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Grund ist die Bauphase in Bielefeld – Klimaschutzziele stellen Signal für Zugstrecke

Haller Willem hat Fahrgäste verloren

Halle (WB). Anderthalb Jahre Bauphase für die Erneuerung der Brücken in Bielefeld haben den Haller Willem etwa 20 Prozent der Fahrgäste gekostet, an Wochenenden sogar etwa 35 Prozent.

Klaudia Genuit-Thiessen

Zwischen Stadion und Bahnhof muss der Zug langsam fahren, wie hier über den Laibach. Das soll mit der Deutschen Bahn angesprochen werden. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Diese Zahl nannte der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) kürzlich in Bielefeld bei einem Gespräch mit Vertretern der Initiative Haller Willem. Dennoch: Auch die Klimaschutzziele des Bundes setzen neue Signale für den weiteren Ausbau der Bahnstrecke zwischen Bielefeld und Osnabrück.

Vor der Sanierung gab es an Werktagen gut 5000 Ein- und Aussteiger, so dass man jetzt alles tun muss, um mit Verlässlichkeit und Pünktlichkeit Fahrgäste zurückzugewinnen. Darin waren sich Mitglieder der Initiative Haller Willem mit Vertretern des Verkehrsverbundes einig. Allerdings hat der Haller Willem im NRW-Qualitätsbericht 2018 schon mit 90 Prozent Pünktlichkeit vergleichsweise gut abgeschnitten, wobei eine Verspätung von vier Minuten toleriert werde, erklärten Simon-Konstantin Breitkopf und Anja Stocksieker vom VVOWL. Mancher Regionalexpress erreiche nur 50 Prozent.

Neue Frühzüge am Sonntag

Die Initiative begrüßt den Einsatz von Frühzügen an Sonntagen ab Fahrplanwechsel im Dezember, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. 8.03 Uhr ab Bielefeld, 7.35 Uhr ab Osnabrück erleichtern es, touristische Ziele per Zug zu erreichen. Zustimmung findet auch der geplante Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge, wahrscheinlich mit Akkus, ab Dezember 2025. Mit der Neuvergabe des Betriebs von diesem Zeitpunkt an wünscht sich die IHW auch die Wlan-Nutzung sowie den Verbleib der Fahrkartenautomaten in den Zügen.

Bestandteil einer landesweiten Qualitätsoffensive sei es, den Mangel an Triebfahrzeugführern zu beheben, erklärte Breitkopf. So prüfe man nicht nur eine Kampagne, um Fachkräfte zu gewinnen, sondern auch, wie man künftig bei Ausschreibungen Ausbildungsquoten und Personalreserven verlangen kann. Neun Eisenbahnunternehmenhaben bereits Ausbildungskostenerstattungen bei Abwerbungen von Fachkräften vereinbart.

Langsamfahrstrecke beseitigen

Aktuell will sich die IHW dafür einsetzen, dass die Tageskarten für eine Person und fünf Personen aus dem Westfalentarif nicht nur zwischen Dissen und Bielefeld, sondern im Haller Willem bereits ab Osnabrück genutzt werden können. Allerdings muss zunächst die Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück der tariflichen Einigung zustimmen. Erst dann können entsprechende Fahrkarten auch in den Automaten der Nordwestbahn zu erwerben sein.

Die Zugbegleiterquote sei auf 50 Prozent tagsüber und 95 Prozent ab 19 Uhr erhöht worden, teilte Anja Stocksieker mit. Im Zusammenhang mit der geplanten Mobilitätsstation Borgholzhausen werde der Piumbus weiterhin eingesetzt. Die VVOWL-Vertreterin sagte zu, die Beseitigung der Langsamfahrstrecke zwischen Gerry-Weber-Stadion und Halle gegenüber der Deutschen Bahn noch mal zur Sprache zu bringen.

30-Minuten-Takt

Einen Schub für mehr Fahrgäste erwartet die Initiative bekanntlich von der Verlängerung des 30-Minuten-Taktes über Bielefeld-Halle hinaus bis Osnabrück. Nach Auskunft des VVOWLs kann geprüft werden, den Fahrplan um einen Regionalexpress zu ergänzen, der nicht überall hält, teilt die IHW mit. Im Klartext: Statt der derzeitigen 75 Minuten braucht es dann nur ca. 60 Minuten von Bielefeld nach Osnabrück. Allerdings wird dafür mehr an Infrastruktur benötigt – einschließlich weiterer Begegnungsbereiche. Genaueres erwartet man vom Nahverkehrsplan des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe. Der Entwurf soll bis zum Jahresende vorgelegt werden. Grundsätzlich müssen Planungen für den 30-Minuten-Takt mit dem niedersächsischen Partner (LNVG) abgestimmt werden.

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