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Betheler Fachdienst in Halle sucht weitere Pflegefamilien

Da muss das Herz aufgehen

Versmold/Halle (WB). Lili war noch ganz klein, als sie zu Familie K. in Versmold kam. Das Mädchen musste aus seiner Herkunftsfamilie herausgenommen werden, weil es dort akut gefährdet war. Jetzt feiert Lili ihren zehnten Geburtstag. Sie hat Freundinnen, ist gut in der Schule, liebt das Reiten und Kunstturnen – und vor allem ist sie ein offener Mensch geworden, der gut im Leben zurechtkommt.

Caroline Stimpfle (2. von links) begleitet Familie K. von Anfang an. Foto: Reinhard Elbracht

Anja und Thomas K. hatten damals gerade das Pflegeelternkolleg des Betheler Fachdienstes »Pflegekinder« besucht. An der Schulung hatten die beiden über ein halbes Jahr ein- bis zweimal monatlich teilgenommen und viel darüber erfahren, was das Leben als Pflegefamilie mit sich bringt. Und sich überlegt, die Idee mit dem Pflegekind doch erst einmal ruhen zu lassen. Denn da waren auch die beiden eigenen Kinder – Maja war zwölf und Lennart elf – und die anspruchsvolle Kernsanierung ihres Hauses. Kein geeigneter Moment für eine tiefgreifende Entscheidung . . .  Aber dann rief Caroline Stimpfle an. Die Mitarbeiterin des Betheler Fachdienstes »Pflegekinder« suchte im Auftrag eines Jugendamtes eine dauerhafte Pflegefamilie für Lili. Und Familie K., die die Fachberaterin im Pflegeelternkolleg näher kennen gelernt hatte, schien ihr gut zu Lili zu passen.

Eine »Nachzügler«-Schwester für die Großen

»Wenn das Herz nicht aufgeht, ist es nicht das richtige Kind«, sagt Caroline Stimpfle immer. »Dann muss man neu schauen.« Bei Lili ging den K.‘s das Herz weit auf, und da spielte dann auch das momentane alltägliche Durcheinander keine Rolle mehr. »Wir hatten den Platz und wollten etwas Gutes tun«, so Anja K. Maja und Lennart waren begeistert davon, eine »Nachzügler-Schwester« zu bekommen. »Ohne ihre Zustimmung hätten wir kein Pflegekind aufgenommen«, betont ihre Mutter.

Seit damals begleitet Caroline Stimpfle die Pflegefamilie und ist für alle Mitglieder eine vertraute und verlässliche Ansprechpartnerin geworden. »Diese Kontinuität ist eine Besonderheit des Betheler Fachdienstes«, sind sich Anja und Thomas K. sicher. Caroline Stimpfle nimmt ihnen vieles ab. »Als Pflegefamilie leisten wir öffentliche Erziehungsarbeit«, erläutert Thomas K. »Wir haben mit dem Jugendamt zu tun, mit dem Vormund von Lili, mit ihrer Herkunftsfamilie, und immer ist Caroline für uns da.« Besonders schätzen sie auch, dass Kontakte zur Herkunftsfamilie über die Bethel-Mitarbeiterin erfolgen. Sie organisiert die Treffen, die nie im Zuhause der Pflegefamilie stattfinden.

35 Familien werden derzeit betreut

Im Betheler Fachdienst arbeiten sechs Pädagogen. Sie sind zusätzlich in Systemischer Familientherapie und Beratung ausgebildet und betreuen im Auftrag von Jugendämtern zurzeit 35 Pflegefamilien vor allem im Kreis Gütersloh. »Der Bedarf ist aber höher, wir mussten schon Anfragen absagen«, bedauert Caroline Stimpfle. Deswegen werden weitere Pflegefamilien dringend gesucht.

Lili hat es in ihrer Pflegefamilie gut angetroffen. Anja K. ist für sie die »Mama« und Thomas der »Papa«, mit denen man gerne einmal kuschelt. Maja, die große Schwester, ist unbestritten das Vorbild, und Bruder Lennart darf Lili immer noch auf die Kirmes begleiten, obwohl sie doch schon fast zehn Jahre alt ist.

Für gefährdete Kinder werden Pflegefamilien dringend gesucht. Interessierte können sich zu einem unverbindlichen Informationsgespräch beim Betheler Fachdienst »Pflegekinder« mit Sitz in Halle melden unter Telefon 05201/9713940, E-Mail Fachdienst-Pflegekinder@bethel.de. Nicht nur Paare, sondern auch Alleinstehende können ein Pflegekind aufnehmen.

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