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Kaberettist Ingo Börchers steht in Halle auf der Bühne

»Ein Heimspiel macht’s nicht gerade einfacher«

Halle (WB). Provinz und Komik – für Kabarettist Ingo Börchers gehört das durchaus zusammen. Im Moment inspiriert ihn allerdings die »Immer ich«-Mentalität. Dieses Programm stellt er kommende Woche in seiner alten Heimat vor. Im Vorfeld hat WESTFALEN-BLATT-Redakteur Volker Hagemann mit ihm auch über Halle und die alten Zeiten im Altkreis gesprochen.

Ingo Börches spielt wieder in seiner alten Heimat. Foto: Jan Merlin Friedrich

»Immer ich« heißt Ihr aktuelles Programm. Da geht es etwa um zunehmenden Egoismus und den Vergleich zu denen, die ihre Heimat verlassen mussten. Wichtige, drängende Themen – keine Frage. Klingt aber nicht gerade nach Kabarettprogramm, oder?

Ingo Börchers: Warum denn nicht? Kabarett arbeitet immer mit dem, was gerade anliegt: Zunehmende Egozentriertheit ist doch allerorten diagnostizierbar. Die in Wellen verlaufende Völkerwanderung gehört ebenso zu den Ereignissen der Gegenwart. Womit sonst sollte sich das Kabarett beschäftigen als mit den akuten Geschehnissen in der Welt?

Die Vorstellung

Mit seinem neuen Programm »Immer ich!« serviert Ingo Börchers seinem Publikum am Mittwoch, 6. November, 20 Uhr, bittere Wahrheiten mit Humor. Börchers hat das Talent, blitzschnell die Themen zu wechseln, ohne jemals den roten Faden zu verlieren. Eine Anleitung zur Selbstoptimierung erteilt er seinem Publikum an diesem Abend in der Remise. Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 7 Euro. Tickets gibt es im Bürgerbüro der Stadt.

Da dürfte sich der eine oder andere durchaus wiedererkennen. Fühlt sich da nicht mancher auf den Schlips getreten?

Börchers: Dass es zu meiner Arbeitsplatzbeschreibung gehört, Projektionsfläche zu sein, steht ja außer Frage. Wiedererkennung ist also ein durchaus erwünschter Effekt. Was das auf den Schlips getreten betrifft: Am Ende tickt ein Kabarettpublikum so wie der Rest der Gesellschaft auch. Die Hölle, das sind immer die anderen.

Gab es mal einen bestimmten Anlass, der Sie so genervt hat, dass Sie daraus dieses Programm kreiert haben?

Börchers: Na ja, ein ganzes Programm vielleicht nicht. Aber einige Texte schon. Und es war bei »Immer Ich« kein einzelner Anlass, sondern die Summe vieler Anlässe, die mich dazu bewogen haben, dieses Programm auf die Bühne zu bringen.

Die unvermeidliche Dauer-Frage... Zwischen Ihren Auftritten in München, Leipzig und Düsseldorf, teils mit Preisverleihung: Ist der Termin in Halle irgendwie anders? Schauen Sie in hunderte bekannte Gesichter?

Börchers: Ob Sie‘s glauben oder nicht – ein Heimspiel zu haben macht für mich die Sache nicht einfacher. An anderen Orten bin ich halt irgendein Kabarettist, der sein Publikum mit seinen Geschichten zu unterhalten versucht. In Halle (dort bin ich zur Schule gegangen) oder Borgholzhausen (dort bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten groß geworden) schwingen beim Publikum mindestens drei Kilo Subtext mit. Da bin ich eben Kind meiner Eltern, Schüler meiner ehemaligen Lehrer und Lehrerinnen, schwitzender Partner im Tanzkurs oder das stotternde schüchterne Etwas, an das sich die Nachbarn erinnern.

In Ihrem Zivildienst haben Sie sich offenbar aufgeopfert für Kröten und Fledermäuse. Und jetzt naht der Lückenschluss der Autobahn 33. Wie passt denn das eigentlich zusammen?!

Börchers: Da fragen Sie etwas, das mich in der Tat sehr beschäftigt. Zum einen bin ich alles andere als stolz darauf, wie meine persönliche Ökobilanz aussieht. Alleine im Auto (noch dazu in einem Diesel) auf dem Weg von A nach B. Und dann noch diese Diskrepanz zwischen: als Schüler zu demonstrieren gegen die A33, Umwelt-Zivi zu sein – und nun (mit schlechtem Gewissen zwar, aber dennoch) ebendiese A33 zu befahren, das macht mich mehr als kritisierbar. Wie gut, dass Greta und Co. uns alten Säcken endlich ein bisschen Feuer unterm Hintern machen.

Überhaupt Halle: A 33 hier, Tempo 30 dort, Kampf um alte Häuser... Bietet das Städtchen nicht jede Menge Futter für Kabarett?

Börchers: Halle bietet wie am Ende jede andere Stadt auch Futter fürs Kabarett.

Genau wie Lutz von Rosenberg-Lipinsky haben Sie einst das Haller Kreisgymnasium besucht. Ist der Unterricht an dieser Schule so intelligent oder so skurril, dass diese Schule gleich mehrere Kabarettisten hervor bringt?

Börchers: Irgendwas muss diese Schule an sich haben. Meine Frau Daniela ist auch aufs KGH gegangen und ist nicht nur meine mir Angetraute, sondern zudem auch noch meine Kollegin. Mein Freund und Kollege Volker Surmann hat ein Jahr vor mir sein Abi an ebendieser Schule gebaut und ist heute ein erfolgreicher satirischer Autor und Verleger und der von Ihnen erwähnte Lutz von Rosenberg-Lipinsky gehört ja ohne Zweifel zur etablierten Riege unserer Zunft. Ich glaube ja, ein gewisses Maß an Provinz fordert Komik geradezu heraus. Vielleicht ist unser Beruf sogar die friedvollste Form, um Ketten zu sprengen – dann, wenn es mitunter zu eng wird.

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