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Modellbauer hat seine Haller Willem-Exemplare dem Heimatverein Pium vermacht

Bergsteiger-Lok für „Kleinen Brenner“

Halle (WB). Die Dampflok, die zu Himmelfahrt normalerweise wieder beim Stadtfest Haller Willem zu bestaunen gewesen wäre, stammt aus Lengerich. Eigentlich gehört sie nicht hierher, sagt einer, der es wissen muss. »Mit 14 war ich ausgebildeter Eisenbahner«, behauptet Detlev Herzig, bevor er einen Koffer voller Modellbaulokomotiven samt Waggons auspackt.

Johannes Gerhards

Nahezu sämtliche verfügbaren Modelle der auf der Strecke des Haller Willems ab 1960 eingesetzten Züge in Originalverpackung hat Detlev Herzig (Mitte) dem Piumer Heimatverein gespendet. Darüber freuen sich Peter Prange (links) und Kassenwart Jürgen Hellweg (rechts). Foto: Johannes Gerhards

Seine Sammlung »Haller Willem« hat der 1951 im Krankenhaus Borgholzhausen geborene Eisenbahnfreund dem Heimatverein gespendet. Es ist ihm seinerzeit nicht gelungen, sein Hobby zum Beruf zu machen. Als Softwareentwickler bei der Finanzverwaltung hat er sich dennoch das Interesse bewahrt und leitet heute noch das Referat »Verkehrspolitik und Schienenverkehr« beim Bundesverband Deutscher Eisenbahn-Freunde (BDEF).

Bis 1965 wohnte Detlev Herzig mit seiner Familie in der Nähe des Borgholzhausener Bahnhofes. Einige Jahre lang fuhr er täglich mit dem Haller Willem zur Realschule in Halle und eignete sich nebenbei sein Wissen als Eisenbahnfachmann an. »In meiner Erinnerung sind die Details noch so geblieben, den zwischenzeitlichen Wandel habe ich wegen meines Umzugs nach Springe in Niedersachsen ja nicht mitbekommen«, berichtet der 69-Jährige.

Der Bahnhof in Pium habe damals noch alle Einrichtungen und Funktionen gehabt. Der Bahnhofsvorsteher wohnte im Gebäude, ein Fahrdienstleiter bediente das Stellwerk. Weichenwärter und Schrankenwärter kümmerten sich um die Doppelbockschranke, deren vier Schrankenbäume vor per Hand hoch und runter gekurbelt werden mussten. In der Fahrradwache konnten Bahnkunden ihre Fahrräder gegen Entgelt abstellen und bewachen lassen. Diese Kombination erlebt mit der Mobilitätsstation im Bau eine Renaissance, stellt Carl-Heinz Beune fest und merkt scherzhaft an, wie »modern wir damals schon waren«.

1959 griff das Modellbaufieber auf Detlev Herzig über. Mit dem »Kreis unterm Tannenbaum« begann seine Sammelleidenschaft. »Das, was ich in der Realität nicht mehr hatte, wurde als Modell angeschafft«, sagt er und spielt an auf die klassische Norm H0 im Maßstab 1:87. Hauptsächlich hat er die Züge gesammelt, für Landschaften fehlten Zeit und Geduld. Wenngleich ein lückenloses Verzeichnis aller auf der Strecke zwischen Bielefeld und Osnabrück eingesetzten Regelmaschinen nicht möglich ist, sind in seiner imposanten Sammlung, die der Heimatverein mittelfristig einmal ausstellen möchte, eindrucksvolle Exemplare zu finden.

Dazu gehören die legendäre Lokomotive 93.5 und die extrem seltene, ausschließlich als Rangierlok eingesetzte Piumer Kleinlok. »Zur Überwindung des kleinen Semmerings musste eine Lok gute Bergsteiger-Fähigkeiten besitzen«, erinnert sich Detlev Herzig und spielt damit auf die Steigung von einem Höhenmeter auf 50 Metern Strecke zwischen Hilter und Hankenberge an, den „Kleinen Brenner“. Die 93.5 sei definitiv bis 1962 auf der Haller Willem-Strecke gefahren. Mit Sammlerstolz präsentiert er die Personenwagenkombination mit Zuglaufschildern. Auch einen roten Schienenbus entnimmt er der Originalverpackung, die bei Liebhabern bereits höhere Preise erzielt als die Modelle selbst.

Die Digitalisierung hält auch bei Eisenbahnern Einzug. Während die Züge heute mit Originalgeräuschen ausgestattet werden, entstehen die Gebäude per Holzlasertechnik, wirft Stadtführer Peter Prange ein, ebenfalls Mitglied bei den Eisenbahn- und Modellbahnfreunden Gütersloh. Ein Wunsch Detlev Herzig blieb bisher unerfüllt: selber eine Lokomotive vom Führerhaus aus zu steuern.

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