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1450 Besucher feiern beim Rhythm’n’Blues-Festival in Halle bis weit nach Mitternacht – mit Video

Es geht auch ohne Drum-Computer

Halle (WB). Die infolge der Zeitumstellung längste Nacht des Jahres stand ganz im Zeichen handgemachter Klänge mit Herzschlagrhythmus. Es geht offenbar auch ohne Drumcomputer und Maschinenbass. Die Fans traditioneller Rock-, Soul- und Bluesmusik mit durchaus innovativen Aspekten feierten im Gerry Weber Event Center ausgelassen bis weit nach Mitternacht.

Johannes Gerhards

Nicht nur optisch eine große Ähnlichkeit: Auf den musikalischen Spuren von Soul-Lady Aretha Franklin wandelt die Soul Music Revue, die bei ihrem Auftritt in Halle auch vielen anderen Größen ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. Foto: Johannes Gerhards

»Wir freuen uns sehr, diesen Abend eröffnen zu dürfen«, sagt Jessy Martens, als sie mit ihrer Band die Bühne betritt. Moderator Werner Schulze-Erdel hat die Sängerin mit der explosiven Stimme zuvor als »Power-Mutti« angekündigt und damit auf die elf Monate zurückliegende Geburt ihrer Tochter angespielt. Jessy Martens ist zum vierten Mal beim B&W Rhythm’n’Blues Festival zu Gast und verspricht den 1.450 Besuchern einen wundervollen Abend mit fantastischen Musikern.

Ausflug ins Publikum

Nicht nur beim Ausflug ins Publikum macht sie ihrem Namen als Rockröhre alle Ehre. Ausgefeilte Gitarrensoli über groovigen Rhythmen bieten ihr die optimale musikalische Basis. Dabei beweisen die Musiker, dass sie ihr Handwerk nicht nur elektrischen Instrumenten beherrschen. Auch akustisch wissen sie zu überzeugen – vor allem bei dem Song mit »der schönen Stelle«, für die es Szenenapplaus gibt.

Danach gibt der Niederländer Julian Sas, eine weitere Urgewalt des Blues, vom ersten Takt an Vollgas. Fast ohne Unterbrechung folgt ein mitreißender Blues-Rock-Titel dem anderen. Erinnerungen an Rory Gallagher werden wach und sind keinesfalls zufällig. »Ich habe ihn 1995 getroffen, als es ihm schon nicht mehr so gut ging«, berichtet Julian Sas. Er werde sein Andenken immer im Herzen bewahren, genauso wie das an einen weiteren Seelenverwandten, den weißen Bluesgiganten Johnny Winter. In Sas’ Musik finden sich Elemente von »Ten Years after«, einer weiteren prägenden Band der Woodstock-Ära.

Hommage an Jimi Hendrix

Neben treibenden Bass- und Schlagzeugpassagen dominieren ausgefeiltes und melodisches Gitarrenspiel im Kontrast zu fast vergessenen Klängen, die Roland Bakker seiner fast schon antiken Hammondorgel entlockt. Über allem liegt Julians kraftvolle Stimme mit bluestypischen Textfragmenten. Nachdem er in einer langen Coverversion »Hey Joe« von Jimi Hendrix zitiert, endet die grandiose Performance mit »Full Speed down the Highway«.

Bernhard Allison, Sohn von Blueslegende Luther Allison, hat die Stücke seines 1997 verstorbenen Vaters immer noch im Repertoire und blickt gelegentlich mit ehrfürchtiger Dankbarkeit gen Himmel. Saxophon und Gitarre liefern sich einen melodischen Schlagabtausch, die Band agiert mit großer Spiel- und Improvisationsfreude. Hier dominiert authentischer schwarzer Blues mit Anleihen bei Soul und Reggae. Ein über sieben Minuten langes Schlagzeugsolo leitet von der Hendrix-Nummer »Voodoo Child« über zum abschließenden Titel »Serious«, bei dem noch einmal alle Register gezogen werden. Als Dank an die Fans verschenkt er anschließend einige Plektren als Souvenir.

Später Überraschungsgast

Das Finale der großen Blues-Party bestreiten Überraschungsgast Ron Williams und die Sweet Soul Music Revue. Im Rahmen dieses Show-Projektes, von Bandleader Klaus Gassmann 2009 ins Leben gerufen, bringen zwanzig Musiker und Sänger einen möglichst breiten und repräsentativen Ausschnitt der damaligen Soul-Szene authentisch und leidenschaftlich auf die Bühne. »Soul Man«, »Dancing in the Street« und »Mustang Sally« sind einige der Klassiker. Mit anderen Songs wird Wilson Picket, Ray Charles, Aretha Franklin und Stevie Wonder ein musikalisches Denkmal gesetzt.

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