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Märchentheater und Operngesang im Café-Garten in Stockkämpen

Endlich wieder königlich amüsiert

Halle-Stockkämpen (WB). Mit einer echten Fahrraddroschke kam der Froschkönig in den Garten des Alten Pfarrhauses nach Stockkämpen, um 60 große und kleinen Besucher zu unterhalten, die ihn und Puppenspieler Ralf Kiekhöfer erwarteten. Stunden später dann applaudierte ein ebenso großes, klatschfreudiges Publikum dem Chor Opus Arte – Bravo-Rufe nach langer Corona-Pause. Café-Inhaberin Ilka Bischof liebt diese gemütliche Art, Kultur zu erleben. Schon seit zwei Wochen lädt sie gezielt Künstler in ihren Biergarten.

Eische Loose

Oh, der König liebt sein Volk, die Prinzessin und die Gerechtigkeit: Ralf Kiekhöfers Klappmaulpuppe verschafft dem Froschkönig sein Recht, der Tochter einen standesgemäßen Ehemann und dem Publikum ein königliches Vergnügen. Foto: Eische Loose

Die große Nachfrage zeigt ihr: Kultur ist einfach nötig und beliebt. Die Veranstaltungen sind schnell ausverkauft, obwohl es das Café noch gar nicht lange gibt. Aber nicht nur Gäste, auch die Kulturschaffenden sind dankbar. Schließlich mussten sie ebenfalls lange darben und mit ihrer Kunst daheim bleiben. So war „Opus Arte“ die große Freude anzumerken, endlich wieder auftreten zu dürfen.

Mit Inbrunst

Allein die kleine, nur dreiköpfige Männergruppe sang, als habe sie es mehrere Jahre nicht getan und legte alles hinein. Vor allem Solist Horst Dieter Schumacher überwältigte die Zuhörer trotz eines kleinen Kratzers. Das galt auch für die weiteren Solistinnen Annette Barrelmeier, Manuela Brenker Scholz und Manuela Heinrich, die mit ihrem Temperament auch den nötigen Schwung brachte. Neben allem Spott, den Chorleiter Reiner Beinghaus auf den Virus abschoss, war daher fühlbar, wie viel es den Sängern bedeutete, diese Chance zu haben.

Für Ralf Kiekhöfer, Macher des Haller Töfte-Theaters, war es zuvor schon der zweite Auftritt in der kulturfreudigen Gaststätte gewesen. Kaum war am Nachmittag das erste Getränk serviert, bimmelte es auch schon im grünen Garten. Dort fuhr Kiekhöfer mit seinem königlichen Fahrradtheater vor und packte erst mal den Zollstock aus. Schließlich sollte jeder mit Abstand Spaß haben.

Eine Frage der Ehre

So freute sich zunächst einmal der alte König an seinen Gästen und musste wenig später einschreiten, um seine Tochter an ihre Ehre zu erinnern. Denn: »Was man verspricht, das muss man auch halten«, und wenn es das eigene Bett für einen grünen, glitschigen Frosch ist. Doch die Prinzessin ertrug es einfach nicht; und so landete der Frosch mit einem großen Plumps im Gras, bevor er sich als Prinz aus den Daunen erhob. Das war ein toller Spaß, vor allem für die Kinder, die Kiekhöfer immer wieder direkt ansprach.

Ilka Bischof freut sich, wenn ihre Gäste Kultur richtig genießen. Ihr ist das Wohlfühlgefühl dabei wesentlich wichtiger als die Zahl der Besucher. Denn die ist und bleibt vorerst begrenzt. Innen dürfen beispielsweise derzeit nur bis zu 30 Gäste einkehren. »Aber ich frage auch jede Woche beim Ordnungsamt nach, wie die Regeln sind«, meint Ilka Bischof. Immerhin ändern sich die Vorschriften immer wieder, richten sich einmal nach Gastwirtschaft, das andere Mal nach Kulturveranstaltung.

„White Coffee“ folgt

Doch das Pfarrhaus-Café hält an seinem Konzept fest. So spielen am 26. September „White Coffee“ ihre Harmonien. Alle Künstler sind Freunde, von Gästen empfohlen oder auch selbst angemeldet. So kann es gehen, ob mit oder ohne Ausschank. Nach der langen Durststrecke ein Licht am Horizont.

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