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Gütersloh

Verein weist auf prekäre Lage hin

Gütersloh (wh) - Wenn zwei Menschen bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt und eisigen Böen vor dem Karstadt-Eingang stehen und über ein Anliegen informieren, dann muss es sich um ein besonders wichtiges Ansinnen handeln. Anne Haverland und Markus Lakämper, lokale Vertreter des Vereins „United4Rescue - Gemeinsam retten“, weisen am Samstagmittag neben dem Wochenmarkt auf die prekäre Lage in Flüchtlingslagern hin.

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Vor dem Karstadt-Eingang gab es am Samstagmittag Infos zur Erklärung der Stadt Gütersloh als „Sicherer Hafen“ und zu einer Postkartenaktion an Bundesinnenminister Horst Seehofer. Foto:

„Wir müssen hier nur zwei Stunden durchhalten,“ sagt Lakämper lakonisch. „Auf den griechischen Inseln oder in Bosnien stehen die Leute tagelang mit den Füßen im Wasser, mit nichts als einer Plane über dem Kopf und, mit etwas Glück, auf Holzpaletten.“

Lager bieten keinen Schutz

Die „Festung Europa“ ist Realität und führt zu großem Leid und Tod an ihren Außengrenzen. Immer wieder wird berichtet, es herrschten katastrophale Zustände in den Lagern an den EU-Außengrenzen. Die Brände in Moria und auf Samos, Stürme, bei denen die Zelte der Geflüchteten einfach weggespült wurden, und Erdbeben haben dramatisch gezeigt: Die Lager bieten keinen Schutz und müssten dringend evakuiert werden. Deshalb sollten die europäischen Staaten und vor allem Deutschland Verantwortung übernehmen und Geflüchtete aufnehmen. Mehr als 200 deutsche Städte sind dazu bereit. Darunter auch Gütersloh, seit dem 13. September 2019.

Von diesem Beschluss ist bis heute wenig umgesetzt worden. Wohl auch, weil der damalige Bürgermeister Henning Schulz es nicht für klug gehalten hatte, „bei den anstehenden Integrationsleistungen auf die finanziellen Zuweisungen von Bund und Land zu verzichten“, wie es im Sitzungsprotokoll heißt. „Andere haben sich inzwischen engagierter gezeigt,“ berichtet Anne Haverland von der kleinen Stadt Borgholzhausen, die kürzlich eine Familie außerhalb ihres Pflichtanteils aufgenommen hat. „Die Honigkuchenstadt hat uns bewiesen, dass es Wege gibt, endlich den ‚Sicherer-Hafen-Beschluss’ umzusetzen. Wir wollen uns nicht länger hinter der Flüchtlingsbürokratie und ihren Verteilungsquoten verstecken.“

Gespräch im Rathaus geplant

Wie sich die Stadt dabei konkret einbringen kann, das soll bald bei einem Gespräch im Rathaus erörtert werden. Bürgermeister Norbert Morkes (BfGT) hat die beiden Aktivisten dazu eingeladen. Haverland und Lakämper fordern indes auf, bei Bundesinnenminister Horst Seehofer gegen das gewaltsame Zurückdrängen Flüchtender durch die jeweiligen Grenzpolizeien und für faire Asylverfahren zu protestieren. An den Schaufenstern der Fußgängerzone klebten deshalb leuchtend orange gefärbte, aus Papier gefaltete Boote, zum Mitnehmen.

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