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Bockhorster singen zum Kantatengottesdienst in der Haller Johanniskirche

Bild vom gütigen Hirten

Altkreis Halle (WB/el). Vier Stationen sind schon vorüber. Dreimal gehen die Gemeindechöre noch auf Reisen, um mit ihrer Musik die Bande zu den Nachbarn im Kirchenkreis zu stärken. Jetzt sangen und spielten die Bockhorster in der Haller Johanniskirche.

Bockhorsts Kantor Andreas Schnell hat nicht nur seinen Kirchenchor mitgebracht, sondern auch noch ein zweites Werk von Bach: Mit »O Jesu Christ, meins Lebens Licht« (BWV 118) stimmen Sänger und Musiker die Kirchgänger in der Johanniskirche in Halle auf den Gottesdienst ein. Foto: Eische Loose

Das Bild von Gott, von Jesus als gütiger Hirte ist in der Bibel weit verbreitet und spricht das Vorstellungsvermögen an. In der Barockzeit galten Hirtenszenen als Inbegriff friedlichen Idylls. Daher hat auch Bach dieses Motiv immer wieder aufgegriffen. Für seine Kantaten stand ihm eine große Auswahl biblischer Textpassagen zur Verfügung, die er mit innig-bedeutsamer und sinnlich-besinnlicher Musik unterlegte.

So tat er es auch in der relativ unbekannten Kantate »Du Hirte Israel, höre« (BWV 104), die sich die Bockhorster für ihren Gastauftritt in Halle ausgesucht hatten. Andreas Schnell leitete nicht nur die Sänger des Bockhorster Kirchenchores, sondern auch ein kleines Orchester durch die eine sowohl nachdenkliche Betrachtung als auch beschwingte Vision von Güte, Gnade und Geborgenheit. Dabei umschloss die Kantate die inhaltlich auf Bachs Musik und Text abgestimmte Predigt.

Mehr als 100 Besucher

Die Chorchoräle mit ihren Bezügen zu Psalmentexten bildeten den äußeren Rahmen, es folgten zunächst vor der Predigt Rezitativ und Arie des Tenors Mario Lee mit kraftvollem Drang. Nach der Predigt übernahm Altistin Kathrin Brauer Rezitativ und Arie mit weicher Überzeugung, so dass die Solisten einen zweiten Rahmen setzten. Die Bockhorster Pastorin Birgit Gillmann übernahm die Deutung des Themas in der Predigt, Pastor Nicolai Hamilton führte liturgisch durch den Gottesdienst.

Birgit Gillmann betonte das gegenseitige Vertrauensverhältnis des Hirten zu seiner Herde. In einer steten Wechselbeziehung verstärke sich das Vertrauen von Gott in einer elterlichen Beschützerfunktion zum Menschen, der sich in kindlichem Glauben sicher fühlen könne. Weil man sich immer wieder auf einander verlasse, komme es so zum Ausgleich zwischen den Rollen und Kräften.

Für ihr sehr hoffnungsvolles Gastspiel in der Haller Kirche brachten die Bockhorster sogar noch einen Bach-Choral mit. Mit »O Jesu Christ, meins Lebens Licht« (BWV 118), dessen Trost sich allerdings stärker auf das Jenseits bezieht, leiteten sie den Gottesdienst ein. Sie beschlossen ihn zusammen mit mehr als 100 Kirchgängern schließlich friedvoll-freudig mit einer Wiederholung des Kanataten-Einstiegs und damit mit Psalm 80.

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