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Torsten Sträter in der Stadthalle Gütersloh

Wenn er reist, ist sogar die Bahn pünktlich

Gütersloh (WB). Der große Saal der Stadthalle ist nahezu ausverkauft, die Menschen warten alle auf IHN: auf Torsten Sträter, der Mann aus dem Pott mit der Mütze, den man aus dem Fernsehen kennt. Mit seinem Programm »Es ist nie zu spät unpünktlich zu sein« gastiert der Kabarettist am vergangenen Samstagabend in Gütersloh.

Jan Hermann Ruthmann 

Kabarettist Torsten Sträter. Foto: Jan Hermann Ruthmann

Sträters Programm kann man schwer beschreiben. Er erzählt Geschichten aus seinem Alltag, und das auf eine Weise, die einfach unterhaltsam ist. Wenn er mit der Bahn zum Auftritt beim Kollegen Dieter Nuhr nach Berlin fährt, nimmt er immer zwei Züge früher, um auch einigermaßen pünktlich in der Hauptstadt anzukommen. Seitdem er das macht, fahren die Züge immer pünktlich ab, und er steht drei Stunden unnötig in Berlin.

Dieter Nuhr schätzt er sehr

Im Hotel angekommen wird er von einer Gruppe Damen umgarnt, bietet Autogramme und Selfies an, fühlt sich so richtig gut, bis die Frage kommt: »Wo sind denn die anderen fünf?«, weil man ihn für ein Mitglied der Musikgruppe Santiano hält. »Der ist 15 Jahre älter als ich, was fällt den Leuten ein?« Dieter Nuhr, den Sträter sehr schätzt und als den »Architekt seiner Karriere« bezeichnet, ist ein großartiger Künstler, kann aber auch nerven: »Wenn Dieter mich anruft, schaue ich nicht aufs Display, ich gehe einfach ran. Wenn dann ein thea­tralisches Seufzen kommt, denke ich, dass das wieder so ein Perverser ist und lege auf. Dabei ist es nur Nuhr«, erzählt er weiter.

Roboter oder Waage?

Ein großes Thema des Abends ist der Technik der heutigen Tage gewidmet. Da gibt es in der Muckibude, die Sträter auf Anraten seines Arztes regelmäßig besucht, einen Staubsaugerroboter, der so aussieht wie eine Waage. Wenn man sich allerdings draufstellt, zerfällt er in kleine Einzelteile.

Felix bekommt eine Banane

Sein 15-jähriger Sohn lädt sich pro Tag 50 Musikalben runter. »Früher bin ich noch in den Plattenladen gegangen und habe einen physischen Tonträger erworben von meinem Taschengeld. Heute hat man eine Flatrate zum Musik herunterladen.« Torsten Sträter erzählt mit einer Geschwindigkeit und einer so unterhaltsamen Sprache, dass es eine wahre Freude ist. Er spielt mit dem Publikum, so wird der jüngste Gast, der neunjährige Felix, den Auftritt Sträters sicher nicht so schnell vergessen, als er ihm zu späterer Stunde eine Cola und eine Banane schenkt, damit er durchhält.

Viel Zeit für die Fans

Tatsächlich nimmt sich Torsten Sträter knapp drei Stunden Zeit für seine Fans an der Dalke. Bei seinen Erzählungen scheut er auch nicht davor zurück, private Probleme zu erklären. So erzählt er von seiner Depression vor einigen Jahren oder dass sein Sohn nur noch jedes zweite Wochenende bei ihm ist. Aber auch von der Vielfältigkeit seiner Auftritte. In Gerolstein wäre er beinahe gesteinigt worden, als er einen Witz über das gleichnamige Wasser machte und eine Woche später in Hoyerswerda sind 18 teils betrunkene Gäste zu seinem Auftritt gekommen.

»Tschüss, bis die Tage«

In Gütersloh ist das anders. Hier feiert man ihn für seine geniale Art, einen Abend zu füllen. Er könnte noch Stunden weiter erzählen, fragt dann aber das Publikum, wie man sich hier in Ostwestfalen eigentlich verabschiedet, und geht dann gegen 23 Uhr mit »Tschüss, bis die Tage!« von der Bühne, weist aber noch kurz darauf hin, dass er auf jeden Fall im nächsten Jahr wiederkommen wird. Mit tosendem Applaus entlassen ihn seine Fans in den Feierabend.

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