1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. »Zu viele Plätze in Pflegeheimen«

  8. >

Investoren planen neue Einrichtungen, doch der Kreis Gütersloh will eingreifen

»Zu viele Plätze in Pflegeheimen«

Gütersloh (WB). Beim Bau neuer Alten- und Pflegeheime will der Kreis künftig regulierend eingreifen. Der Grund: Bereits jetzt gibt es ein Überangebot in der stationären Pflege. Und weitere Vorhaben sind bereits in Planung.

Michael Delker

Laut Pflegestatistik 2017 leben im Kreis Gütersloh 13.287 pflegebedürftige Menschen. Dennoch gibt es zu viele freie Pflegeplätze. Der Kreis Gütersloh will gegensteuern. Foto: dpa

Laut Pflegestatistik 2017 leben im Kreis Gütersloh 13.287 pflegebedürftige Menschen. Von diesen lebten 18,2 Prozent (2418 Menschen) in einer stationären Einrichtung, weitere 6,5 Prozent (860 Menschen) in einer Wohngruppe. Dem gegenüber standen zum Stichtag der Statistik 2625 Plätze in stationären Einrichtungen sowie 863 Plätze in ambulant betreuten Wohngruppen.

»Es gab hier also bereits ein Überangebot von mehr als 200 Plätzen kreisweit«, teilt Landrat Sven-Georg Adenauer in einer Vorlage für den am 16. September tagenden Kreis-Sozialausschuss mit.

»Der Überhang von 200 Plätzen bleibt bestehen«

Trotz der demografischen Entwicklung rechnet die Verwaltung damit, dass sich an dem Überangebot auch in Zukunft nicht viel ändern wird. »Wenn die Pflegequoten der einzelnen Altersgruppen auf die Bevölkerungsentwicklung projiziert werden, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen im aktuellen Planungszeitraum bis 2022 weiter auf 14.760 Menschen steigt. Geht man davon aus, dass die genannten Versorgungsquoten in etwa gleich bleiben – was durchaus realistisch ist – so steigt die Zahl der Menschen in stationären Einrichtungen auf 2.686 und in Wohngruppen auf 959, insgesamt also 3.645«, heißt es in der Vorlage. Dem gegenüber stehe ein zu erwartendes Platzangebot von mindestens 3845 Plätzen – der Überhang von 200 Plätzen bleibe also bestehen.

Aktuell wollen Investoren im Kreisgebiet drei neue Pflegeeinrichtungen errichten. In Clarholz befindet sich eine Mediko-Seniorenresidenz bereits in Bau, in Verl ist dem Vorhaben der Lindhorst-Gruppe aus Winsen an der Aller im Rat zugestimmt worden.  Dort soll eine Mediko-Seniorenresidenz in Sürenheide an der Königsberger Straße entstehen. Das Investitionsvolumen soll jeweils sechs bis acht Millionen Euro betragen. In Rietberg wollen Investoren zudem das Haus Vita umbauen, um dort Pflegeplätze anbieten zu können. Nach Angaben des Kreises erhöhen allein diese drei Vorhaben die Anzahl der Pflegeplätze um 240 Betten.

Verbindliche Pflegebedarfsplanung angestrebt

Als Steuerungsinstrument schlägt die Verwaltung der Politik die Einführung einer verbindlichen Pflegebedarfsplanung vor. In OWL hätten Herford, Bielefeld, und Paderborn damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Dort seien seit Einführung keine weiteren Neubauten für stationäre Einrichtungen angestrebt worden.

Zwar lassen sich die Vorhaben auch mit einer verbindlichen Planung nicht gänzlich verhindern, doch zumindest erschweren sie die Umsetzung. Die Einrichtungen würden als nicht mehr pflegewohngeldberechtigt eingestuft, was die Refinanzierung der Investitionskosten erschweren würde.

Der Kreis will die verbindliche Pflegeplanung an ein externes Unternehmen vergeben. Das würde 35.000 Euro kosten.

Startseite