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Testphase gestartet für Bau von Versickerungsbeeten in Straßen - Parkdruck ist Problem

Ein ganzer Wald von Baken in Bokel

Halle-Bokel (WB). Das Dorf Bokel mit seinen rund 800 Einwohnern ist eigentlich sehr übersichtlich. Doch auf den wenigen Straßen stehen seit Anfang der Woche an insgesamt 41 Stellen mehr als 160 Baken. Die vielen künstlich geschaffenen Verengungen sollen simulieren, was es im Alltag bedeuten würde, wenn die Stadt dort dauerhaft Versickerungsmulden angelegte. Ein brisantes Thema, nicht nur in Bokel.

Stefan Küppers

So wie hier am Ernteweg sieht es derzeit in vielen Straßen von Bokel aus. Die Stadt hat an insgesamt 41 Stellen künftige Versickerungsbeete mit Baken markieren lassen. In der Testphase sind die Rückmeldungen der Anwohner von der Stadt erwünscht. Foto: Küppers

Die Bokeler verfolgen die Pläne der Stadt mit angespannter Aufmerksamkeit. Die Stadt will nämlich aus Umweltgründen das Mischwassersystem in den Kanälen des Dorfes von Regenwasser durch die Entsiegelung in Straßen und Schaffung von möglichst vielen Versickerungsflächen entlasten. Zu einer Anliegerversammlung, zu der die Stadtverwaltung ins Gemeindehaus eingeladen hatte, waren sage und schreibe rund 120 Bokeler erschienen (s.a. WB vom 12. Januar).

Verlust von Parkraum an der Straße sehen viele Bürger kritisch

Eckhard Hoffmann, Abteilungsleiter Tiefbau im Rathaus, und dem zuständigen Projektingenieur Christoph Wulff war schon seinerzeit durch viele Rückmeldungen signalisiert worden, dass die Verschärfung des Parkraumdrucks auch im kleinen Bokel durch zu viele Versickerungsbeete als kritisch angesehen wird. Als Wulff jetzt die vielen geliehenen Baken in Bokeler Straßen aufstellen ließ, nahm er ein geteiltes Echo von Anliegern wahr. »Es gab positive, aber auch ablehnende Äußerungen«, sagte er dem WB.

Die Stadt hat laut Hoffmann jetzt zunächst einmal ihren ursprünglichen Aufstellungsplan mit den Markierungen und Baken umgesetzt. In der zwei- bis dreimonatigen Testphase soll die Alltagstauglichkeit der geplanten Versickerungsmulden sowohl bei der einzelnen Länge und Breite sowie bei den Standorten selbst getestet werden. Die Stadt setzt auf intensive Rückmeldungen der Anwohner, damit die Pläne angepasst werden können. Erster Ansprechpartner für die Bokeler ist Ingenieur Wulff, erreichbar unter Email christoph.wulff@hallewestfalen.de (Briefpost ans Rathaus) oder Tel. 05201/183-149.

Stadt erbittet Rückmeldung von den Straßenanliegern

Doch bei allem Bemühen um Transparenz und Offenheit verbleibt der Grundkonflikt zwischen den umweltpolitischen Zielen der Stadt und dem Bedürfnis der Anwohner, Parkraum auf öffentlichen Straßen weiterhin für sich nutzen zu können. Das führt durchaus auch zur Uneinigkeit, wie die Verwaltungsvertreter bei einer Einwohnerversammlung kürzlich für die Schloerstraße erlebt haben. In der wichtigen Verbindungsstraße zwischen Gartnischer Weg und Künsebecker Weg war ebenfalls eine mehrwöchige Testphase mit Baken für neue Versickerungsmulden gelaufen. Im Anschluss haben Anwohner der Schloerstraße dem Vernehmen nach deutlich gemacht, dass sie Versickerungsmulden ablehnen. »Wir werden die Angelegenheit dem Bauausschuss zur Entscheidung vorlegen«, sagt Hoffmann.

Die Anlieger der Straße Am Hang, die weder mit dem nachmaligen Ausbau ihrer Straße, noch mit dem Verlust von Straßenparkplätzen durch Entsiegelungsmaßnahmen einverstanden sind, hatten in ihrer Eingabe einen Vorschlag gemacht, auf den die Verwaltung bisher öffentlich nicht eingegangen war. Die Anwohner argumentierten, dass es ökologisch wohl kaum sinnvoll wäre, durch die Entsiegelung von Straßen die Anlieger quasi zu zwingen nun auf ihren Grundstücken Parkflächen zu versiegeln. Stattdessen sei es doch sinnvoller, so die Argumentation weiter, die Anwohner durch Förderprogramme für die Anschaffung von Zisternen dazu zu bringen, dass verstärkt anfallendes Regenwasser auf dem Grundstück als Brauchwasser zu nutzen. Auch dadurch könne das öffentliche Kanalsystem erheblich entlastet werden.

Können private Zisternen das Entsiegelungsproblem lösen?

»Es hat in Halle bereits Förderprogramme für Brauchwassernutzung gegeben«, weiß Eckhard Hoffmann. Es mache absolut Sinn zum Beispiel für die Gartenbewässerung, die Toilettenspülung oder auch die Waschmaschine Brauchwasser zu nutzen. Und in manchen Baugebieten sei die Komplettversickerung auf Grundstücken sogar vorgegeben. »Doch nach meiner Auffassung kann eine Zisterne nur eine ergänzende Maßnahme, kein Ersatz sein«, sagt Hoffmann. Denn eine Zisterne, die nur zur Gartenbewässerung genutzt werde, laufe gerade im Winter schnell voll oder über. Letztlich gebe es zwischen der Stadt und dem Privateigentümer getrennte Zuständigkeiten. Den Wunsch nach Parkraum auf der Straße könne er nachvollziehen, so Hoffmann. Doch den zu schaffen sei nicht Aufgabe der Stadt oder der öffentlichen Hand.

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