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Haupt- und Finanzausschuss diskutiert über alte Häuser an Langer Straße

»Halles Seele« oder doch nicht?

Halle (WB). In der Debatte um den Erhalt alter Häuser an der Langen Straße sind in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses teilweise erhebliche Auffassungsunterschiede deutlich geworden.

Stefan Küppers

Das Haus Deckenbrock an der Langen Straße hat eine Jahrhunderte alte Geschichte, ist aber in den vergangenen Jahren sehr herunter gekommen. Die Interessengemeinschaft Lange Straße setzt sich für den Erhalt solcher Häuser ein. Foto: Küppers

Ilka Windisch als Sprecherin der Interessengemeinschaft Lange Straße hatte mit ihren kritischen Anmerkungen zum bisherigen Verfahren sowie Aufforderungen an die Politik (»Richten Sie den Blick auf das Machbare und auf die Maßnahmen, die zum Erhalt unseres gemeinsamen kulturellen Erbes führen.«) eine lebhafte Debatte ausgelöst.

Stadt setzt auf Architekten-Rat

Eigentlich sollte Architekt Oliver Erdmann schon zur Sitzung seinen Bericht über Zustand und Möglichkeiten in den alten Häusern vortragen. Doch dies war ihm zeitlich nicht möglich. »Erdmanns Expertise ist sehr wichtig, auch wenn es keine Käufer geben sollte«, meinte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Gleichzeitig betonte sie, dass die Stadt keine Steuergelder ausgeben könne, um selbst Mietwohnungen daraus zu machen. Ihre Aussage, dass ein Prozess laufe, in dem noch nichts entschieden sei, wurde auch von anderen SPD- und Grünen-Vertretern wiederholt.

Wolfgang Bölling (SPD) machte deutlich, dass er die anstehenden Aussagen von Architekt Erdmann als sehr wichtig ansieht. Der sei absoluter Experte. »Wir wollen die Häuser als Stadt nicht behalten oder einen maximalen Gewinn erzielen, sondern an andere übergeben, damit Leute was draus machen«, fügte Bölling hinzu.

»Den Fehler, solche Objekte abzureißen, kann man nur einmal begehen.«

Klaus-Peter Kuntze (FDP) positionierte sich so, dass möglichst viele von den historischen Häusern erhalten werden sollten. Den Fehler, solche Objekte abzureißen, könne man nur einmal begehen. Er befürwortete den (noch nicht abgestimmten) Antrag der Bürgerinitiative, dass die Stadt schon im Etatplan 2020 Mittel für den provisorischen Erhalt bereitstellt.

Jochen Stoppenbrink (Grüne) lobte den eingeschlagenen Planungsprozess. »Wenn wir weiter gewartet hätten, wären wir 2025 noch nicht soweit. Er zeigte sich überzeugt, dass man in einem noch zu bildenden Gestaltungsbeirat gute Ergebnisse erzielen werde. Man benötige ein Miteinander von altem Fachwerk und hochwertiger Bebauung.

Schaefer (CDU): »Die alten Häuser sind das Gesicht und die Seele dieser Stadt.«

»Wir hätten uns nichts vergeben, wenn wir mit dem Planungsprozess noch gewartet hätten«, sagte Hendrik Schaefer (CDU) und verwies auf die Freigabe der A33 am Montag, deren Auswirkung auf die B68 abgewartet werden solle. »Wir müssen so viele alte Häuser wie möglich erhalten, sie sind das Gesicht und die Seele dieser Stadt«, fügte Schaefer hinzu. Im übrigen hätten bei der jüngsten Begehung tatsächlich nur Probleme im Vordergrund gestanden.

Den Kontrapunkt setzte hier Ulrike Sommer (SPD): »Alle gekauften Häuser sind der Stadt angeboten worden. Manches davon ist nicht erhaltungswürdig. Sie sind auch nicht die Seele der Stadt. Die sehe ich eher am Kirchplatz.«

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