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Markus Drücker (57) entfernt Graffiti oder Schmutz mit gefrorenem Kohlendioxid

Trockeneis macht Wände weiß

Gütersloh (WB). Großflächig reinigen ohne Wasser? Das klingt für die meisten Menschen wie die Quadratur des Kreises oder die eierlegende Wollmilchsau. Für Markus Drücker ist es hingegen Alltag.

Jens Dünhölter

Mit dem Trockeneis reinigt Markus Drücker beispielsweise Unterböden von Fahrzeugen. Demnächst will der Gütersloher zusätzlich zum mobilen Service in einer bereits angemieteten Scheune noch eine Hebebühne aufbauen. Foto: Jens Dünhölter

Nach mehr als 30 Jahren als Partyzeltverleiher hat der 57-jährige im Frühjahr mit einem Branchenwechsel den übertragenen Sprung ins kalte Eis gewagt. Seit Februar ist der Gütersloher mit seiner neu gegründeten Firma »m.d. Trockeneis Technik« als mobiler Trockeneis-Reiniger für Boote, Fassaden, Fahrzeuge, Maschinen oder Fachwerkgebäuden unterwegs.

Der Begriff ist streng genommen irreführend. Im Gegensatz zu Hochdruckreinigern oder manuellen Methoden kommt die Trockeneis-Reinigung ohne einen einzigen Tropfen Wasser aus. Statt des immer knapper werdenden Rohstoffes wird 100 Prozent reines, tiefgefrorenes Kohlendioxid zum Entfernen von Graffiti, in der Denkmalpflege, der Beseitigung von Krustenflechte auf Platten, zum Unterbodenschutz oder der Motorreinigung bei Kraftfahrzeugen verwendet.

Umweltbewusst

»Die drei Millimeter dicken Trockeneis-Pellets sind farb- und geruchslos, klimaneutral und frei von Lösungsmitteln«, hat sich Markus Drücker bewusst für einen Neustart im Bereich umweltbewusstes Reinigen entschieden. Ein anderer war die nicht sehr ausgeprägte Konkurrenzsituation. Mit lediglich drei Mitbewerbern in Niehorst, Bad Salzuflen und Hamm ist der Markt in der direkten Umgebung extrem übersichtlich.

Den daraus fast automatisch resultierenden Nachteil bekommt der klimaneutrale Firmenneugründer oft genug bei seinen Kaltakquisen zu spüren. Markus Drücker: »80 bis 90 Prozent der Leute können sich unter Trockeneis-Reinigung nichts vorstellen. Die kennen die Begriff nicht.« Nach einer kurzen Erläuterung wie neulich im Gütersloher Rathaus verwandelt sich Unkenntnis meist schnell in Begeisterung. Markus Drücker: »Die meisten finden es toll.«

Das eigentliche Geheimnis der schonenden, extrem gründlichen, alternativen Reinigungsmethode liegt in die Kälte. Die von einem Lieferanten in Münster stammenden, in speziellen Thermokisten aufbewahrten Eis-Pellets werden mit minus 80 Grad auf die zu behandelnde Oberfläche geschossen. Die kinetische Energie der Partikel überträgt sich beim Aufprall auf die Verschmutzung, erzeugt so vergleichsweise weiches Strahlgut. Im Gegensatz zu Wasser oder dem in kleine Poren eindringenden Sandstrahlen ist die behandelte Fläche sofort sauber und trocken.

Mobiler Service

50.000 Euro hat Drücker in einen neuen Transporter und Geräte investiert. Herzstück der Anlage ist der transportable Kompressor, der durch die Verwendung von zu 100 Prozent gefilterter Luft auch für Einsätze in der Lebensmittelindustrie geeignet ist. Alleine in diesem Bereich gehen durch vorgeschriebenen Einsätze mit Hochdruckreinigern und Schaum »jeden Werktag Millionen Kubikmeter Wasser für die Reinigung drauf«, so Markus Drücker.

Neben dem mobilen Service will der 57-jährige in einer bereits vorhandenen Scheune bald auch eine Hebebühne für Fahrzeugreinigungen aufbauen. »Nicht jeder Autofahrer hat eine Hebebühne zuhause«, sagt Drücker. Die Verrechnung mit dem Kunden erfolgt über den Stundenlohn und/oder den Eisverbrauch.

Ein-Mann-Bertieb

Wie es mit dem Ein-Mann-Unternehmen in sechs oder zwölf Monaten weitergeht, will der Gütersloher je nach Auftragsentwicklung entscheiden. Markus Drücker: »Momentan bin ich alleine. Vielleicht kommt demnächst noch ein Mitarbeiter oder ein weiteres Fahrzeug hinzu.«

Einen winzigen Nachteil hat die besondere Reinigungsmethode indes doch – zumindest für den Geschäftstreibenden. Egal wie viel oder wenig Markus Drücker auch abstrahlt: Nach vier, maximal fünf Tagen sind die Thermokisten leer. »Alles verdampft«, erklärt der Branchenumsattler das ungewöhnliche Trockeneis-Prinzip.

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