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Halles Partnerstadt Valmiera hat schon mehr Arbeitsplätze als Einwohner

Entwicklungs-Motor der Region

Halle/Valmiera (WB). Offiziell 25 000 Einwohner, geschätzt 30 000 – damit ist Halles lettische Partnerstadt Valmiera die zweitgrößte Stadt des Landes und das pulsierende Zentrum des ehemaligen Kreises und der ganzen Region. Eine kleine Gruppe aus Halle bekam jetzt im Rathaus von Valmiera aktuelle Zahlen präsentiert.

Klaus-Peter Schillig

Viel Blumenschmuck und Parkanlagen sind Teil des Stadtbildes von Valmiera. Im Zentrum ist ein modernes Einkaufszentrum entstanden, im Hintergrund der neben dem Rathaus gelegene Turm der St. Simeons-Kirche, rechts sind Wohnhäuser zu sehen. Fotos: Schillig Foto:

Die Haller mit Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann an der Spitze gehörten zu einer 60-köpfigen Delegation aus dem Kreis Gütersloh, die in Lettland das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen den beiden Kreisen gefeiert hat. Den in Valmiera gibt es seit einer Gebietsreform nicht mehr, die Freundschaft ist nach vielen Jahren der Aufbauhilfe geblieben. Halle war die erste Stadt, die 2011 eine Städtepartnerschaft eingegangen ist.

In punkto Wirtschaftskraft könnte Valmiera auch im Kreis Gütersloh mitspielen. Die Zahl der Arbeitsplätze übersteigt die Zahl der Einwohner. Größter Arbeitgeber ist das örtliche Glasfaserwerk mit 1085 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 101 Millionen Euro oder sogar für Stadiondächer. Zweitgrößter Arbeitgeber ist das Hospital mit 667 Beschäftigten, gefolgt vom Metallverarbeiter Valpro (312). Mehr als 90 Prozent der Unternehmen haben weniger als zehn Beschäftigte.

Die müssen allerdings oft weite Anfahrten aus dem Umland in Kauf nehmen, weil in Valmiera selbst akute Not an bezahlbaren und modernen Mietwohnungen herrscht. Die Stadt selbst wird jetzt, kündigte Bürgermeister Janis Baiks an, als Bauherr für 150 Wohnungen auftreten, um auch die auf Rigaer Niveau steigenden Mieten in den Griff zu bekommen. Das Glasfaserwerk beteiligt sich und hat sich schon 30 Einheiten reservieren lassen. Bis 2020 sollen 700 neue Wohnungen aller Größen entstehen.

Fachkräfte vor Ort halten

Denn attraktiver und günstiger Wohnraum ist eine der Voraussetzungen, um Fachkräfte anzulocken und sie nicht an die Hauptstadt oder sogar an Westeuropa zu verlieren. Wie das Altenheim, das seine 70 Bewohner mit einem Minimum an Personal betreuen muss, weil viele ausgebildete Pflegerinnen im Westen wesentlich mehr verdienen können.

Ratsmitglied Andris Klepers, der auch als Übersetzer fungierte, kündigte an, dass bereits ein neues großes Industriegebiet von 116 Hektar in Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Koceni ausgewiesen wird. 60 Hektar, vorher in Staatsbesitz, sind im vergangenen Juli von der Stadt erworben worden. »Wir sind das Entwicklungszentrum der Region«, sagte Klepers, der in Deutschland studiert hat. Von der Bedeutung für Lettland sei Valmiera ebenso einzustufen wie Köln oder Düsseldorf für Deutschland.

5000 Einwohner nicht registriert

Das Problem aber sind die etwa 5000 Einwohner, die nicht in der Stadt registriert sind, weil es dazu keine gesetzliche Verpflichtung gibt. Die Letten, Vorreiter auch in Sachen Digitalisierung (WLan in jedem Bus), versuchen es mit einer eigenen App. Nur registrierte Bürger können sie herunterladen und verschiedene Vorteile und Vergünstigungen genießen. Das soll der Anreiz sein, sich im Rathaus anzumelden.

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