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Spielclub führt Abschlusspräsentation in der Stadthalle Gütersloh auf

Ziemlich märchenhaft

Gütersloh (WB). Einen Abend voller märchenhafter Erlebnisse gab es am Sonntag in der Stadthalle. Die Abschlusspräsentation des Spielclubs der diesjährigen Theatersaison zeigte unter dem Titel »Verwandlungen – eine märchenhafte Collage« ihre eigenen kreativen Interpretationen.

Laura Gehle

Max Lahrkamp und Nathalie Tsiantiris (König Drosselbart ) spielen »Verwandlungen – eine märchenhafte Collage«. Foto:

Unter Leitung von Christine Ruis präsentierten zehn Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren selbst erdachte Texte und Szenen und ließen auf der Studiobühne so ihre eigenen Märchen entstehen. Im Vorfeld hatte es die Aufgabe gegeben, ein Märchen nach Wahl vorzustellen und dieses in Teilen theatralisch zu bearbeiten. Herausgekommen ist eine Collage voller bekannter Geschichten, auf vielfältige Weise neu interpretiert.

Mitgewirkt haben an der Produktion Fibla Kaplo, Ilona Kirch, Leander Diedam, Leon Llukaj, Leonard Pöppelmann, Leyla Uysal, Marie Stenzel, Mathilde Pöppelmann, Max Lahrkamp und Nathalie Tsiantiris. Seit den Herbstferien im vergangenen Jahr begannen für sie die Proben. Für einige war es nicht das erste Mal beim Spielclub: Leander Diedam und Leyla Uysal waren zum zweiten Mal dabei, für Marie Stenzel war es die dritte Teilnahme.

Hänsel und Gretel gibt’s sogar doppelt

Zum ersten Mal seit langem erarbeitete Christine Ruis mit den Nachwuchsdarstellern wieder eine Eigenproduktion. Das sei zwar anspruchsvoller verglichen mit bereits geschriebenen Stücken, aber auf eine andere Art und Weise: »Man muss erst einen Rahmen schaffen, den man bei geschriebenen Stücken schon hat«, meint die künstlerische Leiterin.

Hier konnten die Darsteller nun selbst kreativ werden. Auf dem Programm standen unter anderem Auszüge aus dem Froschkönig, den Bremer Stadtmusikanten und Hänsel und Gretel. Verändert wurden die Märchen auf ganz unterschiedliche Arten: So verließ der Hahn der Stadtmusikanten seinen Hof wegen unterstellter Impotenz, und Hänsel und Gretel wurde gleich zweifach dargestellt: einmal als Kurzversion in Schlagwörtern, und ein anderes Mal von Leander Diedam nach Freud’schen Methoden analysiert: »Bei ›Knusper Knusper knäuschen‹ redet doch nicht mehr die Hexe – das ist doch das Über-Ich!«

Regisseur bewertet den Ablauf

Leonard Pöppelmann fungierte derweil als Regisseur – und bewertete und organisierte den Ablauf, sodass man als Zuschauer fast das Gefühl hatte, der Generalprobe beizuwohnen: »Schräge Figur – schräges Märchen. Das kann ins ARTE-Programm«, meint er zu Mathilde Pöppelmanns Interpretation der »Klugen Bauerntochter«. Am Ende gibt es von ihm ein »Stopp« – die einstündige Vorführung ist dabei.

Christine Ruis und ihre Nachwuchsdarsteller lassen ihre Zuschauer altbackene Märchen durch die Augen von Jugendlichen sehen und erzeugen so ein modernes Flair. Vor allem die Szenen zu Hänsel und Gretel, den Bremer Stadtmusikanten und König Drosselbart überzeugen durch witzige und abwechslungsreiche Darstellung. Manch andere Ansätze sind jedoch einfach zu kurz, um wirklich etwas zu auszusagen. Hier hätte man sich zum Teil doch etwas mehr Input gewünscht.

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