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Nach Diskussion mit etwa 70 Teilnehmern: Am Sonntag soll mit Bürgern aufgeräumt werden

Besetzer wollen den Storck-Wald räumen

Halle

Die Aktivisten, die etwa eine Woche lang den Haller Storck-Wald besetzt hatten, wollen nun offenbar abziehen. Doch nicht alles soll komplett abgebaut werden. Und das Geschehen im und am Wald soll weiter beobachtet werden.

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Etwa 70 Teilnehmende – Aktivisten und weitere interessierte Bürger – diskutierten am Samstag über die Zukunft des Storck-Waldes. Foto: Malte Krammenschneider

Am Samstagvormittag hatten die Besetzer interessierte Bürger zu einem offenen Meinungsaustausch in das Waldstück eingeladen, das wie berichtet für die Erweiterung der Firma Storck gerodet werden soll. Etwa 70 Teilnehmer kamen dabei zusammen und diskutierten, wie es hier weitergehen könnte. Ein Ergebnis daraus: Teile der Besetzung sollen abgebaut werden, „kleine Symbole des Widerstandes“ im Wald verbleiben. Doch der Protest für den Erhalt des Waldes soll weitergehen, wie die Besetzer ankündigen.

Diskutiert wurde am Samstag auch, wie die Aktivisten den Wald hinterlassen sollen und wie der politische Prozess zur von ihnen geforderten Erhaltung des Waldes in den nächsten Monaten und Jahren aussehen könnte. „Wir haben großen Rückhalt und Dankbarkeit durch die Bürger erfahren. Am Sonntag wollen wir gemeinsam die Besetzung wieder zurückbauen“, kündigte eine der Aktivistinnen an, die sich Lina nennt. „Wir werden Plastik und Müll mitnehmen und die Wege zum Fahrradfahren und Spazierengehen frei machen. Der Wald soll auch im Dunkeln ohne Stolpergefahr begehbar sein. Dies haben wir gemeinsam mit Bürgern in einem offenen Treffen entschieden“, berichtet Lina, die in den vergangenen Tagen den Wald mit besetzt hatte, aus dem von ihrer Gruppe so genannten „Zukunftsplenum“.

Wald soll „Begegnungsstätte“ werden

Demnach sollten die Baum-Plattformen und Barrikaden unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten zurück- oder umgebaut werden. Außerdem solle der Wald „zu einer Begegnungsstätte werden“. Am Sonntagmittag wollen die Besetzer gemeinsam mit Bürgern in dem Waldstück aufräumen, heißt es in einer Presseerklärung der Besetzer. Marta, die nach eigenen Angaben selbst in der Umgebung wohnt und eine weitere Mitstreiterin Linas ist, erklärte: „Ich finde es gut, wenn nicht die komplette Besetzung verschwindet. Es wäre toll, wenn weiterhin Symbole des Widerstandes im Wald bleiben.“

In einer weiteren Presseerklärung zeigt sich Tobias Rüter von der Bewegung „Fridays for Future Altkreis Halle“ zufrieden über die Woche: „Wir haben viele positive Rückmeldungen an unserer Mahnwache bekommen. Die Besetzung hat gezeigt, dass man keine Politik mehr machen kann, die die Klimakrise ignoriert und stur Profitinteressen auf Kosten der Bevölkerung umsetzen will. Es waren für uns ermutigende Tage, weiterhin für eine klimagerechte Welt einzutreten.“

Protest soll weitergehen

Auf dem Treffen wurde auch über den zukünftigen politischen Prozess gesprochen. „Storck und der Stadtrat müssen ihre Politik ändern. Die Umweltverbände haben gute Alternativ-Vorschläge für die Laibach-Verlegung gemacht“, meinte etwa eine Anwohnerin.

Indes soll der Protest für den Erhalt des Steinhausener Waldes weitergehen. Nach Angaben der Aktivisten hätten sich auf dem Treffen am Samstag Bürger miteinander vernetzt, um „die nächsten Schritte“ zu koordinieren. Es gebe „viele kreative Ideen“, darunter Kulturprogramm und Kunstprojekte, die sie in Eigenregie in den Wald bringen wollen.

Anwohner in der Nähe des Steinhausener Waldes wollen die weitere Entwicklung im und am Wald weiterhin beobachten und die Aktivisten darüber informieren – weitere künftige Protestmaßnahmen scheinen damit nicht ausgeschlossen zu sein.

Bürgermeister zeigt sich erleichtert

Bürgermeister Thomas Tappe zeigte sich am Samstag „erleichtert und froh“ darüber, dass die Aktivisten sich an ihre Ankündigung halten wollen, zum Monatsende Februar ihre Besetzung zu beenden. „Vor allem bin ich froh, dass das Ganze bislang ohne Gewalt vonstatten ging“, betont Tappe. „Und ich hoffe, dass die Aktivisten den Wald auch so hinterlassen, wie sie ihn vorgefunden haben.“ Zu Details, wie es dort nun möglicherweise weitergehen könnte, dazu wollte der Bürgermeister am Samstag noch nichts sagen. „Das muss in erster Linie mit der Firma Storck geklärt werden.“

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