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100 Jahre SC Halle: Den ersten Fußballern fehlte alles

Elf ohne Ball und Platz

Halle (WB). Der allererste Vorsitzende des Sport-Clubs Halle soll tatsächlich mit der Kasse durchgebrannt sein. Das ist überliefert. 100 Jahre nach der Gründung des Vereins am 7. November 1919 – und wenige Tage vor dem Jubiläumsfest im neuen Sportlerheim – erscheint dies Intermezzo nur kurios.

Klaudia Genuit-Thiessen

Blättern miteinander in den Dokumenten, die von der Geschichte des Sport-Clubs erzählen: Vorsitzender Wolfgang Rehschuh (rechts) und der Haller Historiker und langjähriges SC-Mann Wolfgang Kosubek. Foto: K. Genuit-Thiessen

Wann genau Vorsitzender Fritz Kuhlmann den Verein um wie viele Mark gebracht hat, das bleibt unklar. Wirklich viel kann es nach dem Ersten Weltkrieg nicht gewesen sein. Denn damals hatten die Sportler in der Lindenstadt nicht einmal die Mittel für einen Fußball, wie der Haller Wolfgang Kosubek, der selbst über viele Jahre dem Vorstand des SC angehört hat, herausgefunden hat. Bei seinem Blick auf die Anfänge der Vereinsgeschichte hat der Historiker aus Passion das Gründungsprotokoll des Sport-Clubs zugrunde gelegt – und mit dem WESTFALEN-BLATT einen Blick auf die Vereins-Geburt geworfen.

Wahl mit Gegenstimmen

»Zu der auf den heutigen Tag einberuf. Vers. waren za. 15 Personen erschienen. Herr Kuhlmann eröffnete die Versammlung mit wenigen einleitenden Worten. Dann schritt man zur Wahl des Vorstandes«, heißt es in den Annalen. Die Kandidaten waren offensichtlich nicht unumstritten. Denn jeder brachte es auf einige Gegenstimmen. Fritz Kuhlmann wurde mit elf gegen vier Stimmen zum Vorsitzenden gewählt. Wilhelm Schmidt wurde Schriftführer, Heinrich Osthus Kassierer. Immerhin erklärten elf der jungen Männer, die im Hotel Schmedtmann anwesend waren, ihren Beitritt. Man konnte in Mannschaftsstärke antreten. Dann wurden verschiedene Vorschläge für einen Namen gemacht. Durch Stimmzettel einigte man sich schließlich auf »Sport-Klub Halle«. Als Verein registriert wurde er im Januar 1920.

Die Höhe der monatlichen Beiträge wurde auf eine Mark festgesetzt, der Eintritt auf zwei Mark. »Ob mit Eintritt der Beitritt zum neuen Verein gemeint ist, oder bereits der Eintritt zu den beabsichtigten Fußballspielen, das ist nicht bekannt«, sagt Wolfgang Kosubek, der für das Internet-Museum »Haller Zeiträume« die Historie im Detail beleuchtet hat.

Pferdewiese des Grafen

Weil niemand Geld für einen Lederball hatte, haben die SC-Gründer schon damals eine sportliche Offensive gestartet: Eine Festlichkeit sollte genug Geld in die Kasse spülen. Mit erheblichen Schwierigkeiten hatte der junge Verein auch zu kämpfen bei der Suche nach einem geeigneten Fußballplatz. Schließlich wandte man sich an den Grafen von Tatenhausen mit der Bitte, dem SC die »Pferdewiese« für Wettspiele zu überlassen. Bei der Absage führte der Graf landwirtschaftliche Gründe ins Feld. »Durch das Herumlaufen einer größeren Menge Menschen würde die Grasnarbe erheblich leiden und besonders an den Toren gänzlich verschwinden. Da ich aber auf diese eine Weide angewiesen bin, so kann ich den Ausfall an Futter auf andere Weise nicht ersetzen …« heißt es in einem Auszug einer Jubiläumschronik zum 50. des Vereins.

»Als eins der frühen Probleme des jungen Clubs erwies sich der erste Vorsitzende, Frisörgehilfe Fritz Kuhlmann«, berichtet Wolfgang Kosubek weiter. Der undurchsichtige Umgang mit der Vereinskasse habe dazu geführt, dass schon bald der tüchtige Lehrer Grell zum Vorsitzenden gewählt wurde. In Grells Ära fiel 1923 der inflationsgeblähte Betrag von 10.053.327.791.144,75 Mark auf der Einnahmeseite. »Zum Vereinsvermögen gehörten damals noch sieben Flaschen Steinhäger.«

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