Wegen Corona 78 Prozent weniger Belegung: In den meisten Altkreis-Orten haben die Hotels kräftig Betten eingebüßt

Halle hält die Hotel-Fahne hoch

Altkreis Halle

Hotels und Gastronomie haben mit den Folgen der Pandemie besonders zu kämpfen. Im Altkreis Halle sind bereits erheblich Betten abgebaut worden. Vor allem Halle selbst hält hier noch die Hotel-Fahne hoch.

Klaus-Peter Schillig

Auch Antje Siekendiek hat in ihren Familienbetrieb auf Sparflamme schalten müssen. Viele Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Foto: Schillig

Die wenigen Gäste, die an Antje Siekendiek vorbei durchs Hotelfoyer laufen, kann sie mit Namen ansprechen und sogar ihre Essensvorlieben nennen. Monteure, Mechaniker, Ingenieure – wer in diesen Coronazeiten im Hotel übernachtet, ist beruflich unterwegs, benötigt ein Einzelzimmer, ein gutes Frühstück und abends etwas zu essen. Ausgelastet sind die Betriebe damit bei weitem nicht. Aber wie könnte es nach Corona aussehen, wenn Tagungen und Seminare anlaufen und auch Touristen verstärkt im eigenen Land bleiben?

Im Gegensatz zu Halle haben alle übrigen Orte im Altkreis Betten eingebüßt. In Versmold ist das Altstadthotel künftig nur noch Seminarort, in Steinhagen ist für das geschlossene „Graf Bernhard“ noch keine Nachfolgeregelung in Sicht, in Werther ist das Stadthotel am Busbahnhof noch nicht wieder eröffnet. Das Best Western (früher Kippskrug) wird nach erneutem Betreiberwechsel wohl im Mai wieder öffnen. Gibt es etwa demnächst zu wenige Betten?

Der Wegfall vom „Graf Bernhard“ in Steinhagen ist ein herber Verlust.

„Es wäre schon schön, wenn man ein paar mehr hätte“, sagt beispielsweise Ina Bohlken, die beim Teutoburger-Wald-Tourismus der OWL GmbH für die Hermannshöhen zuständig ist. Gerade für die Etappenwanderungen benötigt man ein relativ dichtes Netz an Beherbergungs-Unternehmen, weil man zu Fuß nicht eben mal zehn Kilometer mehr am Tag machen möchte. Ein echtes Problem sieht sie aber nicht, weil die Wanderer ihre Touren vorher planen und über die gängigen Portale im Internet ihre Betten buchen. Und danach ihre Etappen planen.

Es ist eher eine Frage des Images. „Dass das Graf Bernhard weg ist, ist schon ein echter Verlust,“ meint Steinhagens Bürgermeisterin Sarah Süß, weil damit im Ortskern gar kein Betrieb mehr vorhanden ist. Sie könnte sich hier auch ein neues Hotel vorstellen. „Das wäre für die Gastronomie im Ort natürlich optimal.“ Ein Bett findet man dennoch, aber eben in den Außenbereichen: im „Quellental“ am Teuto, in der „Steinhäger-Quelle“ in Amshausen oder im „Ententurm“ in Brockhagen. Albrecht Pförtner, Chef der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft „Pro-Wi GT“ im Kreis Gütersloh sieht es ähnlich: „Dass ein Standort wie Steinhagen kein Hotel hat, ist nicht gut.“

Borgholzhausens Bürgermeister hat die Vision eines „Lebkuchen-Hotels“.

Ein Dilemma, das auch Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann beklagt. Allein der Landgasthof Potthoff in Barnhausen und einige schöne Pensionen halten das Fähnlein des Tourismus hoch. In der Innenstadt und Richtung Bahnhof sind ehemals renommierte Häuser vom Markt verschwunden. Speckmann erzählt deshalb von seiner großen Vision: einem „Lebkuchen-Hotel“ in Kooperation mit Familie Knaust oder einer Wiederbelebung des Hotels Meyer.

In Halle dagegen sind vor Corona und sogar jetzt während der Pandemie wieder Betten dazugekommen. Allein 60 im neu eröffneten „Grünwalde“, optimal am Hermannsweg gelegen, und jetzt auch wieder 20 Betten in der wiedereröffneten Landpension Dröge in Ascheloh.

Hotel Hollmann in Halle setzt auch auf Touristen in der Region.

Nicht nur Antje Siekendiek hofft, dass nach Corona kaum noch einer Lust hat auf Videokonferenzen , setzt aber auch auf Touristen in der Region. Vor allem die Wanderer, aber auch Radfahrer, füllen nicht nur am Wochenende die Zimmer, sondern bei längeren Touren auch während der Woche. Derzeit allerdings kann sie zwangsweise freie Wochenenden „genießen“, musste die Ostergeschenke für die Mitarbeiter bei denen zu Hause abliefern. Die meisten sind in Kurzarbeit, die Küche arbeitet in kleinster Besetzung, weil die Hotelgäste ja im Restaurant essen dürfen und dazu auch außer Haus geliefert wird. „Ansonsten können wir als Familie den Betrieb aufrechterhalten, zur Not arbeitet eben einer allein.“

In OWL Mindereinnahmen von mehr als einer Milliarde Euro

Das die meisten Haller Hotelbetriebe noch einige wenige Gäste beherbergen und in normalen Zeiten gut ausgelastet sind, liegt auch an der Wirtschaftskraft der Region. „Wir sind sehr dankbar für den Branchenmix“, sagt Antje Siekendiek und ist froh, nicht von einem Großunternehmen abhängig zu sein. Im gesamten Kreis Gütersloh, sagt Albrecht Pförtner, gab es vor Corona 600.000 Übernachtungen im Jahr, 80 Prozent davon waren Geschäftsreisende, die an Tagungen oder Seminaren teilgenommen haben. Im Norden des Kreises verschiebt sich das Verhältnis noch etwas mehr Richtung Tourismus.

Der Einbruch durch Corona aber ist schon eklatant, wie der Landesbetrieb IT just an statistischen Zahlen nachgewiesen hat. Im Vergleich Januar 2020 – kurz vor der Pandemie – zu Januar 2021 ist die Zahl der Übernachtungen im Kreis Gütersloh um gut 68 Prozent zurückgegangen, in Halle sogar um 78 Prozent.

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