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Gütersloh

Ungezwungene Gespräche auf der Trauerbank in Gütersloh

Gütersloh (akl)

Seite Ende Mai steht im Stadtpark Gütersloh eine Trauerbank des Hospiz- und Palliativvereins. Das Angebot wird bisher gut angenommen.

Menschen, die einen Verlust erlitten haben, können jeden zweiten Dienstag mit den Trauerbegleiterinnen des Hospiz- und Palliativ-Vereins ins Gespräch kommen. Das Bild zeigt die Trauerbegleiterinnen Silke Schadwell, Betty Großegesse und Andrea Bastian.

Gütersloh (akl) - Seit Ende Mai bietet der Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh jeden zweiten Dienstagnachmittag Gespräche auf einer Trauerbank im Stadtpark an. Das Angebot wird bisher gut angenommen.

Etwas abseits des Weges, ohne eine weitere Bank in unmittelbarer Nähe, steht die Trauerbank unter einer Buche. Auf ihr sitzend fällt der Blick auf eine Wiese, auf der Hunde Stöcken hinterjagen. Genau der richtige Ort, findet Trauerbegleiterin Silke Schadwell. „Trauer gehört zum Leben. Deswegen ist es gut, wenn sie im öffentlichen Raum, mitten im tagtäglichen Leben stattfindet“, sagt sie.

Spontan vorbeikommen

Der Unterschied zu anderen Trauerangeboten ist vor allem das Niederschwellige des Angebots. „Jede Person kann unverbindlich vorbeikommen und das Gespräch suchen“, sagt Trauerbegleiterin Andrea Bastian. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. „Wer merkt, dass gerade doch nicht der passende Zeitpunkt ist, kann sich auch spontan umentscheiden und einfach einen Spaziergang durch den Park machen.“

Die Bedürfnisse der Menschen, die zur Trauerbank kommen, sind ganz unterschiedlich. „Es kommen zum Beispiel Alleinstehende, die einen nahen Angehörigen verloren haben und auf der Suche nach jemandem sind, mit dem sie reden können“, berichtet Trauerbegleiterin Betty Großegesse.

Trauerfälle liegen teilweise länger zurück

Andere haben das Gefühl, dass sie ihr Umfeld belasteten, wenn die Trauer sie auch nach längerer Zeit noch beschäftigt. Um Familie und Freunde nicht weiter mit dem Thema zu strapazieren, suchen sie das Gespräch mit den Trauerbegleiterinnen. Wieder andere suchen Tipps, wie sie mit ihrer Trauer am besten umgehen. In allen Situationen hören die ehrenamtlichen und nicht-ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen zu und schenken ihre Zeit.

Hintergrund Die Trauerbank ist an jedem zweiten Dienstag in den geraden Kalenderwochen von 16 bis 17.30 Uhr besetzt. In dieser Zeit steht eine geschulte Trauerbegleiterin des Hospiz- und Palliativ-Vereins für Gespräche bereit.An folgenden Tagen ist die Trauerbank bei trockenem Wetter in diesem Jahr besetzt: 26. Juli, 9. August, 23. August, 6. September, 20. September, 4. Oktober, 18. Oktober.Die Bank erreicht man am besten von der Brunnenstraße aus über einen kurzen Fußweg. In der Nähe der Bank befinden sich ein Spielplatz und das Ehrenmal. Die Bank steht am Rand der großen Wiesenfläche unter einer Buche.Weitere Infos unter 05241/7089024 oder im Internet.www.hospiz-und-palliativmedizin.de

Der Verlust, den die Trauernden erlitten haben, liegt in manchen Fällen schon länger zurück. „Bei manchen bis zu zwei Jahre“, berichtet Andrea Bastian. Denn das Abschiednehmen in der Corona-Zeit sei für viele schwierig gewesen – und belaste sie teilweise noch heute. 

Menschen fühlen sich erleichtert

Aufgrund der Einschränkungen durfte man nicht zu den Kranken, Beerdigungen konnten nicht im angemessenen Rahmen stattfinden. „Wegen der Kontaktbeschränkungen konnte man sich nach der Zeit der Trauer nicht dem Leben wieder zuwenden – und genau dann braucht man es eigentlich am meisten“, sagt Silke Schadwell. All diese Belastungen haben die Zeit der Trauer noch weiter erschwert.

Die Trauerbank werde bisher gut angenommen, an jedem Tag, an dem sie von den Trauerbegleiterinnen besetzt war, sei mindestens eine Person gekommen. „Selbstverständlich fließen auch mal Tränen“, sagt Betty Großegesse. Am Ende seien aber alle Personen dankbar gewesen. Es täte den Menschen gut, wenn jemand Unbeteiligtes zuhöre. „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen hinterher erleichtert sind“, sagt die Trauerbegleiterin.

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