Auch die Hundeschulen sind von Schließungen betroffen – und werden von den Behörden unterschiedlich eingestuft

„Die Vierbeiner brauchen ihre Ausbildung“

Werther/Halle

Obwohl sich immerhin noch zwei Personen eingeschränkt draußen treffen dürfen, muss selbst das Einzeltraining in Hundeschulen vorerst unterbleiben.

wn

Ulrike Koch von der Hundeschule „Wiesensprung“ aus Halle, hier mit Dalmatiner-Labrador-Mischling Knut, hat sogar an Armin Laschet geschrieben, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Foto: hx

Simone Resch mit ihrer mobilen Hundeschule „Findehunde“ aus Halle wundert sich: „Beim Finanzamt sind wir ein Dienstleistungsunternehmen, laut Gesundheitsministerium haben wir aber auf einmal einen außerschulischen Bildungsauftrag.“ Auch Sabine Winkler, Hundetrainerin aus Werther, wusste vor der Coronaschutzverordnung noch nichts von ihrem Bildungsauftrag.

Dass sie versuchen, Hund und Halter ein entspanntes Miteinander zu ermöglichen, das ist immer schon der Auftrag der kleinen und größeren Hundeschulen gewesen, auch die der diversen Hundevereine. Es geht um Erziehung, Sozialisierung, Auslastung und geistige wie körperliche Beschäftigung der Vierbeiner, die von Hund zu Hund unterschiedlich ist. Auch jeder Besitzer hat natürlich andere Ansprüche an sein Tier.

Neuanschaffung von Tieren sehen sie derzeit mit gemischten Gefühlen

Die zur Zeit zur Untätigkeit verdammten Trainer sehen mit gemischten Gefühlen den coronabedingten Trend, sich in dieser Zeit einen neuen Hund anzuschaffen. Gerade Welpen oder auch Tiere aus dem Ausland brauchen am Anfang eine gute Ausbildung und viele verschiedene Situationen und Außenreize. Sie brauchen andere Artgenossen, um eine normale Sozialisierung zu erreichen.

Sabine Winkler aus Werther versucht, im Telefonkontakt mit den Ersthundbesitzern einige Tipps zu geben. Das ist in Gruppen oder beim Einzeltraining natürlich viel besser umzusetzen. Da gibt es auch dann den Austausch untereinander. Fast wie bei Krabbelgruppen: „Ach, deiner ist auch noch nicht trocken? Wann kann der Welpe denn endlich mal ‚Sitz‘ und ‚Platz‘ machen?“ – „So etwas jetzt telefonisch rüberzubringen, ist nicht einfach“, weiß Winkler.

Persönlicher Kontakt ist unersetzlich

Einig sind sich die Hundeschulen, dass mit Onlinekursen und digitalen Workshops nicht das erreicht werden kann, was sonst im persönlichen Kontakt machbar ist: Im Zusammenspiel von Hund und Halter muss man beide Seiten erst einmal sehen und kennenlernen. „Erst dann kann ich sinnvoll mit beiden arbeiten“, bemerkt Simone Resch. Sie entdeckt auch gerade jetzt, an den Wochenenden, in den oft überlaufenen Wäldern immer wieder zahlreiche frei laufende Hunde, die hinter dem Wild her sind. „Das ärgert mich und wirft kein gutes Licht auf uns Hundehalter, ich würde gern allen ein Anti-Jagd-Training empfehlen, aber ich darf ja nicht“, sagt die Trainerin.

Ulrike Koch mit ihrer Haller Hundeschule „Wiesensprung“ hat sogar einen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet persönlich geschrieben. Bekam aber nur eine höfliche Standardantwort... Dabei dürfte sie ihre Sparte Gassiservice sogar weiterführen, aber bedingt durch das doch oft genutzte Homeoffice fällt auch diese Einnahmequelle weg.

Die Fachfrauen sind sich einig, dass die Coronaschutzmaßnahmen notwendig sind und dass sie selbst in ihrer Branche nicht als systemrelevant gelten. Aber dass sie auch aus den staatlichen Hilfen größtenteils herausfallen, ist auch für diese Berufssparte ein persönlicher herber Tiefschlag.

Startseite