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Schlagerstar im Interview – Konzert am 9. Februar in Halle

Andrea Berg: „Ich freue mich auf eine riesige Party“

Halle (WB). Mit ihrer „Mosaik-Live-Arena“-Tour macht Andrea Berg am Sonntag, 9. Februar, in der OWL-Arena Station. Vorab gewährt der Schlagerstar im Interview mit Klaus Gosmann Einblicke in das Konzept der neuen Show.

Klaus Gosmann

Andrea Berg beim Auftakt ihrer Mosaik-Tour in Stuttgart Ende November 2019. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Ihr Konzert am 9. Februar in der OWL-Arena wird bereits Ihr sechstes Gastspiel in Halle sein. Weswegen kehren Sie bei Ihren Tourneen immer gern an diesen Ort zurück?

Andrea Berg: Ich erinnere mich sehr gerne an die Auftritte in Halle zurück, 2008 waren wir erstmals hier. Die Stimmung war immer super. Wenn mir Fans berichten, dass sie damals bereits live dabei waren und heute mit ihren Kids in die Halle kommen, ist das ein unglaublich schönes Gefühl.

Der deutsche Schlager hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – auch, was die Live-Präsentation angeht. Die Größe Ihrer Bühnenproduktionen würde manche bekannte Rockband neidisch machen. Gehen Sie gelegentlich auf Rockkonzerte, um sich für Ihre eigenen Shows inspirieren zu lassen?

Berg: Ich schaue mir gerne andere Shows an, das müssen nicht unbedingt Rockkonzerte sein. Und ich habe ein unglaublich kreatives Team, das meine Träume auf der Bühne Wirklichkeit werden lässt.

Sie haben in Ihren Shows mit Feuer und Wasser gespielt, auf dem Kopf eines Drachens gestanden, sind mit einem Motorrad auf die Bühne gedonnert und waren auf geheimnisvoller Reise nach Atlantis. Mit welchen spektakulären Bühnenszenarios wartet die aktuelle Tour auf?

Berg: Gemeinsam mit meinem Team haben wir fast zwei Jahre an unserer großen „Mosaik-Live-Arena“-Tour gearbeitet. Es ist ein unbeschreiblich tolles Gefühl, das Ergebnis dann endlich auch auf die Bühne zu bringen und zu den Menschen hinauszutragen. Es gibt in der Show verschiedene Themenwelten. Wir reisen mit den Besuchern durch einen Zauberwald in eine etwas dramatischere, düstere Welt, von dort aus weiter in eine Sternenträumerwelt, durch die unendlichen Weiten, bis wir schließlich in der Zeit des Flower Power ankommen. Neben vielen neuen Titeln vom Album „Mosaik“ haben wir natürlich auch alle großen Hits im Gepäck. Die Botschaft der Tour ist klar: Gemeinsam feiern wir das Leben! Ich freue mich auf eine riesige Party.

Karten

Karten für das Andrea-Berg-Konzert am Sonntag, 9. Februar, 19 Uhr in der OWL-Arena in Halle sind unter 0521/5299640 oder www.westfalen-blatt.de/tickets erhältlich.

Bei Ihrer „Seelenbeben“-Tour hatten Sie sich 2016 bei einer Vorpremiere mit Publikum in Wetzlar bei einem Unfall mit einem feuerspeienden Drachen Verbrennungen zweiten und dritten Grades zugezogen. Sie haben dennoch weiter gesungen. Sind Sie generell so hart im Nehmen?

Berg: Ich war in diesem Moment so unter Adrenalin, dass ich einfach weitergemacht habe. Die Schmerzen kamen dann in den Stunden und Tagen danach. Ich bin grundsätzlich ja ein Mensch, der viel Bewegung braucht. Deshalb war die Zeit damals für mich nicht einfach, weil ich den ganzen Tag liegen musste. Die unzähligen Genesungswünsche und Grüße der Fans sowie mein Team ließen die Schmerzen aber ein Stück weit vergessen. Ich bin im Rückblick einfach nur froh, dass es „nur“ die Schulter war und mich die Flammen nicht im Gesicht getroffen haben. Bis dato habe ich immer gesagt: „Ja, ich glaube… – an dies oder jenes.“ Seit meiner Brandverletzung weiß ich, dass ich wie unter einer göttlichen Schutzglocke aufgehoben und behütet bin.

Setzen Sie trotz dieses Bühnenunfalls weiterhin auf Pyrotechnik?

Berg: Ja, wir haben Pyrotechnik in unseren Shows mit dabei. Darauf kommt es aber nicht zwingend an. Wenn du es nicht schaffst, die Menschen mit deiner Musik im Herzen und in der Seele zu berühren, sie emotional abzuholen, dann hilft dir auch kein noch so großes Feuerwerk.

Bei der Konzeption der Shows und den Choreographien wurden Sie von DJ Bobo unterstützt. Ihre Shows dauern bis zu drei Stunden. Kommt es da schon mal vor, dass Sie sich im Eifer des Gefechts an einer ganz anderen Stelle auf der Bühne wiederfinden als vorgesehen? Wie geht man mit den kleinen unvorgesehenen Abweichungen vom Ablaufplan um?

Berg: Auch bei einer noch so guten Vorbereitung kann es sein, dass mal etwas Unvorhergesehenes passiert. Damit gehe ich aber ganz locker und entspannt um. Sollte ich mal einen Texthänger haben, dann ist da immer noch mein Publikum als riesiger Backgroundchor, auf den ich mich immer verlassen kann.

Sie engagieren sich stark für die Hospizarbeit und haben dafür sogar 2008 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Wurde der Grundstein für dieses Engagement dadurch gelegt, dass Sie vor Ihrer Künstlerkarriere unter anderem auf der onkologischen Station eines Krankenhauses gearbeitet haben?

Berg: Mein Vater hat mir eine ganz wichtige Botschaft mit auf den Weg gegeben: Niemand kann sich auf irgendwas etwas einbilden und niemand weiß, wie lange er bleiben kann. Bei meiner Tätigkeit in der Klinik und im Hospiz, die mich als Mensch sehr geprägt hat, wurde mir die Begrenztheit unseres Seins immer wieder deutlich. Das waren für mich unschätzbar wertvolle Erfahrungen. Für mich sind die Menschen, die andere pflegen, begleiten und einfach für diejenigen da sind, die unserer Hilfe bedürfen, die wahren Helden unserer Gesellschaft. Der Beruf in der Pflege ist für mich der schönste der Welt, er hat noch viel mehr Anerkennung und Wertschätzung verdient.

Wenn Sie auf Tour sind: Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Berg: Der Tour-Tag startet ganz gemütlich mit einem gemeinsamen Frühstück mit meinem Team. Danach ziehe ich mich meist auf mein Zimmer zurück, um nochmals die Abläufe durchzugehen und mich auf den Auftritt vorzubereiten. Mittags geht es dann in die Halle, dort beziehe ich die Garderobe. Ich habe mir für die „Mosaik-Gold Edition“ wieder etwas ganz Besonderes für meine Fans ausgedacht. Mit dem Soundcheck-Tourpass können sie nicht nur beim Konzert, sondern bereits beim Soundcheck vor dem offiziellen Halleneinlass mit dabei sein. Da machen wir dann ein bisschen Wunschkonzert und stimmen gemeinsam einige Songs an. Nach einer kleinen Stärkung tickt dann auch schon der Countdown zur Show. Unmittelbar vor dem Auftritt sammeln wir uns nochmals alle im Backstage-Bereich und schwören uns gemeinsam ein – Band, Tänzer und mein gesamtes Team. Im Anschluss an den Auftritt mische ich mich oft noch unter die Fans, um Fotos zu machen und Autogramme zu schreiben. Nach dem Konzert bin ich noch so emotional aufgeladen, dass ich ohnehin nicht sofort einschlafen könnte.

Sie waren 2013 Jurorin bei der RTL-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Denken Sie, dass sich derartige Shows wirklich dazu eignen, die Stars von morgen zu kreieren?

Berg: Für mich wäre es damals nichts gewesen, weil ich in meiner Jugend zu schüchtern für eine Teilnahme gewesen wäre. Unter tausenden Bewerbern gibt es am Ende nur einen Sieger, während hingegen vor einem Millionenpublikum auf großer Bühne die Träume vieler junger Menschen platzen.

Apropos Fernsehshows: Die Volksmusik-Sängerin Stefanie Hertel hat im vergangenen Juli in der Pro-Sieben-Show „The Masked Singer“ – unter einem Pantherkostüm mit Raubkatzenmaske versteckt – den Hardrock-Klassiker „Highway to hell“ von „AC/DC“ zum Besten gegeben. Welchen Titel, den niemand von Ihnen erwarten würde, würden Sie singen?

Berg: Ich hatte 2012 ja die große Ehre, mit Lionel Richie seinen großen Hit „Angel“ zu singen. Ein Titel von ihm wäre sicher in meiner engeren Auswahl – allerdings ohne Verkleidung.

Auch die Wahl Ihrer Outfits, die während der Show mehrmals wechseln, wird aufmerksam verfolgt. Diesmal kleiden Sie sich unter anderem als Hippie-Mädchen. Im „Summer of love“ 1967 waren Sie erst ein Jahr alt. Wenn Sie damals älter gewesen wären, hätten Sie sich dann womöglich der Hippie-Bewegung angeschlossen?

Berg: Die Flower-Power-Zeit war im Rückblick musikalisch ja sehr vielfältig. Und die Hippies waren barfuß unterwegs, das bin ich ja auch ab und an auf der Bühne.

Ihr Lied „Du hast mich tausend Mal belogen“ schien noch das Bild der fast alles verzeihenden Frau und Partnerin zu transportieren, später stellten Sie fest „Du kannst noch nicht mal richtig lügen“, 2016 hieß es dann schließlich „Ich werde lächeln, wenn du gehst“. Hat sich das Frauenbild in Ihren Liedern im Lauf der Jahre verändert?

Berg: Sicherlich, weil es natürlich auch viel mit Erfahrung und Reife zusammenhängt. Früher dachte man in einer Beziehung ja oft: Ich mache jetzt mal auf sexy und super lustig. Das lässt sich auf Dauer aber nicht durchhalten, weil das Spiel irgendwann auffliegt. Das ist ja auch der Grund, warum viele erste Lieben scheitern. Wenn man sich aber so gibt, wie man wirklich ist, dann funktioniert es auch. Jeder möchte so angenommen werden, wie er ist. Wer auch Schwächen zugeben kann, der beweist Stärke.

Gibt es irgendein Thema, dass Sie vielleicht gern einmal in einem Ihrer Lieder ansprechen würden, bei dem Sie sich aber unsicher wären, ob Sie damit eventuell einige Ihrer Fans verprellen würden?

Berg: Nein. Letztlich ist es in der Musik doch wie im Leben: Wenn du von etwas nicht völlig überzeugt bist, lässt du es lieber.

Andrea Berg beim Auftakt ihrer Mosaik-Tour in Stuttgart Ende November 2019. Foto: Christoph Schmidt/dpa
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