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Halle-Künsebeck

Fasten auch im Oberstübchen

Halle-Künsebeck

Offen sein für Neues: Das ist das Ziel der Fastenaktion des evangelischen Pfarrbezirks Künsebeck. „Sieben Wochen ohne“ lautet der Titel. Jeder entscheidet selbst, auf was er von Aschermittwoch an bis Ostern verzichten möchte.

Kerstin Eigendorf

Schokolade, Alkohol oder Zigaretten: Das sind die Klassiker des Verzichts in der Fastenzeit. In Künsebeck wird die Zeit auch genutzt, um im Kopf frei zu werden. Foto:

„Wir machen da keine Vorgaben, uns geht es darum, dass jeder neue Möglichkeiten kennenlernt“, sagt Friederike Hegemann vom Organisationsteam.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es bundesweit diese Fastenaktion der evangelischen Kirche. Millionen Menschen machen mit. Sie verzichten nicht nur auf das ein oder andere Laster wie Rauchen, Alkohol oder Süßigkeiten, sondern wollen wenigstens eine Zeit lang frei im Kopf werden. Fasten im Kopf sozusagen!

Das Motto heißt in diesem Jahr „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“. Dabei dachte das Organisationsteam im Pfarrbezirk Künsebeck sofort an das Internet als Spielraum in Zeiten der Corona-Pandemie. „Denn natürlich ist dieses Jahr ganz anders im Vergleich zu der Aktion in den Vorjahren“, gibt Friederike Hegemann zu. „Sonst gab es immer viele persönliche Begegnungen.“ Diesmal sei der Spielraum eben digital. „Das Internet bietet diesen nötigen Spielraum, um jeden einladen zu können und auf Abstand trotzdem einen Hauch von Gemeinschaft zu erleben,“ freut sich auch Pfarrerin Karin Hanke. Es gebe viele Onlineangebote von Themen wie veganes Essen über Andachten, Sport und Spieleabende bis hin zu Gesprächskursen inklusive Traumreisen zu sich selbst.

Immer montags wird auf www.kuenske.de/7wochenohne/ das Programm für die ganze Woche online gestellt. Ein besonderes Bonbon ist die zwei Kilometer lange Rallye durchs Dorf. „Richtungswechsel“ lautet ihr Titel. „Die Rallye lädt dazu ein, durch Künsebeck zu laufen und einmal noch genauer als sonst hinzuschauen“, erzählt Friederike Hegemann. Es gebe Stationszettel, die das Ganze noch spannender gestalteten. „Die Rallye passt gut zu unserer Fastenaktion: Es geht darum, sich frei im Kopf zu machen, um Dinge zu sehen, die sonst unbeachtet vorbeiziehen.“

Der Startschuss in Künsebeck ist bereits am Dienstag gefallen. Im Windfang des Gemeindehauses konnten Fastentüten abgeholt werden – natürlich kontaktlos. „Diese Tüten haben wir zum ersten Mal zusammengestellt“, sagt Hegemann. Man habe so eine Extrafreude bereiten, etwas „Licht bringen“ wollen. Wohlfühltee, Infomaterial, eine Anleitung zu Zoom-Konferenzen, Creme, Samen und ein paar christliche Botschaften: All das fand sich in der Fastentüte. „Einige haben die Tüte persönlich abgeholt, aufgrund der Wetterverhältnisse haben uns aber viele ältere Menschen geschrieben und gefragt, ob wir sie ihnen zurücklegen könnten.“ Kurzerhand drehte das Organisationsteam eine Runde durchs Dorf und brachte einige Fastentüten vorbei.

Die Organisatoren freuten sich bei der Abhol-Aktion am Gemeindehaus über viele bekannte Gesichter, aber auch über Neulinge. „Es waren viele Menschen dabei, die ich in der Gemeinde zuvor noch nie gesehen hatte“, sagt Friederike Hegemann erfreut. Das sei ein tolles Signal, dass das Programm nicht nur bei Alteingesessenen Anklang finde, sondern auch neue Leute miteinbeziehe. „Gemeinsam Dinge tun, die man sonst nicht macht, verbindet Menschen, auch wenn dieses Jahr alles digital ablaufen muss.“

Gerade durch die Corona-Pandemie ist die Vernetzung „wirklich super“, haben die Organisatoren festgestellt. „Das Internet bietet uns einen großen Spielraum“, sagt Friederike Hegemann. Im Vorfeld hätte das Organisationsteam Testballons gestartet, um zu sehen, was alles möglich ist. Krimi-Dinner habe sofort gut funktioniert beispielsweise. „Und so war schnell klar, dass die Fastenaktion in diesem Jahr keinesfalls entfällt, sondern einfach nur auf einer anderen Ebene stattfindet“, sagt Friederike Hegemann und ist überzeugt, dass auch die digitale Version ein Erfolg wird.

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