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Von Stefan Küppers

Es gibt immer was zu feiern

SPD, Grüne und UWG haben eine bedeutende Entscheidung zur Stärkung des schulischen Angebotes in Halle durchgesetzt. Generationen von Schülern werden von dem Neubau der Grundschule Gartnisch profitieren und ihre Eltern werden froh sein, ihre Kinder in diesen Lebens- und Lernort modernster Prägung schicken zu dürfen. Ja, diese Zukunftsschule kostet viele Millionen. Aber das sollten uns Kinder doch wert sein. So oder so ähnlich werden die drei Fraktionen im Wahlkampf von ihrer Schulpolitik erzählen.

Stefan Küppers

Blick auf die Grundschule Gartnisch (links), die nun neu gebaut werden soll. Die Förderschule (rechts) hat Interesse an Übernahme von Räumen für den Ausbau des Ganztagsbereiches. Ulrich Fälker Foto:

Den Kindern, Lehrern und Eltern sei die neue Schule von Herzen gegönnt. Und dennoch ist es notwendig, an dieser Stelle Störgefühle zur Sprache zu bringen.

Ein erst 2012 gebauter Lehrerzimmertrakt für 800.000 Euro kann die Neubau-Debatte nicht bremsen

Zu Beginn dieser Geschichte steht die von niemandem bezweifelte Feststellung, dass ein Teilbereich dieser Schule, nämlich die OGS, nicht mehr den Anforderungen entspricht. Doch schon gleich am Anfang der Diskussion 2016 ist immer wieder von der energetischen Schwächen auch des Hauptgebäudes sowie der schlechten Umsetzbarkeit von pädagogischen Konzepten die Rede. Dass gerade vier Jahre zuvor (2012) für 800.000 Euro der Lehrerzimmertrakt im Hauptgebäude neu gebaut worden war, bremst diese Debatte jedenfalls nicht aus. Energiegutachter sekundieren, ein Schulentwicklungsplaner sieht Bedarf für mehr Räume und Architekten stellen Vergleichsberechnungen vor, bei denen Sanierung und Umbau quasi genauso teuer kommen wie ein Neubau. Der Zug rollt unaufhaltsam in die Richtung Neubau.

Gutachter sagt: Altbebäude ist „in keinerlei Hinsicht abgängig oder baufällig“

Da spielt es dann zum Ende keine Rolle mehr, dass die für notwendig erachteten Fördermittel nicht fließen werden. Und auch die neue Aussage des Energiegutachters, dass das Hauptgebäude „in keinerlei Hinsicht abgängig oder baufällig“ ist, soll das Millionen-Projekt nicht stoppen.

Viele Politiker haben fälschlich schon einmal die goldene Zukunft der Haller Gesamtschule beschworen

Dass die Stadt im Wirtschaftsabschwung vorsichtiger sein sollte, um Haushaltsentwicklungen abzuwarten, wird als kinderfeindliche Zauderei diskreditiert. Voller Überzeugung beschwören Schulpolitiker stattdessen die nun großartigen Möglichkeiten in Gartnisch. Es sind übrigens die selben Vertreter von SPD, Grünen und UWG, die einst mit gleicher Begeisterung die goldene Zukunft der Gesamtschule in Halle beschworen haben. Das Zwischenergebnis dieses großes Wurfes ist freilich ernüchternd. Viele Eltern ziehen heute Realschulen in der Nachbarschaft der Gesamtschule vor. Nach sechs Jahren ist der vorläufige Tiefpunkt mit nur 74 Anmeldungen (statt 108) für den neuen fünften Jahrgang erreicht. Eine Diskussion über die Gründe oder gar die Übernahme politischer Verantwortung für diese Fehlentwicklung durch die Akteure von SPD, Grünen und UWG findet bis heute nicht statt. Es gibt ja was Neues zu feiern.

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