledermaushäuser kosten inklusive Planung rund 300 000 Euro. Die Kosten werden von der Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH getragen. übernommen. Er hat herausgefunden, dass mindestens 20 Zwergfledermäuse in den ehemaligen Britenhäusern Unterschlupf gefunden haben. Zudem die etwas größeren Arten Langohr- und Breitflügelfledermäuse.

Tiere ziehen sowieso gern um

Die Tiere seien sehr umzugsfreudig, erklärt er an Ort und Stelle. Wenn sie Nachwuchs aufzögen, bräuchten sie andere Voraussetzungen als zum Beispiel in der Paarungszeit, so der Experte. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die Fledermäuse die extra für sie errichteten Quartiere annehmen – bleibe nur abzuwarten, wann.

Vier Fledermaushäuser seien notwendig, weil mit dem Abriss der ehemaligen Siedlung ein ganzer Quartierverbund verloren gehe, so Starrach. Alfred Pförtner ergänzt, dass es auch um Rechtssicherheit gehe. Dem Vorschlag, nur ein Fledermaushaus zu bauen, habe Starrach sofort eine Absage erteilt, erklärt der Gewerbepark-Geschäftsführer. Das sei in diesem Fall sicher nicht ausreichend.

Ungewöhnlicher Auftrag 

Architekt Eberhard Gottwald vom Büro Pappert und Weichynik Bielefeld hofft, dass das ungewöhnliche Haus von den vorgesehenen Bewohnern auch angenommen wird. „Es ist ein toller Auftrag. So etwas bekommt man nicht oft. Aber man kann vorher nicht mit den Bewohnern sprechen und sie nach ihren Bedürfnissen fragen.“ Die Pläne für die Häuser hat Erika Römer gezeichnet. Auch für sie ein außergewöhnlicher Auftrag.

Henrik Sonnenburg von der gleichnamigen Zimmerei ist ebenfalls begeistert von den Häusern. Man möchte fast selbst dort einziehen, sagt er schmunzelnd beim Gang um das Haus. Fenster, Strom- und Wasseranschluss müssten dann allerdings ergänzt werden. Die Zwergfledermäuse und ihre Artgenossen können darauf gut verzichten.

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