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Zu ihrem 90. Geburtstag erzählt die Hallerin Brigitte Vogt von ihrer Freundschaft zu den Magiern Siegfried & Roy

Als junge Hostess die Welt gesehen

Halle

Ob als Hotelfachfrau oder als Hostess an Bord von Nordatlantik-Linern – Brigitte Vogt gelang es als junge Frau, viel von der Welt zu sehen. Und sie machte Bekanntschaft mit so mancher Prominenz. Auf dem Turbinenschiff „Bremen“ lernte sie die Magier Siegfried & Roy kennen und freundete sich mit ihnen an.

Malte Krammenschneider

An Bord der „TS Bremen“ bereiste Brigitte Vogt ferne Länder und lernte die Magier Siegfried & Roy kennen. Foto: Malte Krammenschneider

„Eigentlich wollte ich Ärztin werden. Nach dem Abitur hatte ich aber erst einmal die Nase voll von der Paukerei“, erzählt Brigitte Vogt, die anstelle einer Universität lieber andere Länder besuchte, um ihren Horizont zu erweitern. Am 20. Januar ist sie 90 Jahre alt geworden.

Ob zunächst als Hotelfachfrau oder später als Hostess an Bord von Nordatlantik-Linern – Brigitte Vogt gelang es als junge Frau, viel von der Welt zu sehen, und sie machte Bekanntschaft mit so mancher Prominenz. Auf dem Turbinenschiff „Bremen“ lernte sie die Magier Siegfried & Roy kennen und freundete sich mit ihnen an. Dass nach Roy im vergangenen Jahr nun auch sein Partner Siegfried Fischbacher in der vergangenen Woche gestorben ist, berührt die Freundin. „Die beiden konnten einfach nicht ohne einander“ sagt Brigitte Vogt, die bis zuletzt den Kontakt zu den Magiern in Las Vegas hielt.

Beim Norddeutschen Lloyd aufs Linienschiff

Aufgewachsen im schlesischen Breslau floh Brigitte Vogt zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie ins württembergische Öhringen. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. „Das lag mir einfach. Ich konnte mit Englisch und Französisch schon zwei Sprachen sprechen. Dann habe ich während der Zeit in einem Hotel in der Schweiz Italienisch gelernt“, erinnert sich Brigitte Vogt, die sich parallel bereits bei der Reederei „Norddeutsche Lloyd“ für den Dienst auf einem Kreuzfahrtschiff beworben hatte.

Hier erhielt sie jedoch erst ein Jahr später eine Zusage, denn nachdem sie zwischenzeitlich noch ein Hotel auf Teneriffa geleitet hatte, konnte sie auch noch Spanisch sprechen. Offenbar genug Argumente für eine Tätigkeit als „Gastgeberin“ auf der „MS Berlin“. „Heute würde man Hostess sagen“, schmunzelt Brigitte Vogt.

Wellen, die bis in den Schornstein schwappten

Auf ihrem ersten Schiff erlebte sie auch bange Momente. „Im Frühjahr 1959 hatten wir dank zweier Hurrikane 25 Meter hohe Wellen, die sogar bis in den Schornstein schwappten. Eine Lade-Luke wurde zerstört und bei dem Versuch, sie zu reparieren, gingen vier Männer über Bord. Wir haben sie nie mehr wiedergesehen“, erinnert Brigitte Vogt, die dann aufs Turbinenschiff „Bremen“ für vier Jahre wechselte.

Dort traf sie mit Siegfried & Roy zusammen. Letzterer war damals noch Page. „Ich freundete mich mit ihnen an“, erklärt Brigitte Vogt, die mit strahlenden Augen schildert, wie Siegfried damals weiße Tauben aus einem Tuch hervorzog. „Das war schon toll. Siegfried sagte, ich hätte die schönsten Beine an Bord.“

Außer den Magiern auch den künftigen Ehemann an Bord kennengelernt

Auf der „Bremen“ lernte Vogt übrigens auch ihren Ehemann Heiner kennen. Er arbeitete damals als Ingenieur an Bord. Über die Lüneburger Heide, Hannover und Bielefeld zog es die Vogts schließlich nach Halle, wo sie an der Alleestraße ein schönes Haus bezogen.

In Halle hat Brigitte es dann immer als eine Aufgabe gesehen, den Menschen etwas zurückzugeben. Sei es während der ehrenamtlichen Leitung von Lesetrainings in der Grundschule Gartnisch, der Begleitung der MS-Gruppe oder dem Aufbau des Generationennetzwerkes. „Der Kontakt zu Menschen war mir immer wichtig. Auch heute noch. Nun schreibe ich auch noch viel“, so die 90 Jahre alte Dame, die geistig topfit ist und sich zudem an acht Enkelkindern sowie einem Urenkel erfreuen kann.

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