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Bauchschmerzen bei Kosten fürs Jugendzentrum

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Am Ende war es trotz mancher kritischer Nachfrage ein einstimmiger Beschluss des politischen Gremiums, der das geplante neue Jugendzentrum einen Schritt weiter gebracht hat.

Stefan Küppers

Das neue Jugendzentrum soll ein zweigeschossiger Bau unter Einsatz von viel Holz werden. Es entsteht an der Alleestraße/Ecke Wasserwerkstraße. Foto: Banz und Riecks

Der Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Generationen hat den Entwurfsplan für das Jugendzentrum auf der Parkplatzfläche im Einmündungsbereich von Alleestraße/Wasserwerkstraße zugestimmt und das Architekturbüro Banz + Riecks aus Bochum mit der Genehmigungsplanung beauftragt.

Architekt Dietmar Riecks, der ein renommiertes Architekturbüro in Bochum führt, ist bereits seit November 2019 mit dem Thema Jugendzentrum befasst und hat bei mehreren Terminen im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Verwaltung sowie Mitarbeitern aus dem Jugendzentrum eine Planung entwickelt. Weil Fördermittel des Landes erhofft werden, erfolgte frühzeitig eine Vorfestlegung auf eine Entwurfsplanung, für die eine politische Entscheidung wegen der Corona-Sitzungspausen bislang fehlte.

Riecks erläuterte, dass am Eingang zu Halle ein besonderes Gebäude mit transparenten und kommunikativen Charakter entstehen soll. Riecks schwebt ein „offenes Haus“ ohne Hemmschwellen vor. Das zweigeschossige quadratische Gebäude ist geprägt von einem 194 Quadratmeter großen, teilbaren Multifunktionsraum in der Mitte mit Option für eine Bühne sowie Scheinwerfern im Obergeschoss. Von dem großen Zentrum gehen links und rechts verschiedene Funktionsräume ab. Dazu gehören Räume für Mädchenarbeit, ein Tonstudio, Kreativräume, eine Küche, ein Raum für Streetwork sowie Büros für Mitarbeiter. Riecks ist auf Bauen mit Holz spezialisiert, was ein wichtiges Gestaltungselement sein soll.

Die Diskussion war schnell von der Kostenfrage bestimmt. Mirjam Schieb machte für die CDU deutlich, dass der aktuelle Kostenrahmen von 2,55 Millionen Euro unbedingt eingehalten werden müsse. Eine weitere Steigerung um 20 Prozent trage die CDU nicht mit. Riecks sagte, dass man alles gut im Griff habe. Was derzeit vorliege, habe mit dem Bauherrn und den Nutzern abgestimmt.

Holger Küpper von der baa Projektmangement GmbH aus Oberhausen betonte, dass die Kosten auch im Vergleich im „grünen Bereich“ lägen. Weil wiederholt Kritik an dem bislang nicht eingerechneten Aufzug geübt wurde, machte Küpper deutlich, dass der Aufzug in der Ursprungsplanung nicht vorgesehen gewesen sei. Ein Rollstuhlfahrer müsse nicht unbedingt barrierefrei in die oberen Räume gelangen können, weil er unten vergleichbare Raumangebote bereits habe.

Der große Multifunktionsraum in der Mitte soll zwar auch für größere Veranstaltungen genutzt werden. Doch will man dabei mit Sondergenehmigungen für Veranstaltungen mit bis zu 199 Personen arbeiten. Hintergrund: Sollen Events mit mehr Personen möglich werden, würde baurechtlich eine Versammlungsstättenverordnung greifen, die wiederum deutlich höhere Investitionen in die Lüftungstechnik erfordern würden. Und das wiederum würde das Baubudget belasten.

Um Geld zu sparen, soll das Jugendzentrum mit seinen bisherigen Möbeln und Interieur (Tonstudio) umziehen. Nur eine einfache Küche mit zwei Kochplatten und Büromöbel sollen neu kommen. Nachfragen kamen auch zur Gestaltung der Außenanlagen, die laut Kostenplan bislang nur mit 95.000 Euro kalkuliert sind. Statt direkt am JuZ einen Bolzplatz zu bauen, soll dieser demnächst auf dem Gelände der Gesamtschule entstehen, dort wo derzeit Basketballkörbe sind.

Trotz wahrnehmbarer Skepsis von einigen stand am Ende ein einstimmiger Beschluss. Ausschussvorsitzender Frank Winter (Grüne) meinte abschließend, dass das verbleibende Kostenrisiko von 20 Prozent nicht wegzudiskutieren sei. „Ein gewisses Risiko behalten wir“, sagte Winter.

Der Kommentar zum Thema Jugendzentrum

Das neue Jugendzentrum gehört ohne Zweifel zu den Projekten, die der vormaligen Bürgermeisterin besonders am Herzen lagen. Und es ist gewiss nichts dagegen einzuwenden, dass wir uns alle mehr um die Jugend unserer Stadt kümmern und dieser gute Aufenthalts- und Entfaltungsmöglichkeiten gewähren. In dem räumlich engen Zusammenspiel von Jugendzentrum sowie Schul- und Sportzentrum Masch inklusive neuem Skatepark entsteht ein Bereich, um den Halle manche andere Kommune beneiden dürfte.

Problematisch hingegen erscheint der bisherige Umgang mit Kosten. Anfangs war von 2,1 Millionen Euro die Rede, mittlerweile ist man bei 2,55 Millionen zuzüglich eines 20-prozentigen Unsicherheitsfaktors (entspricht weiteren 500.000 Euro).

Da sind Kosten für Außenanlagen oder der bisher fehlende Aufzug (Gibt es heute eigentlich noch mehrstöckige öffentliche Neubauten ohne Fahrstuhl?) nicht mal eingerechnet. Wenn man das Anwachsen von Bausummen weiter geschehen lässt, getreu dem Motto: „Wir haben‘s ja“ (die Grundschule Gartnisch lässt hier grüßen), wird das neue Jugendzentrum schnell drei bis vier Millionen Euro kosten. Da kann man natürlich argumentieren, die Jugend ist es uns wert. Doch mit dem notwendigen „Maß halten“ hätte es dann nicht mehr viel zu tun. Stefan Küppers

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