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„Kauf im Ort“ richtet Podiumsdiskussion der Bürgermeister-Kandidaten aus

Bei Wirtschaftsfrage wird Disput deutlich

Halle (WB). In einem Wahlkampf werden Podiumsdiskussionen immer mit besonderer Spannung erwartet, weil hier das direkte Aufeinandertreffen von Spitzenkandidaten das Herausschälen von Unterschieden verspricht. Manch einer wartet auch auf Dispute, um zu beobachten, wie sich jemand in einer solchen Situation schlägt. Um es vorweg zu nehmen: Bei der von der Kampagne „Kauf im Ort“ organisierten Diskussion mit den drei Haller Bürgermeisterkandidaten hat es im Grunde nur eine solche Situation gegeben, die freilich sorgte im Nachgang für Gesprächsstoff.

Stefan Küppers

Diskutierten knapp zwei Stunden im Saal Jäckel miteinander: Die Moderatoren Joachim Kummrow (links) und Frank Hofen (rechts) sowie die Bürgermeister-Kandidaten Thomas Tappe (CDU), Dr. Kirsten Witte (Grüne) und Edda Sommer (SPD, von links). Foto: Stefan Küppers

Gut 90 Bürger hatten im großen Saal bei Jäckel unter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln einen Platz gefunden. Frank Hofen und Joachim Kummrow, die beiden Moderatoren des Abends, hatten einen strikten Zeitplan vorbereitet, um alle Themen abarbeiten zu können. Und der Zeitplan wurde auch eingehalten. Was an zwei Umständen lag: Aus dem Publikum kamen relativ wenig Nachfragen und die Kandidaten untereinander gingen ausgesprochen höflich und eher zurückhaltend miteinander um.

Wirtschaftsförderung

Um so mehr fiel ein Disput auf, in dessen Verlauf sich SPD-Kandidatin Edda Sommer bei CDU-Kandidat Thomas Tappe für dessen erklärende Worte ausdrücklich bedankte. Denn in der Einschätzung der von Dr. Kirsten Witte und den Grünen propagierten Ablehnung einer Erweiterung der interkommunalen Gewerbegebietes Ravenna-Park II sind sich CDU und SPD grundsätzlich einig. Kirsten Witte, die mehrfach betonte, eine überzeugte Grüne zu sein, legte dar, warum sie einen Ravenna-Park II mit 40 Hektar Größe für verfehlt und sie als erfahrene Wirtschaftsförderin sich lieber auf Themen wie Unternehmensnachfolge und Behebung von Fachkräftemangel konzentrieren wolle. Tappe hingegen betonte, dass eine Bebauung eines zweiten Abschnittes des Ravenna-Parkes in den nächsten Jahren überhaupt nicht vorgesehen sei. Vielmehr habe der Rat vor wenigen Jahren potenzielle Flächen für Gewerbe im Zuge der Regionalplanänderung nach Detmold gemeldet. Erst zukünftige Räte würden darüber entscheiden, ob man eine Gewerbeoption nutzen wolle. Tappe verglich die Situation mit einer Scheune, die ein Vater für seine Kinder für einen eventuellen Umbau zu Wohnzwecken sichern wolle, wenn die erwachsen seien. Um für diese Situation Rechte zu sichern, habe der Vater vorsorglich eine Baugenehmigung beantragt, falls die Kinder später dort einmal einziehen wollten. An dieser Stelle bedankte sich Edda Sommer bei Tappe für die verständliche Darlegung. Auf kritische Nachfrage von Hofen in Richtung Witte, wie sie sich denn Wirtschaftsförderung vorstelle, wurde diese deutlich: „Wir haben den Klimawandel und Umweltprobleme. Ich halte Aussagen, dass wir noch neue Flächen bräuchten, für ein eingeredetes Problem. Überlegen Sie mal, wie viele kleinere Handwerksbetriebe wir alleine auf der versiegelten Parkfläche am Gerry-Weber-Outlet ansiedeln könnten.“

Beim Thema Bürgerbeteiligung gab es unterschiedliche Akzente. Während Witte den Beteiligungsprozess auf vielen Ebenen anpacken will und in diesem Zusammenhang auch kritisch das Thema Alleestraße betrachtete – Witte sprach hier von Entscheidungen hinter verschlossenen Türen –, setzt Tappe auf ein stärkeres Dienstleistungsverständnis im Rathaus. „Dazu gehört, dass Bürger, die eine Einwendung an die Stadt schreiben, mindestens mal eine Antwort bekommen“, sagte er. Edda Sommer hingegen befand, dass die Beteiligung von Bürgern an Planverfahren bisher immer gewährleistet gewesen sei.

Innenstadtgestaltung

Bei der Diskussion um die künftige Gestaltung der Innenstadt wurden die auffälligsten Unterschiede beim Thema Tempo 30 deutlich. Hier bezog Tappe Gegenposition zu Witte und Sommer. Insbesondere Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen wie der Ortsdurchfahrt B68 lehnt der CDU-Mann ab. Die Hauptverbindungsachsen müssten funktionieren, sonst suche sich der Verkehr andere Wege. Der Einzelhandel sei auf gute Durchdringung und ausreichend Parkplätze angewiesen. Besonders wichtig erscheint ihm die Förderung einer Haller Identität durch mehr Stadtmarketing, damit Kunde und Geschäfte besser zusammenwachsen.

Witte kündigte an, die Förderung des Einzelhandels mit digitalen Portalen zur Chefsache zu machen. Hier gebe es in Halle noch viel Luft nach oben, befand sie. Sommer betonte wie Witte die Wichtigkeit höherer Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Für sie sind insbesondere Fußgängerzonen Wohlfühlbereiche. Bei der Ansiedlung des Jugendzentrums an der Masch sieht Sommer große Möglichkeiten, um weitere Entwicklungen für Jugend zu starten.

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