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„Die Kitas sind keineswegs leer“

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Schicke ich mein Kind in den Kindergarten oder nicht? Vor dieser Frage stehen gerade viele Eltern. Und so kommt es, dass in der einen Haller Kita 15 Prozent der Kinder anwesend sind und in einer anderen 76 Prozent

Kerstin Eigendorf

Manche Kitas sind nahezu leer, in anderen Einrichtungen sind viele Kinder in der Betreuung. Eltern entscheiden selbst, ob sie ihr Kind schicken oder nicht. Foto: dpa

Das Land NRW und auch die Stadt Halle appellieren an Eltern, Kinder möglichst Zuhause zu lassen. Die Kitas sind aber offen. Die Eltern entscheiden selbst.

„Viele Eltern bringen die Kinder mit schlechtem Gewissen“, weiß Heike Groß als Fachberaterin für Kindertagesstätten im evangelischen Kirchenkreis Halle. Ihre Kolleginnen liefen auf Hochtouren und die Situation in den meisten Einrichtungen sei angespannt. „Die Kitas sind keineswegs leer, sie sind oft voll“, sagt Heike Groß ganz deutlich.

Das beobachtet auch Fachbereichsleiterin Regina Bresser von der Stadt Halle, die Träger von drei Kitas vor Ort ist. „Vor Weihnachten waren die Zahlen geringer als jetzt“, berichtet sie. Der Bürgermeister habe vor Weihnachten auch noch einen Brief an die Eltern verschickt, in dem an diese appelliert wurde, die Kinder, wenn irgendwie möglich nicht in die Kita zu schicken. „Und in den allermeisten Fällen versuchen Eltern auch alles, die Betreuung nicht in Anspruch nehmen zu müssen“, betont Bresser. Viele Eltern seien im Zwiespalt. Seit Anfang des Jahres sei zu beobachten, dass mehr Kinder in die Einrichtungen geschickt würden.

Das bestätigt auch Thorsten Klute als Vorstandsvorsitzender der AWO Ostwestfalen-Lippe, die auch zwei Kitas in Halle betreibt. „Es werden jeden Tag mehr Kinder in den Kitas“, sagt er. Derzeit funktioniere es noch dank des um zehn Stunden reduzierten Betreuungsumfangs pro Kind. „Aber wenn die Zahlen weiter steigen, brauchen wir wahrscheinlich landesweite, klare Regelungen.“ Er beobachtet auch eine wachsende Sorge bei den Erzieherinnen. „Aufgrund dessen haben wir Anfang des Jahres beschlossen, dass unsere Mitarbeiter auch bei der Arbeit mit den Kindern Masken tragen müssen“, sagt er. Auf die Frage, weshalb die Belegung in einzelnen Kitas so unterschiedlich ausfalle, antwortet er: „Da gibt es verschiedene Gründe: Manche Kitas liegen in Bezirken, wo viele Eltern zwingend Betreuung aus beruflichen Gründen brauchen. Es gibt aber auch Gegenden, die von Corona nicht so betroffen waren bisher wie andere. Dort sind die Menschen einfach weniger ängstlich und schicken ihre Kinder eher zur Kita.“

Viele Haller Erzieherinnen wollen ihre Meinung mitteilen, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Sie berichten aber alle von einer Mehrheit sehr verantwortungsbewusster Eltern und einer Situation, die „für alle Beteiligten nicht schön ist“. Vielen Eltern sei es wichtig, dass die Kinder ein wenig Normalität erlebten und soziale Kontakte nicht abrissen. Gleichzeitig können die meisten Erzieherinnen nicht nachvollziehen, warum gerade sie im Impfplan nicht weiter oben stehen. „Ich ziehe den Hut vor allen Kolleginnen, die sich jeden Tag dem Risiko aussetzen zum Wohle der Kinder“, betont auch Regina Bresser von der Stadt Halle. Sie spricht aber auch von einer großen Herausforderung für alle Eltern. „Gerade kleine Kinder kann man nicht so einfach woanders unterbringen, wenn man arbeitet“, sagt die Fachbereichsleiterin. Der Spagat zwischen Gesundheitsschutz und Arbeitsverpflichtung sei in vielen Familien aktuell ein Dauerthema.

In fast allen Kitas in Halle sind die Träger sich einig, dass es nicht ihre Aufgabe ist, Eltern zu überreden, Kinder Zuhause zu lassen. „Es ist eine Elternentscheidung, nicht unsere“, betont Klute. So habe es die Politik entschieden.

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