1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Gütersloh
  6. >
  7. Tönnies verkauft Russlandgeschäft

  8. >

Schweineproduktion der Tochter APK Don geht für 290 Millionen US-Dollar an CP Foods

Tönnies verkauft Russlandgeschäft

Rheda-Wiedenbrück

Deutschlands größter Schlachthof Tönnies zieht sich bis Ende des Jahres aus Russland weitgehend zurück. Die eigenen Produktionsstätten der Schweineproduktion werden verkauft.

Von Paul Edgar Fels

Clemens Tönnies und sein Sohn Maximilian stehen auf dem Firmengelände neben einer Stier-Skulptur. Das Familienunternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine Foto: Friso Gentsch/dpa

Die eigene Tochtergesellschaft AKP Don geht demnach an den thailändischen Wettbewerber CP Foods. Dem russischen Markt will das Familienunternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück aber verbunden bleiben, wie Tönnies am Mittwoch betonte.

Die Tönnies-Gruppe sortiert damit offenbar ihre internationalen Aktivitäten neu. Während in Spanien derzeit der Neubau eines Fleischwerks geplant wird, fährt Tönnies sein Engagement in Russland überraschend zurück.

Nach Angaben des Branchenblattes „Top Agrar“ verkauft Tönnies seine russische Tochtergesellschaft APK Don für umgerechnet 290 Millionen Dollar an Charoen Pokphand (CP) Foods. CP Foods gehört zur gleichnamigen Gruppe, die an der Börse in Thailand gelistet ist. CP Foods ist mit einer Schweinefleischproduktion von 129.200 Tonnen derzeit Russlands neuntgrößter Schweinefleischproduzent mit einem Marktanteil von 2,6 Prozent. Die Tönnies-Tochter APK Don liegt „Top Agrar“ zufolge auf Platz 11 mit 112.700 Tonnen oder 2,3 Prozent Marktanteil. Zur AKP Don gehörten mehrere Standorte, an de­nen mit Ackerbau, Mischfutterherstellung, Sauenhaltung und Mast die gesamte Tierproduktion in Eigenregie betrieben wird. Mit der Übernahme dürfte CP Foods zu den Top 5 der russischen Schweinefleischproduzenten aufsteigen.

„Wir haben uns mit allen Gesellschaftern und der CP Foods auf eine Übernahme unserer APK Don-Gruppe geeinigt“, bestätigt Tönnies entsprechende Medienberichte.

Vor mehr als zehn Jahren hatte Firmenchef Clemens Tönnies große Pläne in Russland. Damals hatte er Investitionen von bis zu 500 Millionen Euro angekündigt – allerdings bezogen auf einen Zeitrahmen von acht bis zehn Jahren. Er wollte in Russland eine eigene Schlachtung und Fleischverarbeitung aufzubauen. Umgesetzt wurde die Pläne jedoch nicht.

Zu den Motiven für den Strategiewechsel machte Tönnies am Mittwoch auf Nachfrage keine Angaben. Tönnies-Sprecher Fabian Reinkemeier teilte lediglich mit: „Wir haben uns mit allen Gesellschaftern und der CP Foods auf eine Übernahme unserer APK-Don-Gruppe geeinigt. Mit diesem Schritt trennen wir uns von unserer dortigen Sparte. Wir bleiben dem russischen Markt aber durch unsere Repräsentanz in Moskau verbunden und behalten diesen selbstverständlich weiterhin im Auge. Über die genauen Konditionen haben wir Stillschweigen vereinbart.“

Ob etwa der jahrelange und inzwischen beigelegte familieninterne Machtkampf zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert Tönnies eine Rolle spielt, ist demzufolge offen.

Startseite