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Lappwaldbahn reaktiviert TWE-Trasse zwischen Versmold und Bad Iburg

Alte Strecke wird wieder fit gemacht

Versmold (WB). Mit je rund 60 Schwellen pro Tag arbeiten sich zwei Bautrupps seit November auf der alten TWE-Trasse zwischen Versmold und Bad Iburg voran.

Ulrike von Brevern

Alles neu: Nur die Schienenstränge selber bleiben erhalten. Schotter und Betonschwellen werden auf dem Nordteil der alten TWE-Bahn komplett ausgetauscht. Foto: von Brevern

39 Meter Bahngleis setzen sie damit pro Tag auf ein neues, langlebiges Betonfundament. Das scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht viel, doch bis Ende des Jahres könnte so die gesamte Strecke von Gütersloh bis Lengerich bereits wieder befahrbar sein, hoffen die Verantwortlichen der Lappwaldbahn, der neuen Eigentümerin des Nordabschnitts. Die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden Versmold und Bad Laer, Michael Meyer Hermann und Tobias Avermann, machten sich auf Einladung des »Aktionsbündnis pro TWE« und der Lappwaldbahn ein eigenes Bild vom Baufortschritt.

Meist schnurgerade zieht sich der Schienenstrang von Versmold aus durch Wiesen und Felder Richtung Bad Laer. Nichts deutete bislang darauf hin, wann er das Stadtgebiet und damit den Kreis und das Bundesland verließ. Jetzt gibt es einen Unterschied. »Die etwa 2,8 Kilometer Strecke auf Versmolder Seite sind noch vergleichsweise gut«, erläuterte Frank Tichelkamp, der als Bauleiter für den gegenwärtigen zweiten Bauabschnitt der Bahn verantwortlich ist. Darum blieben die Holzbohlen, die die Schienen tragen, zunächst erhalten. Die neuen, hellen Betonschwellen, durch die sie ab der Landesgrenze ersetzt werden, wirken derzeit noch seltsam fremd in der Landschaft. »Richtig gutes Material«, sagt Tichelkamp stolz. Die fabrikneuen, je gut 300 Kilo schweren Schwellen würden viele Jahrzehnte halten. Vor Abschluss des Bauabschnitts Ende kommenden Jahres sollen sie auch noch in Richtung Versmold verlegt werden. Doch zunächst ist überhaupt eine durchgängige Befahrbarkeit das Ziel, erläutert Tichelkamp.

Güterverkehr mit Tempo 50

Dr. Rolf Westheider, nicht nur Versmolder Stadtarchivar, sondern auch Sprecher des Aktionsbündnisses, betonte den Charakter des Baustellentermins als »symbolischen Akt« für die Zusammenarbeit der Gemeinden – nicht zuletzt zugunsten der reaktivierten Bahnstrecke. »Die Strecke war nie stillgelegt, sondern nur betrieblich eingestellt«, sagt er. Daher waren bürokratische Hürden gering. Güter- und Touristenverkehr darf wie ursprünglich genehmigt mit 50 Stundenkilometer fahren. Weiterer Personenverkehr ist nicht beantragt und nicht vorgesehen, schon, weil es für diesen nördlichen Abschnitt keinerlei Zahlen zu potentiellen Fahrgästen gebe, erläutert Josef Högemann, Pressesprecher der Lappwaldbahn

Schwelle für Schwelle kehrt der Zweiwegebagger, der auf den Schienen fährt, den alten Schotter unter der Trasse hervor, entfernt die teilweise schon vermoderten Holzbohlen und fädelt die Betonschwelle passgenau unter den Gleisen ein. Alle 65 Zentimeter markiert ein Kreidestrich am Gleis, wo die nächste Schwelle hinkommt. Die Kollegen kurbeln die manuellen Schienenheber rechts und links anschließend herunter und fixieren die Schrauben. Echte Handarbeit. Später wird noch neuer Granitschotter kommen.

Dann wird alles festgerüttelt und maschinell verschraubt. Der alte Schotter – inzwischen rundgeschliffene Hochofenschlacke aus Georgsmarienhütte - ist als Gleisbett nicht mehr zu gebrauchen. Weil die Schlacke umwelttechnisch unbedenklich ist, verstärkt sie künftig die Böschung. Neben den Streckenkilometern sind einige marode Brücken bei Bad Iburg noch Haupthindernisse für die durchgängige Befahrbarkeit. Doch Westheider und der Pressesprecher der Lappwaldbahn, Josef Högemann, beschwören schon jetzt die in greifbare Nähe gerückten, attraktiven Aussichten der Strecke: Sie bietet in Dörenthe eine eigene Hafenanbindung, aber auch den kürzesten Schienenweg für Güter aus der Region bis nach Bremerhaven.

Attraktive Aussichten

Ein Unternehmen wie der Harsewinkler Landmaschinenhersteller Claas könne damit gleich mehrere Tage Transportzeit einsparen. Andererseits sei die Logistik mancher Firmen nicht mehr auf Bahnfracht eingestellt, gibt Westheider zu. Im Interesse einer Verkehrswende müssten Frachtgeber wie Touristen erst wieder an die Chancen der Bahn gewöhnt werden.

»Es ist für unsere Kommunen wichtig, diese Möglichkeit zu haben. Sie ist ein wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort«, sagt Meyer-Hermann. »Ich finde es schön, dass hier aus Visionen Realität wird«, ergänzt Avermann. Wie die Anwohner auf die Bauarbeiten reagieren, will Bad Laers erster Bürger noch wissen. »Da gab es bislang keine Beschwerden«, sagt Tichelkamp. Zu denen, die die Befahrbarkeit kaum abwarten können gehören die Eisenbahnnostalgiker, weiß Westheider. Vielleicht schon ab Ende des Jahres könnte der Touristikverkehr möglicherweise wieder mit Volldampf ab Versmold starten.

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