1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. Über Brücken und durch Feld und Flur

  8. >

Gütersloh

Über Brücken und durch Feld und Flur

Gütersloh (gl/lib)

Warum schleppen zwei Musiker in Samt und Seide ihre kolossalen Kontrabässe durch Feld, Wald und Flur? Ganz einfach: Weil Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke sie darum gebeten hat. In diesen Tagen laufen die Dreharbeiten für einen Imagefilm für das Großprojekt „Europas Künstlerweg“.

Dreharbeiten in Avenwedde: (v. l.) Kontrabassist und Boogie-Fan Peter „Pit“ Bremhorst, Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke und Rockabilly-Spezialist Maik Trossehl in Aktion. Foto:

Unterstützt wird die Isselhorster Künstlerin von ihrer Projektassistentin Alexandra Schürmann und der für den Social-Media-Bereich verantwortlichen Lili Popp. „Es wird ein sehr emotionaler Film mit tollen Bildern“, verspricht Matthias Kirchhoff von Gütersloh TV, der für den ersten Drehtag mit seinem Mitarbeiter Sascha und neuester Technik angerückt war. 

Videodreh im Kinostil

„Wir setzen auf Schlüsselreize“, erklärt Kirchhoff. So wurden die einzelnen Sequenzen mit bewegten Kameras (Gimbals) und Drohnen „im Kino-Stil“ – im 37-Millimeter-Vollformat und mit hochwertiger 4K-Auflösung – gedreht. 

Da ist Nirgül zu sehen, wie sie mit einer auf großer Leinwand gemalten, und auf einer fahrbaren Staffelei befestigten Europaflagge durchs Land zieht. Wie sie unterwegs auf die heimische Malerin Karin Gosejohann trifft, die die Flagge gestaltet hat, und mit ihr ins Gespräch kommt. Oder wie Nirgül auf die beiden Musiker Peter „Pit“ Bremhorst (Jailhouse Sunshine Band) und Maik Trossehl (Dizzy Dudes) stößt, die sich mit einem innig gespielten „Stand by me“ mitten im üppigen Grün präsentieren. 

Es geht um die Symbolik der Bilder

Der im sonnengelben Kleid auftretenden Künstlerin geht es beim Dreh weniger um Lokalkolorit, sondern vielmehr um die Symbolik der Bilder. Sie sollen sowohl die Vielfalt ihres Großprojekts als auch das intensive Miteinander aller Beteiligten zeigen. Damit – und mit zusätzlich eingefügten Drohnenaufnahmen von europäischen Wahrzeichen wie dem Pariser Eiffelturm oder dem Brüsseler Atomium – soll sich die Dimension von Nirgüls Künstlerweg offenbaren. 

„Für solch einen Anspruch schleppt man dann auch schon mal seinen Kontrabass kilometerweit über staubige Sandpisten und durch piksende Brennnesseln hindurch“, sagt Peter Bremhorst lachend. Dass der bekennende Boogie-Fan und sein Kollege, der Rockabilly-Spezialist Maik Trossehl, beim Dreh in Avenwedde bereitwillig von ihrem vertrauten Metier abrückten und laut Regieanweisung „getragene Musik mit französischem Flair“ spielten, war nicht die einzige Herausforderung.

„Es war fürchterlich anstrengend. Aber ich würde es sofort wieder tun“

 „Es war fürchterlich heiß und anstrengend. Aber ich würde es sofort wieder tun“, so Bremhorst. „Eben weil dieses Projekt nicht nur für mich alles andere als alltäglich ist.“ Und das will bei einem Mann, der schon mit dem Fahrrad von Rheda-Wiedenbrück nach Rom und nach Santiago de Compostela geradelt ist, etwas heißen.

Drehtag Nummer zwei führt in die Nähe des Isselhorster Kirchplatzes – zu einer verwunschen anmutenden Brücke über der Lutter. „Ob das hält?“, fragt Karin Osthus-Bleisch, die für den Dreh über dem Wasser malen soll, als sie die Brücke zum ersten Mal sieht. 

Die ersten Schritte sind gemacht

Die ersten Schritte zumindest sind schon einmal gemacht. Die morsche Brücke auf einem Privatgelände, die sonst kaum jemand betreten darf, hält. Die Malerin setzt sich auf Risikofaktor Nummer zwei: eine ebenfalls wackelige Bank, die in das Geländer eingelassen ist. Vor ihr steht eine Staffelei mit Leinwand. Darauf hat Karin Osthus-Bleisch eine Weltkarte gemalt. Nirgül posiert daneben. 

Und Kameramann Matthias Kirchhoff wähnt sich noch auf dem sicheren Festland, um die ersten Aufnahmen für diesen Drehtag zu machen. Doch das reicht dem Kameramann nicht. Er will auf die andere Seite. Und das geht nur, wenn er die Brücke passiert. Während Osthus-Bleisch Bedenken äußert, ist Nirgül zuversichtlich – obwohl der wacklige Übergang schon ordentlich besetzt ist. 

Mit der mobilen Staffelei auf Wanderschaft

Kirchhoff orientiert sich an der rechten Brückenseite, um das Gewicht der beiden Frauen auf der linken Seite auszugleichen. Für einen kurzen Moment könnte der Beobachter meinen, der Drehtag könne – im wahrsten Sinne des Wortes – ins Wasser fallen. Unbegründet. Kirchhoff kommt unversehrt auf die andere Seite des Ufers und bringt seine Aufnahmen trockenen Fußes in den Kasten. 

Sie hoffe, dass der Film Firmen wie Städten auf ihrem Weg das Gefühl gebe, Teil des Projekts sein zu wollen, sagt Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke – mitsamt der entsprechenden Finanzierung. Ziel von Europas Künstlerweg soll sein, Künstler aus ganz Europa zu vernetzen. Konkret will Nirgül ihren Weg mit einer mobilen Staffelei mitsamt EU-Flagge gehen. Die Künstler, die mitmachen, sollen die Möglichkeit bekommen, auf einzelnen Etappen der Strecke jeweils eine Kunstaktion zu planen. 

Nirgül: „Hauptsache Interaktion und länderübergreifend“

Wie die genau aussieht, spielt keine Rolle. „Hauptsache Interaktion und länderübergreifend“, sagt Nirgül verschmitzt. 

Über die Sponsorengelder, die die Isselhorster Künstlerin mit Hilfe ihres Imagefilms einfahren will, sollen vor allem die Unkosten der teilnehmenden Künstler gedeckt werden – in erster Linie gilt das für Anfahrt, Hotel und Verpflegung. Dafür soll das Video erst an Städte und Firmen gehen – und erst später, im August, in sozialen Medien veröffentlicht werden.

1500 Kilometer auf 32 Etappen

Hintergrund des Imagefilms ist, die Idee hinter dem Künstlerweg allseits sichtbar zu machen – für Künstler wie für Kunstinteressierte, aber auch – und vor allem – für Städte und Sponsoren, die sich an der für 2022 geplanten, europaweiten Aktion beteiligen möchten. 

Wie berichtet, will Nirgül in insgesamt 32 Etappen mehr als 1500 Kilometer durch fünf Länder absolvieren und ihren Künstlerweg sowie dessen Stationen zu offenen, dynamischen Orten der Begegnung für Maler, Bildhauer, Musiker in den jeweiligen Ländern und alle europäischen Kulturfreunde machen. Der fertige Drei-Minuten-Imagefilm soll im August auf Youtube veröffentlicht werden. 

Diese Künstler wirken beim Imagefilm mit

„Ich bin froh, dass ich mich berappelt habe“, sagt Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke nach einigen persönlichen Tiefschlägen in den vergangenen Wochen. „Ich bin wieder auf dem Weg.“ Sie verrät auch schon, wer zusätzlich zu den beiden Malerinnen Karin Gosejohann, Karin Osthus-Bleisch sowie den Musikern Peter „Pit“ Bremhorst und Maik Trossehl noch Überzeugungsarbeit leisten soll, um Sponsoren an Land zu ziehen. Unter anderem Michael Tucker, Tuba-Spieler und Inhaber der Musikgalerie am Dreiecksplatz, soll einen Auftritt haben.

Startseite