1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Halle
  6. >
  7. Heiße Debatte an der Alleestraße

  8. >

Knapp 60 Teilnehmer bei Bürgerforum zur umstrittenen Haller Verkehrspolitik

Heiße Debatte an der Alleestraße

Halle (WB). Eine ausgesprochen engagierte und auch kontroverse Diskussion über Haller Verkehrspolitik hat am Freitag Abend das fünfte Bürgerforum der Bürgerinitiative Alleestraße gebracht. Knapp 60 Personen hatten sich auf Einladung der Bürgerinitiative bei Tierpräparator Pohlmann an der Alleestraße 72 eingefunden, um mit Politikern zu diskutieren.

Stefan Küppers

Wegen des Lärms an der Alleestraße mussten die Redner mit einer Lautsprecheranlage verstärkt werden. Foto: Stefan Küppers

Nach spektakulärem Unfall: Anwohner kritisieren Kreisverwaltung

Natürlich war der spektakuläre Unfall am Donnerstag auf der Alleestraße großes Thema, als ein Fahrzeug die Kontrolle verlor und in einen Wintergarten fuhr (das WB berichtete). Der Geschädigte Erich Soetebier sprach wie auch andere Anwohner Klartext, dass endlich im unteren Abschnitt Tempo 50, ein Überholverbot sowie eine Tempoüberwachung angeordnet werden müsse. Deutliche Kritik wurde an der Kreisverwaltung geübt, die nichts verändert habe. Beim Thema Tempo 50 liefen die Anwohner aber bei allen Politikern offene Türen ein.

Kontroverse Debatte zwischen Bürgerinitiative und SPD

Spannender waren die Differenzen bei anderen Themen. Jörg Witteborg (SPD) machte deutlich, dass seine Fraktion in Sachen Alleestraße anderer Meinung als die Bürgerinitiative sei und eine gleichberechtigte Teilnahme aller Verkehrsteilnehmer fordere. Die Bürgerinitiative forderte er auf, eine Partei oder eine Wählergemeinschaft zu gründen. Das sei der erfolgversprechendere Weg, meinte Witteborg. Die Antwort lieferte Peer Kranz von der Initiative. „Ja, wir hätten zur Kommunalwahl antreten können. Aber wir wollen nicht in parteiliche Zwänge geraten und für die Bürger im Gespräch mit allen Parteien bleiben“, forderte Kranz eine gute Bürgerbeteiligung ein. Und auf eine weitere Frage aus der SPD, ob die Bürgerinitiative einen Konsens beim Verzicht auf Parkplätze an der Alleestraße herstellen könne, verdeutlichte Helmut Rose, dass die Initiative einen Generalverkehrsplan einfordere, der von Rot-Grün abgelehnt worden sei. Im Rahmen einer solchen Diskussion könne der notwendige Interessenausgleich stattfinden.

Aus Sicht von Dr. Kirsten Witte (Grüne) scheitert Bürgerbeteiligung immer dann, wenn es am Geld mangelt, ein Projekt nicht Chefsache werde oder Pläne schon in der Schublade lägen und Bürger nicht an der Ideenfindung beteiligt würden. „Man kann Stadtentwicklung nicht gegeneinander betreiben“, sagte Witte.

Neu eingestellte Ampel am KGH sorgt für Unmut

Ein Gesamtverkehrsplan müsse mit Bürgern erarbeitet werden, forderte Harald Stützlein (FDP). Das sei eine völlig andere Politik als die rot-grüne Gestaltungsmehrheit mit der Entwicklung des Nahmobilitätskonzeptes im stillen Kämmerlein betrieben habe. „Wir lehnen die Anti-Auto-Politik ab“, so Stützlein. Der UWG warf er vor, dass diese einen Gesamtverkehrsplan wegen der Kosten ablehne.

Manfred Stockhecke (UWG) betonte, dass das Nahmobilitätskonzept mit den Stimmen von Rot-Grün beschlossen worden sei. Für ein Gesamtverkehrskonzept sei es entscheidend, wo man hinwolle. Er nannte die Stichworte Klimaschutz und Aufenthaltsqualität in der Stadt. An Stockheckes Aussage, dass Radfahrer im Straßenraum sicherer seien, weil sie gesehen würden, rieb sich Thomas Tappe (CDU). Denn Umfragen von Fahrradverbänden zeigten, dass sich Radfahrer auf abgetrennten Hochborden sicherer fühlten. Die Kritik an der neu eingestellten Fußgängerampel am KGH, die sich jetzt nicht mehr nur auf Anforderung von Fußgängern einschaltet, sondern in kurzen Abständen immer wieder Rot zeigt, teilt Tappe: „Der ohnehin stockende Verkehr gerät so noch mehr ins Stocken.“

Startseite