1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. »Unmenschliche Ungeduld«

  8. >

Gütersloh: SPD-Kreisfraktion kritisiert Umgang mit Flüchtlingen im Kreishaus

»Unmenschliche Ungeduld«

Gütersloh (WB). Mit einer dreimonatigen Arbeitserlaubnis kann niemand etwas anfangen. Der Handwerksbetrieb nicht, weil allein die Einarbeitung eines ungelernten Flüchtlings drei Monate dauert, eher mehr. Dem Flüchtling nicht, weil er damit nicht einmal einen Praktikumsplatz findet. In Bielefeld würden zwölfmonatige Erlaubnisse ausgestellt.

Stephan Rechlin

Die SPD-Kreistagsmitglieder Rolf Syassen, Liane Fülling und Fritz Spratte (von links) stellen Fragen zum Umgang mit Flüchtlingen im Kreis Gütersloh. Foto: Stephan Rechlin

Die SPD-Kreistagsfraktion führt dieses Beispiel aus der Praxis von Ausländerbehörde und Jobcenter an, weil sie dahinter eine Absicht vermutet. Die lautet: Geduldete Flüchtlinge sollen im Kreis Gütersloh nicht einmal den Hauch einer Integrationschance bekommen, auch zum Preis inhumanitärer Entscheidungen.

Zu denen zählt die SPD unter anderem die Trennung von Familien, weil deren Asylanträge nicht gleichzeitig bearbeitet wurden. So wurden nach Angaben von SPD-Fraktionsvorsitzender Liane Fülling zwei Mitglieder einer Familie abgeschoben, weil deren Anträge abgelehnt worden seien. Die anderen beiden aber seien noch hier, weil deren Anträge noch nicht bearbeitet worden seien.

Kein Abschied von Mitschülern

»Muss das denn sein? Kann man nicht warten, bis alle ihren Stempel haben?«, wirft SPD-Kreistagsmitglied Fritz Spratte den Behörden eine unmenschliche Ungeduld vor. Dazu zählten auch Abschiebeaktionen, bei denen um zwei, drei Uhr morgens Familien geweckt, in einen Transporter gesteckt und zum Flughafen geschickt würden: »Die Kinder bekommen nicht einmal Gelegenheit, sich in Kindergarten oder Grundschule zu verabschieden. Die Familien werden wie Kriminelle behandelt.« Nicht mal im Kreis Paderborn gebe es solch feindselig wirkenden Verfahren.

Ehrenamtliche sind frustriert

Die »Einzelfälle« seien der SPD von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in zwei Gesprächsrunden geschildert worden. SPD-Kreistagsmitglied Rolf Syassen kommt aus Borgholzhausen: »Dort haben wir ein sehr starkes, aktives Helferteam. Doch nach den Erfahrungen mit den Behörden ist deren Motivation im Keller.« Daneben, das räumt die SPD ein, leisten die Behörden auch ausgezeichnete Arbeit, etwa bei der Vereinbarung freiwilliger Ausreisen. Für den Kreistag haben sie einen umfangreichen Fragenkatalog vorbereitet.

Startseite