1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. Wo bleiben die Gäste?

  8. >

Reservierungen nicht eingehalten: Gastronomen warten vergebens auf Absagen

Wo bleiben die Gäste?

Gütersloh (WB). Tisch bestellt, aber nicht gekommen. Dieses Problem haben einige Gütersloher Gastronomen. Sie wollen nun reagieren.

Hendrik Fahrenwald

Geschäftsführer Isa Yadel und Servicekraft Lareen Bredenbröker von der Bar Celona stört es, dass Tische, trotz Reservierung, leer bleiben. Auf ihrem Computer registrieren sie jede Reservierung. Vor allem sonntags müssen sie Gäste abweisen. Foto: Hendrik Fahrenwald

Familien mit Kindern schickt Isa Yadel sonntags wieder nach Hause. Sein Computer zeigt alle Tische als belegt an. Dabei sind einige Plätze frei und bleiben es auch. Immer wieder werden Reservierungen nicht eingehalten. »Das tut mir im Herzen weh«, sagt Yadel.

Der Geschäftsführer der Bar Celona kann nicht verstehen, warum seine Gäste nicht absagen. Erst vor kurzem habe eine Frau für 30 Personen reserviert, nur 22 seien gekommen. Das sei kein Einzelfall. Es sind vor allem die größeren Gruppen, die ihm Probleme bereiten. Jenny Wolke, die in der Bar Celona arbeitet, hat sogar den Eindruck, dass Leute in verschiedenen Restaurants reservieren und sich spontan entscheiden, in welches sie gehen. Das Problem kennt Ahmet Göceci. Er ist Betriebsleiter des Alex. Drei bis fünf Tische pro Wochenende seien von nicht genutzten Reservierungen betroffen. Doch wie bekommt man das Problem in den Griff?

Reservierungs-Gebühr

»Kollegen überlegen schon, eine Anzahlung bei Reservierungen zu nehmen«, sagt Yadel. »Bei so einer Pauschale müssten alle Gastronomen mitziehen, sonst ist es für den Einzelnen abschreckend«, sagt Göceci. Das kommt für Yadel derzeit nicht in Frage.

Kommentar

So geht’s nicht. Wer reserviert, der sollte auch absagen, wenn er nicht kommt. Verständlich ist, dass Gastronomen nun überlegen, eine Gebühr für Reservierungen zu nehmen. Es ist ein Warnsignal. Wenn die Anzahlung mit dem Essen verrechnet wird, bleibt es allerdings verbraucherfreundlich. Was bei uns noch ungewohnt klingt, ist in den USA und Frankreich bereits üblich. Ganz so fremd ist die Idee aber auch in Deutschland nicht. Im Theater oder Kino zahlt man schließlich auch vorher. Dort wird sogar eine eigene Gebühr für die Reservierung erhoben. Hendrik Fahrenwald

»Wir überlegen, ob wir bei Reservierungen ab fünf Personen die Leute vorher telefonisch erinnern«, sagt Isa Yadel. Das empfiehlt auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in einem Merkblatt. Dort heißt es: »Oft sind sich Gäste nicht bewusst, mit welchem finanziellen und organisatorischen Aufwand die Auslastungsplanung eines Restaurants verbunden ist.«

Im Alex werden Gruppen ab zehn Personen eine halbe Stunde vor ihrer Reservierung an die Verabredung erinnert. Wird eine Reservierung 15 Minuten nicht genutzt, wird der Tisch neu vergeben. »Früher haben wir länger gewartet«, sagt Göceci. Doch früher war das Problem nicht so groß.

Kunden würden sich beschweren, wenn sie mitbekommen, dass Tische frei sind und sie dennoch abgewiesen wurden. »Das können die Personen natürlich nicht verstehen, ich erkläre ihnen dann das Problem«, sagt Göceci. Den Ärger habe er jedes Wochenende, weil dann das Restaurant regelmäßig ausgebucht sei.

Problem nicht bei allen

Die Probleme hat Panos Lakos, Inhaber vom Restaurant Syrtaki, nicht. »Es ist selten, dass Leute nicht kommen, obwohl sie reserviert haben.« Er verlässt sich auf mündliche Vereinbarungen. Lediglich bei Firmen holt er sich eine schriftliche Bestätigung der Reservierung. Er sieht das Problem eher bei kleineren Restaurants. »Damit habe ich noch nie Probleme gehabt«, sagt Meryem Demirel vom Bistro Maries.

Um die Ecke bei der Pizzeria Rucola sei es auch selten, dass Leute ihre Reservierung nicht wahrnehmen. Kommt es doch zu so einem Fall, wird die Telefonnummer des nicht erschienenen Gastes vermerkt, sagt Mert Basdas. Unterdrückte Nummern nehmen er und seine Kollegen gar nicht erst an. Mert Basdas ist der Sohn von Inhaber Ekrem Basdas und kann verstehen, dass Gastronomen überlegen, wie sie gegen das Problem der nicht eingehaltenen Reservierungen vorgehen können. »Ich sehe es genauso wie Ralf Schubert«, sagt er. Der Gütersloher Gastronom ist Chef des Bankery und Alex und soll überlegt haben, von Gästen eine Gebühr zu nehmen, wenn sie ihre Reservierung nicht absagen. Schubert wollte sich zu diesen Plänen gestern nicht äußern.

Startseite
ANZEIGE