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Gütersloher Suppenküche bietet nicht nur kostenlose Mahlzeiten an

Wachsende Altersarmut

Gütersloh (WB). Schon nach dem ersten Löffel macht Herbert Westphal der mobilen Küche ein dickes Kompliment. »Die Lauchsuppe mit Rinderhack schmeckt super«, urteilt der 68-Jährige auf dem Vorplatz der Martin-Luther-Kirche.

Uwe Caspar

Essensausgabe vor der Martin-Luther-Kirche: Inge Rehbein (Mitte), Chefin der Gütersloher Suppenküche, mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Lina Riedel (rechts) und Helga Pollmeier. Ihre leckeren Suppen finden reißenden Absatz.       Foto: Uwe Caspar

Hier bewirtet die Gütersloher Suppenküche traditionell zu dem von den Vereinten Nationen 1992 erklärten »Tag für die Beseitigung der Armut« (immer am 17. Oktober) ihre nicht nur armen Gäste mit einer Gratis-Mahlzeit. Und das seit sieben Jahren. Im Angebot ist diesmal auch ein vegetarisches Kürbissüppchen. Rentner Westphal, der nachts Zeitungen austrägt, ist nicht unbedingt auf Verpflegung zum Nulltarif angewiesen. »In erster Linie besuche ich die Suppenküche, weil man unter Leute kommt und weil es hier auch besser schmeckt als allein zuhause zu essen«, sagt der Junggeselle und frühere Elektriker.

Herbert Westphal ist sozusagen Stammgast bei der von Inge Rehbein geleiteten, sozialen Einrichtung, die vor 17 Jahren gegründet wurde. Jeden Mittwoch gibt es in der Suppenküche eine warme Mahlzeit für bedürftige Erwachsene, für Kinder sogar dreimal die Woche. »Kinder sind unsere Zukunft, wir wollen ihnen in Verbindung mit einem Lern-Patenprogramm eine Perspektive bieten«, erklärt Rehbein. Ginge es nach ihr, würde sie auch mehrmals in der Woche die Erwachsenen einladen. »Am liebsten sogar täglich. Aber das ist aus finanziellen und organisatorischen Gründen nicht möglich«, erläutert Inge Rehbein.

Immerhin gibt es von Januar bis März jeden Montag einen zusätzlichen Wintermittagstisch, dazu übernimmt der Kooperationspartner Malteser jeden dritten Sonntag eine Essensausgabe. Außerdem verteilt die Suppenküche kostenlos Schlafsäcke und Isomatten. »Auch Gütersloh hat Obdachlose, die im Parkhaus oder im Park übernachten müssen. Zum Glück sind es nicht so viele wie in anderen Städten«, merkt Inge Rehbein an, deren wohltätige Institution sich ausschließlich aus Spenden finanziert. Dazu gehören auch heimische Discounter, die die Suppenküche mit den zum Kochen erforderlichen Lebensmitteln versorgen.

Und der Bedarf – mittlerweile 600 Essen pro Woche – wird immer größer. Rehbein und ihre 120 ehrenamtlichen Mitarbeiter stellen bedauernd fest: »Es ist traurig zu sehen, dass seit einigen Jahren auch bei uns die Altersarmut ständig wächst. Waren es am Anfang fast nur Männer, die unsere Hilfe in Anspruch genommen haben, so sind die Hälfte unserer Gäste inzwischen Frauen.« Alle Gäste seien willkommen, sie müssen sich aber an die vorgegebenen Regeln halten. So ist es nicht gestattet, Essen mit nach Hause zu nehmen. »Dieser Wunsch wird schon mal geäußert. Doch wir können selbst Ausnahmen nicht machen, denn das wäre ungerecht gegenüber den anderen«, erklärt Rehbein.

Das vielfältige Programmangebot der Einrichtung der guten Taten runden Sozialberatungen und ärztliche Sprechstunden ab. Zudem begleiten Mitarbeiter der Suppenküche Sozialbeerdigungen mittelloser Menschen. Seit 2003 wurden rund 20 Verstorbene würdevoll verabschiedet – oft mit einer persönlichen Grabrede von Inge Rehbein.

Den »Tag für die Beseitigung der Armut« hat die Suppenküche auch dazu genutzt, um auf ihre zahlreichen Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Inge Rehbeins Credo lautet: »Über Armut kann man nicht oft genug reden!«

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