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Gütersloh

Winteridylle und Räumdauerdienst

Gütersloh (gl). Wetterwarnung und vorhergesagtes Schneechaos - in Gütersloh sieht die Stadt am Sonntag wenig chaotisch aus. Dem Wochenende sei Dank, vermutlich. Nur wenige müssen raus - zum Schneeschieben oder zur Arbeit. Die anderen genießen die Schneemassen.

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Schlittenfahrt in Mohns Park: Familien nutzten die außergewöhnliche Wetterlage für eine fröhliche Rutschpartie. Foto:

Wie mit einem weißen Sahnehäubchen versehen, leuchten die roten Vogelbeeren am Strauch an der Friedrich-Ebert-Straße. Die Straße selbst ist am Sonntagmorgen mit einer dichten Schneedecke überzogen. Nur selten ist ein Fahrzeug auf der sonst dicht befahrenen Strecke zu sehen. Nach dem ungewöhnlich heftigen Schneefall in der Nacht ist die Stadt noch still. Die ersten Spaziergänger haben sich dick eingemummelt auf den Weg gemacht.

Sisyphusaufgabe 

Ralf Peter schiebt die Zufahrt zum Parkhaus am Bahnhof frei. Der Mitarbeiter der Stadtverwaltung wischt sich kurz mit der behandschuhten Hand über die Stirn – kalt ist ihm trotz fünf Grad Minus nicht. „Die Zufahrten der Parkhäuser an der Daltrop- und an der Kirchstraße müssen auch noch geräumt werden“, sagt er. „An der Kirchstraße sind die Verwehungen meterhoch. So etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Zwei Kollegen werden ihm gleich noch bei der Arbeit helfen, die an diesem Morgen zur Sisyphusaufgabe wird.

Räumdienst seit 2 Uhr in der Früh im Einsatz

Das haben auch Rachid Chatar und Simon Atman erfahren. „Wir haben den Berliner Platz schon zum zweiten Mal geräumt“, sagt Atman gegen 11 Uhr. Das Team des Fachbereichs Stadtreinigung ist seit 2 Uhr im Einsatz. Wie lange noch? Simon Atman schmunzelt und zuckt mit den Schultern. Der Schnee, den die Räumteams in allen Teilen des Stadtgebiets zusammenschieben, wird auf Lastwagen verladen und auf den Marktplatz gebracht. Bereits am Morgen türmen sich dort die weißen Berge – und es schneit gleichmäßig weiter.

ICE steht vereist auf dem Gleis

Am Gütersloher Bahnhof beobachten Reisende die Anzeigetafel. „Der Zug fällt heute aus – Grund sind Schnee und Eis“, heißt es dort unter anderem für die Regionalbahn nach Münster oder den Intercity nach Köln. Mit vereister Zugspitze steht ein ICE auf dem Gleis 2 – gestrandet in Gütersloh. Der Bahnverkehr sei in weiten Teilen Deutschlands beeinträchtigt, teilt die Deutsche Bahn mit. „Aufgrund von extremem Unwetter kommt es in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Zugausfällen.“

Kein Vergleich

Johannes Janzen und Tochter Layla räumen den Zugang zur Bahnhofsmission. Ob das Angebot der Einrichtung an diesem Tag besonders stark nachgefragt wird, können sie noch nicht einschätzen. „Wir öffnen gleich erst“, sagt Johannes Janzen. Und einen Vergleich mit einer ähnlichen Wetterlage kann er nicht anstellen. „So häufig gibt es das ja bei uns nicht.“

Meldung der Kreisleitstelle: Ungewöhnlich ruhig für die Wetterlage

Von der Einsatzleitung der Kreisleitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst heißt es am Sonntagnachmittag: Es ist ungewöhnlich ruhig. Die Feuerwehr sei in Halle ausgerückt, weil ein Gewächshaus unter der Schneelast einzustürzen drohte. Aber auch der Einsatz sei schnell beendet worden. Ansonsten werde der Rettungsdienst vor allem gerufen, weil Menschen gestürzt seien und sich Knochenbrüche zugezogen hätten. „Oft Ältere, die beim Schneeräumen ausrutschen“, erklärt der Einsatzleiter.

Radlader und Handkolonnen

Bereits am Samstag gegen 17.30 Uhr seien die ersten Streufahrzeuge ausgerückt, um wegen leichten Schneefalls und sinkender Temperaturen alle verkehrswichtigen Straßen schneesicher zu machen, erklärte am Sonntag Susanne Zimmermann, Sprecherin der Stadt Gütersloh. Ab 1.30 Uhr in der Nacht zum Sonntag seien zusätzlich zu den Straßen-Räumfahrzeugen vom Fachbereich Grünflächen auch Fahrzeuge eingesetzt worden, um auf den Radwegen zu streuen. Ein Radlager habe zudem die Höfe der Feuerwehr freigeräumt. Ein weiterer sei in der Innenstadt im Einsatz. Handkolonnen räumten Überwege frei.

Temperaturen bis minus neun Grad

Aufgrund der anhaltend starken Schneefälle seien ab 7 Uhr am Sonntagmorgen erneut die verkehrswichtigen Straßen geräumt worden, anschließend die übrigen. Insgesamt waren am Sonntag für die Stadtreinigung und den Fachbereich Grünflächen rund 60 Mitarbeitende unterwegs. Externe Unternehmen seien zur Unterstützung angefordert worden. Die Teams seien im Dauereinsatz, so Susanne Zimmermann. Durch die starken Schneeverwehungen werde die Arbeit erschwert. Entspannen dürfte sich die Wetterlage auch am heutigen Montag noch nicht. Temperaturen bis zu minus 9 Grad werden vorhergesagt – und weiterer Schneefall.

Auch die Polizei meldet: Wenige Einsätze

Tief Tristan habe das Kreisgebiet Gütersloh seit Samstagabend fest im Griff, heißt es von der Polizei Gütersloh. Wer das Haus nicht unbedingt verlassen müsse, sollte zuhause bleiben, lautete die Empfehlung der Polizei für das Wochenende. Die meisten Bürgerinnen und Bürger hielten sich an die Empfehlungen und Warnhinweise, so dass es bis in die Morgenstunden nur zu wenigen Einsätzen kommen musste, heißt es im Polizeibericht. Lediglich einige witterungsbedingte Verkehrsunfälle mit leichten Sachschäden seien verzeichnet worden. Personen seien nicht verletzt worden. Die Unfälle verteilten sich im gesamten Kreisgebiet. In zwei Fällen hätten witterungsbedingte Verkehrsbehinderungen beseitigt werden müssen.

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