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Nach mehr als 53 Jahren schließt die bekannte Landpension in Halle-Ascheloh

Dröge Zeiten

Halle-Ascheloh (WB). Nicht nur für Stammgäste sind in Ascheloh buchstäblich ziemlich dröge Zeiten angebrochen. Denn in der beliebten Landpension sind zu Anfang des Monats Mai die Lichter ausgegangen – nach mehr als 53 Jahren. Gastwirt Harald Dröge (65) und seine Frau Rita (66) setzen sich zur Ruhe: „Corona hat die Sache beschleunigt. Denn eigentlich wollten wir einem Nachfolger ja noch Starthilfe bieten.“

Klaudia Genuit-Thiessen

Harald und Rita Dröge haben zugesperrt – nach mehr als 50 Jahren ist das Gewerbe der Landpension abgemeldet. Mit Reinhard Brinkkötter hoffen sie dennoch, dass sich eine Nutzung für das große Gebäude finden lässt. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Der Abschied von dem Traditionshaus in der Ascheloher Schweiz „tut mir und meiner Frau auch ein bisschen weh“, sagt der 65-Jährige. Mit Ferien-Angeboten auf dem Bauernhof haben seine Eltern Else und Heinrich in den 1960er Jahren die ländliche Idylle gastronomisch bekannt gemacht. Sohn Harald verschlug es dann schon als Koch-Lehrling in die Gastronomie. Viele Jahre hat er das Berghotel Dröge (vorher Oertel) in Amshausen geführt, bis er das Haus 1997 als Flüchtlingsunterkunft an die Gemeinde Steinhagen verkaufte. Denn es zog ihn zurück auf den elterlichen Hof unterhalb der „Drachenwiese“. Gemeinsam mit Ehefrau Rita, die nach einer Ausbildung in der Lebensmittelbranche Erfahrung aus der Gastronomie mitgebracht hat, baute er die Landpension zur jetzigen Größe aus.

Kochkunst war äußerst beliebt

Harald Dröges Kochkünste wussten nicht nur Hotelgäste zu schätzen. Auch Vereine, Gruppen und Familien, die sich die saisonalen Highlights nicht entgehen lassen wollten oder aber besondere Anlässe feierten, sind regelmäßig eingekehrt.

„Jetzt haben wir aber die Reißleine gezogen. Denn die Vorschriften sind ja immer aufwändiger geworden. Und dann haben wir das Gewerbe eben doch schon abgemeldet“, sagt Harald Dröge. Dennoch läuft die Suche nach einem Käufer für das Anwesen weiter. Die circa 20 Zimmer große Pension mit ihren 1700 Quadratmetern Grundfläche, das renovierungsbedürftige alte Bauernhaus nebenan, in dem eine Ferienwohnung liegt, und knapp 15 Hektar Ackerland und Wiesen, Wald- und Forstwirtschaft – dafür jemanden zu finden, ist nicht einfach. Wer will heute noch als Gastwirt von morgens bis abends präsent sein?, fragt sich der erfahrene Gastwirt.

Ein Fünkchen Hoffnung bleibt

„Wir hatten schon eine ganze Odyssee von Interessenten“, räumt Immobilienmakler Reinhard Brinkkötter ein. Auch eine branchenfremde Nutzung – beispielsweise als Pflegeheim oder Domizil für eine Wohngruppe sei denkbar. Und auch jetzt stecke man noch in Verhandlungen. „Wir prüfen jetzt gerade wieder, was hier möglich ist und schmieden viele Eisen.“ „Der Betrieb ist jederzeit wieder zu starten“, ergänzt Harald Dröge.

Die Küche ist aufgeräumt und leer, Lebensmittel entsorgt. Auch das letzte 150-Liter-Fass Bier hat noch Abnehmer gefunden. „Eigentlich wollten wir noch eine Abschlussparty mit den Stammgästen machen“, hofft der Wirt, dass sich solch ein Dankeschön-Abend noch einmal nachholen lässt.

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