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Picknick im Schulzentrum Halle: »Opus Arte« gestaltet grandiosen Abend

Ein Foyer, das im Monde liegt

Halle (WB). In rauschenden Kleidern, sanfter, warmer Beleuchtung und klassischem Repertoire hat Opus Arte dem versprochenen Feuerwerk aus Oper, Operette und Musical Glanz verliehen. Beim Picknick im Betonklotz des Foyers des Haller Schulzentrums Masch kommt bei so viel warmen Licht und Gesang eine leichte, authentische Sommerabendstimmung auf.

Burkhard Hoeltzenbein

Markantes Make-up, aber diesmal kein Klamauk: Das Ensemble um Reiner Beinghaus (Mitte) bleibt diesmal passend zum Anlass Vornehm und herrschaftlich. Es macht einen unterhaltsamen Abend so zu einem großen Abend. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Der Einstieg zu diesem Opus-Arte-Sommerabend, der angesichts des Regengusses draußen wohlweislich wieder im bedachten Trockenen stattfindet, ist sanft wie selten gewählt. »I see Fire«, »Somewhere over the Rainbow« und »Wishin’ you were somehow« geben nach einander den Solisten Ralf Sczensny, Larissa Kern und Manuela Brenker Scholz Raum und Zeit, um das Publikum auf einen großen Bogen an gehaltvollen Evergreens einzustimmen.

Vornehm und herrschaftlich

»Schlösser, die im Monde liegen« aus »Frau Luna«, das der Chor zum Finale singt, gibt dem stimmigen Programm seinen Namen. Diesmal bleibt es durchgehend und passend zum Anlass vornehm und hoch herrschaftlich. Reiner Beinghaus, Erfinder, Trainer und Impresario des Ensembles, verzichtet im Gegensatz zu sonstigen Konzerten komplett auf die (sehr anspruchsvollen) klamaukigen Einlagen. Stattdessen geben die Sängerinnen und Sänger Operngenuss pur und machen damit einen unterhaltsamen zu einem großen Abend.

Es bleibt trotzdem etwas von dem erratischen Beinghaus erhalten, der sich mit der Schminke eben dann doch noch eine Kleinigkeit ausgedacht hat, worüber das sich selbst üppig bewirtende Publikum trefflich rätseln darf. Dämonenhaft, mit Anwandlungen eines Vampirs mit tief ummalten Augen und markanten Kanten auf den Wangen, überzeichnen er und seine Kollegen. Dabei lädt das Repertoire eher zur leichten, unbeschwerten Muse ein.

Herren verteilen rote Rosen

Etwa mit dem Csárdás-Medley am Ende des ersten Teils, bei dem der Opernchor voluminös einsteigt. Oder den schmachtenden Liebesliedern. Manuela Heinrich singt den Klassiker »Meine Lippen, sie küssen so heiß«, das bestens aufgelegte Herrenensemble verteilt »Dunkelrote Rosen«, der Chor fragt »Wer hat uns getraut?«, die Damen haben »Getanzt heut Nacht« und oben drauf gibt es das Beste in komprimierter Form aus dem Zigeunerbaron.

Teil drei eines ausnehmend feinen Programms setzt inklusive der Zugaben sogar noch einen drauf. Da darf Horst Dieter Schumacher sein schon zum Markenzeichen gewordenes »Granada« ausleben. Lässt Roland Beckmann, der zuvor schon bei »Weil ich weiß, in der Straße wohnst Du« den Mikro-Ausfall professionell übersingt, an der Seite von Annette Barrelmeyer das »Lippen schweigen« ertönen. Und steigert sich das Publikum beim Luna-Medley mit Hits wie »Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe« und der »Berliner Luft« vom andächtig zuhörenden zum nun frenetisch mitklatschenden Auditorium. Ein wahrhaft genussvoller Abend.

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