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Produktionsausfall nach Besetzung im Schlachthof Kellinghusen

Tönnies fordert von Aktivisten fast 40.000 Euro Schadenersatz

Gütersloh/Kellinghusen (WB). Die Tierschutzaktivisten, die im Oktober 2019 den Tönnies-Schlachtbetrieb Thomsen GmbH im schleswig-holsteinischen Kellinghusen über rund elf Stunden besetzt hatten, werden von dem Konzern in Rheda-Wiedenbrück nun zur Kasse gebeten.

Paul Edgar Fels

Oktober 2019: Aktivisten stehen mit Rauchbomben auf dem Dach des zur Tönnies-Gruppe gehörenden Schlachthofs Thomson. Dort hatten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Fight for all beings and our planet until all are free” angebracht. Foto: dpa

Die Tierbefreiungsbewegung „Tear Down Tönnies“, die mit der Aktion „auf die prekären Arbeitsbedingungen, das endlose Tierleid und die starke Umweltbelastung durch die Tierindustrie“ aufmerksam machen wollte, soll fast 40.000 Euro für den Schaden des Produktionsausfalls zahlen.

Mehrere Aktivistin haben nach einem Bericht der Berliner „Tageszeitung“ (taz) bereits Anfang Juli von der global agierenden Wirtschaftskanzlei Eversheds Sutherland eine Entschädigungsforderung in Höhe von insgesamt 37.354 Euro erhalten.

Insgesamt handele es sich um 26 Männer und Frauen, die sich am 21. Oktober 2019 an der Besetzung des Schlachtbetriebes beteiligt hatten. Die Polizei hatte die Protestaktion aufgelöst. Offenbar waren nicht alle Teilnehmer der Blockade namentlich bekannt, so dass nur wenige das Schreiben der Kanzlei erhalten haben. „Wegen der gesamtschuldnerischen Haftung könnte theoretisch auch eine Einzelperson den Schaden begleichen müssen“, sagte eine der Aktivistinnen, die namentlich nicht genannt werden will, der taz.

Am 13. Juli sollte das Geld eigentlich auf das Konto des Schlachthofs überwiesen sein. Doch die Gruppe „Tear Down Tönnies“ will sich juristisch gegen die Forderung wehren und sammelt schon mal Geld für einen möglichen Prozess. Vertreten werden die Tierschützer von der Anwältin Ulrike Donat und dem Anwalt Dieter Magsam aus Hamburg. „Das Schreiben war ein Versuch der Einschüchterung. Einer Klage sehen wir gelassen entgegen“, sagt Anwältin Donat. Der für den Schlachthof Thomsen zuständige Rechtsanwalt wollte sich auf Nachfrage der taz nicht zu dem Fall äußern.

Jederzeit bereit für konstruktive Gespräche

André Vielstädte, Pressesprecher des Tönnies-Konzerns, bestätigte am Donnerstag die Schadensforderung. „Dieser Schaden entstand insbesondere, da im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen keinerlei Kompromissbereitschaft seitens der Besetzer gezeigt wurde“, erklärte Vielstädte. Eine Auflösung der Besetzung sei auch nach langwierigen Verhandlungen nicht einvernehmlich möglich gewesen. Die Auflösung der Aktion durch die Polizei erfolgte gegen teils massiven Widerstand. Weiter betonte der Konzernsprecher: „Durch die Besetzung ist uns ein nicht unerheblicher Schaden entstanden.“

Tönnies sei jederzeit bereit für konstruktive Gespräche, heißt es weiter. Der Konzern akzeptiere und schätze ausdrücklich das Demonstrationsrecht. Vielstädte: „Wir stellen uns in diversen Formen den Anliegen verschiedener Interessengruppen und der gesellschaftlichen Diskussionen.“

Erst vor wenigen Wochen hatten Greenpeace-Aktivisten kurzfristig das Dach des Tönnies-Stammwerks in Rheda-Wiedenbrück besetzt. Die Aktion war jedoch friedlich verlaufen und relativ schnell beendet.

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