Was der Haller Großhändler für Pflege und Hygiene, Keppel & Kompagnon, in der Corona-Krise erlebt

Handeln in einem verrückten Markt

Halle

Der Fachgroßhändler für Hygiene- und Pflegebedarf, Keppel & Kompagnon aus Halle, erlebt ein aus Händlerperspektive extrem herausforderndes Corona-Jahr. In der Pandemie-Krise müssen zum einen manche Mangelwaren für systemrelevante Kunden kontingentiert werden, zum anderen muss auf einem verrückten Markt, auf dem sich jetzt auch Spekulanten und Betrüger herumtreiben, ein seriöser Händler verschärft aufpassen.

Stefan Küppers

Geschäftsführer Matthias Keppel und Prokurist Meik Tabatt mit einer kleinen Auswahl von Corona-Schutzmasken, die von dem Fachgroßhändler für Pflege und Hygiene vertrieben werden. Das Corona-Jahr hat einen Markt mit vielen außergewöhnlichen Komplikationen und Herausforderungen gebracht.. Foto: Küppers

Wenn in China gefeiert wird, kann das auf dem deutschen Markt für FFP-2-Masken und auch für weitere Corona-Schutzmittel zum Beispiel in der Pflege zum Problem werden. Darauf weist Matthias Keppel hin, Geschäftsführer von Keppel & Kompagnon. Der Großhändler für Industriebedarf im Bereich Pflege und Hygiene in Halle (Kreis Gütersloh) beliefert mehr als 8000 Kunden in OWL und angrenzenden Regionen, darunter Krankenhäuser- und Pflegeheime.

Produktionsprobleme für Schutzmasken wegen chinesischem Neujahrsfest

Wegen der landesweiten Feierlichkeiten rund um das chinesische Neujahrsfest am 12. Februar rechnet Keppel in den nächsten Wochen mit Einschränkungen bei Belieferungen mit Schutzmasken, Schutzkitteln oder Einmalhandschuhen aus Latex für die Pflege. „Was jetzt nicht schon bestellt ist, wird so schnell nicht kommen“, ergänzt Keppel-Prokurist Meik Tabatt und berichtet davon, dass es wegen fehlender Container für den Schiffsverkehr zu bedeutenden Verzögerungen oder aber erheblichen Preissteigerungen für teure Lufttransporte aus China gekommen sei. Teils seien bis zu zehnfach höhere Transportkosten angefallen. Ein besonderes Problem ist Keppel zufolge, dass in der Pandemie weltweit nicht ausreichend Vliesschutz als Rohstoff vorhanden ist. Weil dieser Vliesschutz zum allergrößten Teil in Corona-Schutzmasken verarbeitet werde, fehle dieser letztlich für Produktion von Desinfektionstüchern und Schutzanzügen.

Auf unruhigem Markt für Hygieneartikel tummeln sich auch Spekulanten und Betrüger

Keppel berichtet von einem teilweise sehr unruhigen Markt für Hygieneartikel, auf dem sich auch Spekulanten und betrügerische Anbieter tummelten. Vor einiger Zeit habe sich in einer Container-Ladung für Schutzmasken tatsächlich zum Großteil Sand befunden. Als Fachgroßhändler müsse man die Qualität der Ware gut prüfen. So seien zum Beispiel Pflegehandschuhe aus Latex teilweise nur mit minderwertigerem Vinyl produziert worden.

Seit Pandemiebeginn ist bei Keppel & Kompagnon in Halle-Künsebeck eine größere Zahl von Dankesbriefen angekommen. Denn der Fachgroßhändler hat in der Corona-Krise zu spüren bekommen, wie groß plötzlich Verantwortung für die zureichende Belieferung von Kunden mit im wahrsten Sinne lebensnotwendigen Materialien werden kann.

Keppel & Kompagnon kontingentiert auch Mangelwaren für „systemrelevante Kunden“

Geschäftsführer Matthias Keppel (37) erinnert sich an einen Anruf des Herzzentrums Bad Oeynhausen, als der Fachgroßhändler aus Halle zur letzten Hoffnung bei der Lieferung mit Desinfektionsmitteln geworden war. Keppel konnte zum Glück liefern, sonst hätte womöglich der Betrieb im Herzzentrum zeitweise eingeschränkt werden müssen. „Wir achten darauf, dass wir für unsere systemrelevanten Kunden lieferfähig bleiben. Und deshalb kontingentieren wir schon mal bestimmte Artikel, wenn es an diesen auf dem Markt mangelt“, verdeutlicht Keppel, was sein Unternehmen auch unter Verantwortung versteht.

Der 2002 gegründete Handelsbetrieb mit 72 Mitarbeitern verlädt täglich zwischen 150 und 180 Paletten Waren und liefert in einem Radius von etwa 150 Kilometern rund um Halle-Künsebeck, wo im Ravenna-Park 2016 eine neue Firmenzentralegebaut wurde. Seit neuestem können auch Endverbraucher über den Online-Shop unter www.shop.keppel-gmbh.de zertifizierte Lagerware bestellen. Das mit der Zertifizierung ist in der Corona-Krise von besonderer Bedeutung, wie sich schon mehrfach gezeigt hat.

Als China bestellte Masken-Container wieder aus dem Hafen zurückholte

Matthias Keppel und Prokurist Meik Tabatt können sich noch gut erinnern, als die Pandemie vor knapp einem Jahr über den Hygieneartikel-Großhändler quasi hereinbrach. Binnen kürzester Zeit verdoppelten sich die Kundenbelege, wollten viele neue Kunden sowohl mit Masken, Schutzkitteln, Hygienehandschuhen oder Desinfektionsmitteln beliefert werden. Doch gelegentlich war dann auch K&K machtlos, als zum Beispiel im Februar 2020 Chinas Regierung für den Export bestimmte Container mit Schutzmasken vom Hafen wieder wegholte, sodass die Haller längere Zeit versuchen mussten, mit Lagerbeständen zurecht zu kommen. Ähnliches passierte später mit Fieberthermometern.

Rohstoff-Knappheit treibt die Preise

Die Pandemie bringt verrückte Ausschläge mit sich, wie die K&K-Geschäftsleiter darlegen. Für eine Maskenlieferung aus China, die im Oktober 2020 bestellt wurde, ist ein Liefertermin im Juni 2022 (!) in Aussicht gestellt worden. Und obwohl in Fernost auch aufgrund von Rohstoffmangel immer noch nicht genügend Einmalhandschuhe produziert werden können, ist der weltweite Bedarf für diese Produkte inzwischen um rund das Zehnfache gestiegen. Das treibt die Preise. Und auch in Haller Apotheke müssen Latexhandschuhe bei Vergabe an Endkunden kontingentiert werden.

Zertifikats-Fälschungen von Waren müssen erkannt und aussortiert werden

Bei Keppel & Kompagnon kommt an dieser Stelle ein guter Rat für Kunden hinzu, wie man solche Handschuhe sparsamer einsetzen kann. Die fachkundige Kundenberatung auch über neue Online-Angebote ist ein weiteres Betätigungsfeld, wie der Großhändler, der mehr als ein Logistiker sein will, mit Servicequalitäten punkten und seine Kunden schlauer machen möchte. Womit die Zertifizierung von Hygiene-Waren wieder mit ins Spiel kommt. Denn wie Matthias Keppel erläutert, brauchen bestimmte Waren eine besondere Begutachtung. So gibt es für Corona-Schnelltests und neue Corona-Spucktests, die an medizinische Einrichtungen verkauft werden, bestimmte Prüflisten beim Gesundheitsministerium. Doch auch das Paul-Ehrlich-Institut nimmt Prüfungen vor. Und manche Kunden wollen, dass Produkte von beiden Seiten geprüft worden sind. Das wiederum erhöht die Kompetenz-Anforderungen an einen Hygiene-Fachgroßhändler und sein Personal, zumal laut Meik Tabatt auch manche Zertifikats-Fälschungen unterwegs sind: „Vorher gab es viel Vertrauen im Markt, das ist durcheinander gewirbelt worden.“ Die dahinter stehende Frage lautet: Was kaufe ich also in der Krise wie am besten und verantwortlich ein?

Die Devise im Unternehmen heißt laut Matthias Keppel: Kunden sollen auch in Zukunft beim Händler ihres Vertrauens kaufen. „Wir leben dabei von der Mund-zu-Mund-Propaganda“, ergänzt Tabatt. Und wie wird es nach der Pandemie werden? „Wir werden bei Hygieneartikeln sicher nicht aufs Vor-Pandemie-Niveau sinken“, meint Keppel. Und Tabatt verweist beispielhaft auf Kindergarten-Kinder, die alle lernten, sich regelmäßig Hände zu waschen. Und auch ein Leben ganz ohne Schutzmaske werde es künftig wohl nicht mehr geben.

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