Behörde bei der Bezirksregierung ist Ansprechpartner für 570 Teilnehmer zwischen Künsebeck und Pium

Das Aufräumen der Feldflur dauert noch Jahre

Halle (WB). Seit fast einem Jahr rollt der Verkehr über die A 33. Was für die Straßenbauer längst graue Geschichte ist, beschäftigt bei der Bezirksregierung in Detmold neun Fachleute und einen Messtrupp unter freiem Himmel: 2320 Hektar Land liegen im Flurbereinigungsgebiet Halle-Borgholzhausen, kleine Parzellen auch in der näheren Umgebung. Die Autobahn hat Acker und Grünland durchschnitten, Straßen, Wälder und Gewässer. Jetzt räumt die Behörde die Feldblöcke, also zusammenhängende, landwirtschaftlich nutzbare Flächen, immer noch auf. Und vermisst das gesamte Gelände neu. Betroffen sind insgesamt 570 Grundeigentümer in Halle, Borgholzhausen und Versmold.

Klaudia Genuit-Thiessen

Ein klarer, rot gesäumter Schnitt durch die Landschaft: Zwischen dem Schnatweg in Künsebeck und der B 476 in Borgholzhausen muss die Fläche neu geordnet werden: die Flurbereinigungsbehörde räumt noch immer auf und ist für die Landwirte auch Vermittler beim Flächentausch. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Die „Ländliche Bodenordnung“ sollte bis zum Lückenschluss nicht nur Flächen für den Autobahnbau zwischen Schnatweg und B 476 bereit stellen, sondern auch welche finden für die notwendigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Übrigens auch noch für „Restposten“, nämlich 200 Hektar aus dem XXL-Verfahren Brockhagen, das bekanntlich erst nach 44 Jahren abgeschlossen worden war.

Bauzeitenplan durchgetaktet

Die Folgen des Autobahnbaus für den Eingriff in die Agrarstruktur und die Landschaft müssen ebenso abgemildert werden wie die Folgen für die Grundstückseigentümer. „Der Bauzeitenplan für die Flächen war komplett durchgetaktet. Wir haben mit den Eigentümern dann über die Bewirtschaftung verhandelt“, schildert Dezernent Steffen Otto (43) die Arbeit der Flurbereinigungsbehörde. Diese hat schon seit 2010 selbst Flächen in dem Areal erworben, koordiniert aber auch den Tausch von Flächen.

Denn wer Land an die Trasse verloren hat, hat einen Anspruch auf Ausgleich an anderer Stelle. Steffen Otto: „Idealerweise ist die neue Fläche für den Landwirt sogar besser zugeschnitten als die alte und liegt vielleicht auch näher am Hof“.

Fläche ist nicht vermehrbares Gut, wie der Fachmann weiß und deshalb Verständnis dafür mitbringt, dass nicht jeder Bauer gern sein Land zur Verfügung gestellt hat. Weil es nicht immer einfach war, an Tauschflächen zu kommen, hat das Land attraktive Preise angeboten. Fast 200 Hektar Land liegen jetzt buchstäblich unter der Trasse selbst und sind damit für die Bauern verloren.

Niemand macht mehr Hecken platt

Flurbereinigung – das war einmal neue Grenzen ziehen wie mit dem Lineal. Diese Zeiten sind vorbei. Niemand macht mehr Hecken platt. Drainage- und Bewässerungssystem müssen aufrechterhalten oder womöglich neu angelegt werden. „Ein Ausräumen der Landschaft gibt es nicht mehr“, sieht der Dezernent seine Behörde und den Projektleiter Axel Müller und sein Team längst als Vermittler zwischen Straßenbauern, Naturschützern und Landwirten – als verlässliche Ansprechpartner und „Reparaturbetrieb“ für verlorene oder durchschnittene Flächen. Im Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft könne Flurbereinigung Bereiche besser trennen und damit Probleme der Bewirtschaftung lösen.

Seit Jahren laufen schon vertrauliche Gespräche mit den Grundeigentümern und Pächtern. „Alles wird besprochen. Nichts wird versprochen“, sagt Otto. Das Puzzlespiel mit Flächen innerhalb des Gebietes und kleinen Inseln, die bis zu drei Kilometer weit draußen liegen, hat begonnen und kann für den einzelnen auch unerwartete Chancen bringen. Entfernungsverschlechterung gegen Zusammenlegungsvorteil: Ein Punktesystem hilft bei der Bewertung der Flächen. Die Ergebnisse fließen im Flurbereinigungsplan zusammen. Steffen Otto: „2023 soll er vorliegen. Ich hoffe, wir sind früher dran.“

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