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Gütersloh

Wo Maikäfer nachts ausschwärmen

Gütersloh (din) - Dutzende tote Maikäfer liegen am Montagmorgen unter den Arkaden am Beginn der Berliner Straße. Ein Leser macht diese Zeitung auf das ungewöhnliche Bild aufmerksam. Am Abend zuvor konnte man an anderer Stelle am Rand der Innenstadt beobachten, wie diese Insekten in der Dunkelheit zum Licht strebten und immer wieder gegen Scheiben flogen.

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Am Boden: Dutzende Maikäfer wie dieser lagen am Montagmorgen auf dem Pflaster an der Berliner Straße. Foto:

Woher kommen sie und warum jetzt? Ein Anruf bei der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld soll Aufklärung bringen. „Das dürfte mit dem warmen Wetter zusammenhängen“, vermutet der auf Insekten spezialisierte Biologe Frank Püchel-Wieling (der in diesem Jahr selbst allerdings noch keinen gesehen hat). Das sei gut für alle Insekten zum Fliegen. Bis vorige Woche sei es noch zu kühl gewesen.

Außerdem strebten Insekten zum Licht, berichtet der Experte. Womöglich hätten sich die Käfer an der Berliner Straße an der Leuchtreklame müde geflogen. Tatsächlich lagen die Tiere vor allem vor dem Immobilienbüro auf der Ecke, das beleuchtete Aushänge hat.

Maikäfer hätten einen mehrjährigen Lebenszyklus, berichtet Püchel-Wieling. Je nach Temperatur lebten die Larven drei bis fünf Jahre im Boden. Im Schnitt nach vier Jahren könne es zu einer Häufung kommen und etwa alle 50 Jahre gebe es ein Massenaufkommen, was dann zu einer Plage führen könne. Denn im Boden fräßen die Larven Wurzeln an. In manchen Jahren seien das bis zu 30 Larven je Quadratmeter Boden. Wenn die Käfer dann flögen, verursachten sie Kahlfraß an Bäumen.

Maikäfer hätten eine Flug- und Lebenszeit von mehreren Wochen und lebten eigentlich nur, um dann selbst wieder Eier zu produzieren, sagt der Biologe. Bei der Reproduktion könne sich der Zyklus verkürzen, wenn die Temperaturen im Boden anstiegen. In Österreich beispielsweise war 2018 ein Flugjahr und auch für 2021 wird laut örtlichen Internet-Medien mit einem starken Aufkommen gerechnet. Lichtquellen machen den Maikäfern laut Püchel-Wieling zu schaffen. Natürliche Feinde seien auch Fledermäuse, die sie fräßen.

Der laut Wikipedia am weitesten verbreitete Maikäfer Mitteleuropas ist der Feldmaikäfer. Im nördlichen und östlichen Europa sowie in einigen Regionen Deutschlands komme auch der Waldmaikäfer auf sandigen Böden vermehrt vor.

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