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Deutsche Band sorgt für einen exzellenten Abschluss der Reihe »Jazz in Gütersloh«

»Triosence«: Sehr elegant, niemals seicht

Gütersloh (WB). Ein angenehm lässiger, gleichzeitig aber auch anspruchsvoller und eleganter Jazzabend mit der hervorragenden Band »Trio­sence« beendete im kleinen Saal der Stadthalle am Donnerstagabend die Konzertsaison der Gütersloher Jazzreihe.

Collin Klostermeier

Pianist und Komponist Bernhard Schüler zusammen mit Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass und Stephan Emig am Schlagzeug – das ist die Band »Triosence«. Foto: Collin Klostermeier

Pianist und Komponist Bernhard Schüler nahm dabei in einem gleichberechtigten Trio mit Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass und Stephan Emig am Schlagzeug die Rolle des »primus inter pares« ein. Der ebenso schlaksige wie charismatische Bandleader erwies sich dabei nicht nur als wortgewandter Conferencier, sondern brillierte auch am Flügel mit souveräner Virtuosität und großer Improvisationskunst.

Da der in Kassel geborene Musiker zudem sämtliche Stücke für das bereits 1999 gegründete Trio schreibt und dabei ein sicheres Gespür für wunderschöne Melodien offenbart, darf er getrost als Kopf dieser hoch talentierten Gruppe gelten.

Stärke des Trios liegt in der Kommunikation

Im Zusammenspiel gliederte er sich jedoch als einer von drei gleichberechtigten Musikern ins Trio ein, dessen Stärke eindeutig in der Kommunikation und dem Zusammenspiel, aber auch in musikalischer Neugier und dem Spaß an der Musik liegen. Und das konnte das Publikum in der gut gefüllten Stadthalle schon beim ersten Stück feststellen.

Obwohl »As If It Was Yesterday« von ständigen Taktwechseln geprägt und damit eine anstrengende musikalische Aufgabe ist, schüttelten die drei Musiker die anspruchsvolle Komposition lässig swingend aus dem Ärmel. Und Freude schien es ihnen auch noch zu machen – wie schön, denn die gute Stimmung übertrug sich im Nu aufs Publikum und sorgte für einen wundervoll entspannten Jazzabend.

Musik mitten aus dem Leben

Dabei wurde es allerdings niemals seicht oder gefällig, da die Stücke von Bernhard Schüler das Trio ein ums andere Mal musikalisch herausforderten. Außerdem liegt scheinbar wirklich jedem seiner Stücke eine erlebte Geschichte zugrunde, sodass die Musik an diesem Abend mitten aus dem Leben kam – eine Tatsache, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Publikum Emotionen freisetzte und damit ihren Teil zum Erfolg des Abends beitrug.

Die drei Musiker beschränkten sich übrigens keineswegs auf lupenreinen Jazz, sondern nahmen sich immer wieder die Freiheit, hier mal ein bisschen Weltmusik und da mal ein bisschen Klassik oder Blues in die Stücke zu inte­grieren.

Mit diesem Konzept ist »Triosence«, obwohl selbst in Deutschland noch eher unbekannt, erfolgreich unterwegs und wusste am Donnerstag auch in Gütersloh vollauf zu überzeugen. Ähnlich wie die junge Band »Trillmann« zu Beginn des Jahres spielte auch »Triosence« experimentierfreudigen deutschen Jazz, den man so gerne häufiger hören würde.

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