1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Halle
  6. >
  7. Grüne sind Gewinner und Verlierer

  8. >

Halle: Riesengewinne für grüne Ratsfraktion, aber Witte scheitert bei Bürgermeisterwahl

Grüne sind Gewinner und Verlierer

Halle (WB). Was für eine Spannung am Wahlabend . Um gerade mal 78 Stimmen hat bei der Bürgermeisterwahl Edda Sommer das Rennen um den zweiten Platz gegen Dr. Kirsten Witte gewonnen. Überzeugender Sieger mit großem Vorsprung war Thomas Tappe (CDU), der nun in eine Stichwahl gegen Edda Sommer antreten muss.

Stefan Küppers

Edda Sommer von der SPD (links) und Thomas Tappe (CDU, rechts) werden in zwei Wochen in einer Stichwahl ausmachen, wer neuer Bürgermeister in Halle wird. Ulrike Sommer (Mitte) hatte sich auch schon mal um das Bürgermeisteramt beworben. Foto: Stefan Küppers

Am Ende standen 27,38 Prozent oder 2743 Stimmen für Kirsten Witte während Edda Sommer auf 2.821 Stimmen oder 28.16 Prozent kam. Das Ergebnis stand erst gegen 22.30 Uhr, nachdem die letzten Briefwahlbezirke ausgezählt waren. Thomas Tappe darf mit 4.455 Stimmen oder 44.47 Prozent als Favorit für die Stichwahl angesehen, die am Sonntag, 27. September, entscheidet, wer den Chefsessel im Haller Rathaus erobert.

Während Kirsten Witte sich bei der Bürgermeisterwahl sicherlich mehr ausgerechnet hatte, gab es bei der Ratswahl völlig entgegengesetzte Ergebnisse. Hier setzte sich Witte als Ratskandidatin im direkten Duell gegen Edda Sommer durch und gewann das Ratsmandat. Außerdem triumphierten die Grünen mit dem höchsten prozentualen Zuwachs und ziehen bei 26,91 Prozent (plus 12,5 Prozent) künftig mit zehn statt bisher sechs Mandaten in den Stadtrat ein. „Die klare Kante in Sachen Umwelt- und Klimaschutz hat sich ausgezahlt“, sagt Grünen-Sprecherin Veronika Karpf. Die Grünen holten sogar drei Direktmandate, davon allein zwei in Künsebeck (Friederike Hegemann und Ingrid Diekmann-Vemmer).

CDU-Vorsitzender nicht mehr im Rat

Während die Grünen der relative Sieger an diesem Abend waren , konnte die CDU zwar nur leicht um etwa ein Prozent zulegen. Doch insgesamt mit 36,10 Prozent sowie 14 Mandaten im Stadtrat stellen die Christdemokraten die eindeutig stärkste Fraktion. Die CDU holte dabei 14 von 19 Direktmandaten insgesamt. Doch weil Hendrik Schaefer sich in seinem Künsebecker Wahlkreis nicht durchsetzen konnte und wegen des hohen Direktmandateanteils die Reserveliste der CDU nicht zum Zuge kommt, verliert die Ratsfraktion ihren Vorsitzenden. Auch der Bau- und Verkehrsausschussvorsitzende Detlef Kroos sowie die Sozialausschuss-Vorsitzende Dr. Ute Müller werden für die CDU wegen des Ausfalls der Reserveliste nicht mehr dem neuen Stadtrat angehören.

Wunden lecken hieß es bei der SPD, die sich personell weitgehend neu aufgestellt hat und einen prozentualen Verlust von rund 11,5 Prozent hinnehmen muss. Die verbleibenden 23,67 Prozent reichen nur noch für neun Sitze und den dritten Platz unter den Fraktionen im Stadtrat. Bislang hatte die rot-grüne Gestaltungsmehrheit einen Vorsprung von 20:18 plus Bürgermeisterstimme im Rat. Nunmehr kommt Rot-Grün noch auf 19 Stimmen.

UWG als mögliches Zünglein an der Waage

Über einen schönen Zuwachs von 1,1 Prozent und damit vier Sitze im Rat (bisher drei Mandate) freut sich die UWG. Die Unabhängige gewinnen damit eine starke Position als mögliches Zünglein an der Waage. Diese Rolle kann die FDP nicht ausfüllen. Von dem ausgegebenem Wahlziel von 6,5 Prozent waren die tatsächlichen 3,8 Prozent weit entfernt. Es bleibt damit bei einem Ratssitz ohne Fraktionsstatus. Den wird aber nicht wie bisher Klaus-Peter Kunze für die FDP innehaben, sondern Harald Stützlein.

Die Wahlbeteiligung lag zwar mit 5 Prozentpunkten höher als vor sechs Jahren, aber mit 59,8 Prozent knapp unter der angestrebten Marke von 60 Prozent.

Bei der Landratswahl gewann Sven-Georg Adenauer (CDU) in Halle mit 50,6 Prozent deutlich vor Marion Weike mit 41,02 Prozent. Die Kandidatin der Sartirepartei kam in Halle auf stolze 8,3 Prozent. Das Haller Kreistagsmandat errang Elke Hardieck.

Kommentar von Stefan Küppers

Die Kommunalwahl war so spannend wie schon lange nicht mehr. Und sie hat eine große Überraschung gebracht. Weniger bei der Ratswahl. Da konnte man mit kräftigen Zugewinnen für die Grünen insgesamt schon rechnen, auch wenn der Sprung von sechs auf zehn Ratsmandate deutlicher ausfiel, als ihn sich die Grünen selbst erträumt hatten. The Trend is your friend, heißt es auf Neudeutsch. Will heißen: Die letzten heißen Sommer, die nicht zu leugnenden Veränderungen beim Klima und zuletzt wohl auch die große Storck-Debatte und hier insbesondere die stark emotionalisierte Wasserförderfrage haben den Grünen viele Stimmen gebracht.

Dass Dr. Kirsten Witte, trotz direkt gewonnenem Ratsmandat, bei der Bürgermeisterwahl nicht mal ins Stechen gekommen ist, ist jedoch für die ganze Partei auch eine große Enttäuschung. Und hier ist es womöglich genau die Storck-Debatte gewesen, die Kirsten Witte im internen Duell mit Edda Sommer die entscheidenden Stimmen gekostet hat. Denn wer als Bürgermeisterkandidatin sich bewusst neu in Fachausschüsse, um Profil zu zeigen, und dann mal Ja, mal Nein zur Storck-Planung stimmt, verscherzt sich es im Zweifel in beiden Lagern. Es fehlte an Klarheit.

Startseite